RFV Maintal meistert sein größtes Turnier der Saison Frauen sind im Parcours und Vorstand unter sich

Das Springreiten gehört bei den Turnieren des Reit- und Fahrvereins Maintal der Vergangenheit an, die Zuschauer können jedoch weiterhin elegante Dressurvorführungen in Trab und Galopp bewundern. Foto: Mangold

Mühlheim (man) – Auf der Reitanlage an der Spessartstraße veranstaltete der RFV Maintal am Samstag und Sonntag sein größtes Turnier der Saison. Auch aus der Region kamen viele mit Pferdeanhänger vorgefahren.

Das klassische Klackgeräusch, das entsteht, wenn ein Pferdehuf einen Balken touchiert oder abwirft, hört hier niemand. Springreiten steht seit ein paar Jahren nicht mehr auf dem Plan. Angesagt ist die Dressur. Bürgermeister Daniel Tybussek übernahm die Schirmherrschaft fürs Turnier. Ein bisschen wirkt die Szenerie am Samstagmorgen wie beim Tennis, wenn die Leute mit dem Schleppnetz den Platz abziehen. Der Stadtverordnete und passionierte Reiter Dr. Manfred Sondergeld setzt sich auf den Traktor und zieht so ein ähnliches Teil über die beiden Plätze hinter sich her. Auf dem einen wird sich eingeritten, auf dem anderen geht es um Punkte.

Springreiten beim Turnier gestrichen

Seit ein paar Jahren veranstaltet der RFV Maintal, der in Mühlheim sein Vereinsheim und seine Trainingsplätze unterhält, nur noch reine Dressurturniere, wenn er überregional einlädt. Irene van Heemstra, die stellvertretende Vereinsvorsitzende, erzählt von der einstigen Abstimmung. Es ging darum, ob das Springreiten beim Turnier gestrichen werden soll, „der Aufwand mit den Hindernissen ist enorm“. Dennoch sei sie dafür gewesen, es beizubehalten, „schließlich sind wir im Verein vielseitig“. Längst sei sie aber froh, überstimmt worden zu sein.

Auf dem Nebenplatz sitzt die 13-jährige Ronja Dollmann auf einer zwei Jahre älteren Stute, die unter dem Namen Schadow´s Fairytale antritt. Ronja hält nicht nur die Zügel, sondern auch die zweijährige Josephina, die Spaß dran an, dem Pferd mit der flachen Hand auf den langen Hals zu patschen. Der Gaul reagiert stoisch. Dabei steht Ronjas Mutter Nicole Dollmann, die das Faible für den Reitsport an die Tochter weitergab. Insgesamt zeigt sich Ronja mit ihrem Wettkampf zufrieden. „Der erste Durchgang war sehr gut, der zweite gut“, wertet sie. Die Mutter beobachtete, „das Pferd wirkte gegen Ende ein bisschen müde“.

Am Rand des Parcours’ schaut Irene van Heemstra zu, wie Bianca Schulz und Patricia Lorenz in der Dressurreiterprüfung Klasse A im Viereck laufen. Jeder der beiden Wertungsrichterinnen nimmt ein Paar unter die Lupe. Doris Riegle, Dagmar Burchert-Leyer und Christina Arnold wechseln sich in der Aufgabe jeweils ab. In dem Wettbewerb beurteilen sie in erster Linie den Umgang der Reiterinnen mit dem Pferd. Wenn das Tier leicht reagiert, spricht die Fachwelt von „durchlässig“. Ein Umlauf dauert 3,5 Minuten. Die Reiterinnen bekommen durchs Mikrofon gesagt, welche Übung jetzt auf dem Plan steht.

Das nimmt sich so ähnlich aus, als wenn ein Musiker ein Stück vom Notenblatt spielt, das er bestens kennt. Die Pferde müssen im Trab erst links, dann rechts „die halbe Volte“ laufen, die entspricht einer halben Acht. Der verlangte Galopp hat nichts mit einem Speed gemein, der reichen sollte, den Prix de l’Arc de Triomphe in Paris zu gewinnen. Dabei gilt es mit möglichst raumgreifenden Schritten „im Arbeitstempo“ zu gefallen. Anschließend reitet Patricia Lorenz für den nächsten Durchgang die Fuchsstute Bellflower ein, die Vereinsmitglieder „Die schöne Betty“ nennen. Im Zuchtbetrieb muss der erste Buchstabe eines Pferdenamens mit dem ersten im Namen des Vaters identisch sein. Der Erzeuger der schönen Betty heißt Boheidel xx. Die beiden „x“ verraten, dass es sich um einen Vollblüter handelt, das bedeutet ein Rennpferd.

Reiten in Mühlheim ist Frauensport

Reiten ist derzeit in Mühlheim vor allem Frauensport. Fast alle, die am Wochenende auf Pferderücken sitzen, sind Frauen. „Generell sind Dreiviertel der Mitglieder von Reitvereinen weiblich“, weiß van Heemstra. Im Vorstand des RFV Maintal, an der Spitze steht Gita Zühlsdorf, sieht es umgekehrt aus wie in Führungsriegen deutscher Konzerne: Einen Mann gibt es im Vereinsvorstand nicht.

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