31. Lämmerspieler Kerb blickt auf die Anfänge zurück „Früher spielte sich das Ganze noch am Dalles ab“

Nach dem Anstich folgt das Bierglasheben (von links): Kurt Pfaff, Harald Winter, Gilles Gascon, Daniel Tybussek, Ismail Tipi und Björn Simon. Foto: man

Mühlheim (man) – Erhöhter Pulsschlag, die Atemfrequenz wird schneller, das alles ist ganz normal, denn immer schwirrt die Frage im Raum, „spritzt es, und wenn ja, wie viel“. In deutsch-französischer Co-Produktion klappt der Bieransicht aber trefflich. Zur Eröffnung der Kerb am vergangenen Samstag in Lämmerspiel erschien die Delegation aus der Partnerschaft Saint-Priest, politische Prominenz aus Land- und Bundestag sowie der Müllerborsch aus Mühlheim.

Die halbe Stunde, bevor es offiziell losgehen soll, tröpfeln so langsam bekannte Gesichter ein, so wie Thomas Schmidt, der Vorsitzende der DGB- Ortsgruppe, oder auch Horst Schweikard, Vorsitzender des Ski- und Freizeitvereins Mühlheim. Beide sitzen als Fraktionskollegen im Stadtparlament.

Eigentlich steht der Bieranstich schon um halb sieben auf dem Plan. Doch Günter Schmitt, einer der Matadoren der Sektion Lämmerspiel des Geschichtsvereins, kommt wohl wissend eine viertel Stunde zu spät und hat noch nichts versäumt, „das fängt nie pünktlich an“. Bis es soweit ist, erzählt der 83-Jährige von der Zeit, als es auf der Lämmerspieler Kerb noch keine Essens- und Trinkstände gab, „das fing erst hinter dem Feuerwehrhaus an“. Doch dort wollte aber kaum jemand ein Bierchen trinken, „es herrschte tote Hose“. Lämmerspieler Vereine schlossen sich daraufhin kurz und entschieden, die Geschichte ins Zentrum zu verlegen, neben St. Lucia, am Eingang des Offenbacher Wegs. Dort begann die bis diesen Dienstag dauernde Kerb am Samstag zum 31. Mal.

Ganz früher, erinnert sich Schmitt, „spielte sich das ganze noch am Dalles ab“. Der Vater von Günter schickte seinen Buben dann in den Oberts-Seppel zum Bier holen, „Kneipen gab es damals noch viele“. Wenn Papa ganz großen Durst hatte, brachte Günter gleich zwei Gläser.

Beim Anstich läuft Arbeitsteilung heute wie folgt: Georg „Schorch“ Fischer, Lämmerspiels erster Kerbmacher, läutet von der Bühne gegenüber dem Festzelt mit der historischen Ausruferschelle alle herbei. Bürgermeister Daniel Tybussek hält das Fass fest, sein Amtskollege Gilles Gascon aus Saint-Priest hämmert den Zapfhahn rein, Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter passt auf. Im Anschluss prosten die drei zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Björn Simon, dem Landtagsabgeordneten Ismail Tipi und Müllerborsch Kurt Pfaff dem Volke zu.

Pfaff, der als Erster Hauptkommissar sieben Jahre die Polizeistation am Rathaus geleitet hatte, berichtet, wie Michael Rupp, Mühlheims oberster Kerbmacher, ihn vor Jahren schon einmal fragte, ob er den Müllerborsch-Job übernehmen wolle. „Nicht, so lange ich im Dienst bin“, bekam Rupp zur Antwort, „und wenn, dann mach ich den 25. Müllerborsch“.

Im letzten Jahr hielt Pfaff bei einem Besuch der Mühlheimer Delegation in Saint-Priest einen Vortrag zur eigenen Präventionsarbeit in Sachen Kriminalität. Hinterher sprach Rupp Pfaff ob dessen einstigen Versprechens an. Pfaff sagte für denn Fall zu, „dass du bis zu Verkündung niemandem davon erzählt“. „Auch nicht deiner Frau? „Ganz genau.“ Rupp blieb diskret.

Mit von der Party ist Nancy Kütz. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung organisiert stets den Besuch der Franzosen, bucht die Hotelzimmer für die 16 Gäste und verwaltet bei der Kerb die Kasse, auf das alles ordentlich zu trinken bekommen.

Mit Gilles Gascon erlebt Kütz den dritten Bürgermeister von Saint-Priest. Wer die französische Delegation vor der Bühne erlebt, der versteht, was mit „Savoir-vivre“, der Lebenskunst der Franzosen, gemeint sein könnte. Nach dem gelungenen Bieranstich erklingt ein typisch deutscher Schlager mit schlichtem Text und Rhythmus. Die Vertreter der französischen Kommunalpolitik fangen sofort an zu tanzen. Auch bei den Männern sieht das elegant aus.

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