Frauen haben viel, aber noch nicht alles Feier im Schanz zum Internationalen Frauentag

Mühlheimer Frauen feiern: Eva Scholz (links) beschenkt mit Isabelle Chanvillard, die frühere Frauenbeauftragte der Partnerstadt St. Priest. Foto: Mangold

Mühlheim (man) – Das Frauenbündnis von Mühlheim und die städtische Frauenbeauftragte Eva Scholz hatten am 8. März im Kulturzentrum Schanz gleich zwei Feste zu feiern. Zum einen stand der Internationalen Frauentag auf dem Programm, zum anderen der 30. Geburtstag des Frauenbündnisses. Bei der Rede von Scholz konnte jeder verstehen, warum der 8. März kein Tag zum Blumen- und Pralinenschenken ist.

In ihrer Begrüßungsrede vor 160 überwiegend weiblichen Gästen benennt Eva Scholz bekannte Begriffe der Emanzipationsbewegung. Die Frauenbeauftragte spricht von Rollenvielfalt, Chancengleichheit, Selbstbestimmung und Gewaltfreiheit. Themen, bei denen nicht wenige Männer dazu neigen, zumindest zu denken, „Frauen dürfen doch längst machen, was sie wollen“. Frauen können sich nicht frei bewegen. Keine Frau hat Lust, zu bestimmten Zeiten alleine durch Offenbach oder Frankfurt zu schlendern. Wenn ein Mann im Bett einer Unbekannten landet, muss er vielleicht bibbern, dass die später mit seiner Gattin das Gespräch sucht.

Eine Frau muss hingegen sondieren, ob der Typ jemand sein kann, der körperlich durchknallt. „Ich werde alle Frauen dafür bestrafen, dass sie mir Sex entzogen haben“, notierte ein US-Student vor seinem Amoklauf. Eine Unbekannte kommentierte das im Netz: „Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen.“ Im Internet diskutieren religiös verbrämte Gestalten mit sich selbst, ob Frauen Auto fahren oder in fremden Wohnungen duschen dürfen. Die Frage für Männer gestellt, wäre klar erkennbare Satire. Frauen müssen hingegen zusehen, wie sie frustrierten Typen möglichst ausweichen.

Ehrengäste sitzen im Publikum 

Es klingt erst mal banal, wenn Elke Voltz, die Sängerin der Frankfurter Ethno-Funk Band „Kick la Luna“, zwischen zwei Liedern davon spricht, „wir machen, was uns erfüllt“. Ein Mann denkt, „was denn sonst?“ Es ist noch nicht verdammt lang her, da mussten westdeutsche Ehefrauen Personalchefs eine Erlaubnis des Gatten vorlegen, ehe sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben durften. Scholz spricht auch über die Ableitung eines ewigen Debatten-Klassikers: „Die Diskussion, ob Ärztinnen über Abreibung informieren dürfen, ist absurd.“ Die Frauenbeauftragte benennt den Fall der Medizinerin Dr. Kristina Hänel, die das Amtsgericht Gießen wegen angeblicher Werbung für Abtreibung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 150 Euro verurteilte. Könnten Männer Kinder kriegen, wäre Abtreibung nie Thema gewesen.

Im Publikum sitzen unter anderem Isabelle Chanvillard, frühere Frauenbeauftragte der Partnerstadt St. Priest, die ehemalige Mühlheimer Frauenbeauftragte Doris Globig, Ehrenbürgerin Elisabeth Gilmer-Kaiser, der Ausländerbeiratsvorsitzende Hüsamettin Eryilmaz und Daniel Tybussek. Der Bürgermeister erwähnt in seiner Ansprache, dass Frauen, mit den Männern verglichen, erst am 8. März eines Jahres anfangen, Lohn zu bekommen: „Für die gleiche Arbeit erhalten Frauen 21 Prozent weniger Gehalt.“ In den Kontext passt der Sinnspruch der Philosophin Simone de Beauvoir, den Susanne Kannwischer vom Frauenbündnis zitiert: „Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen und bekommen nichts.“