Fotografin Katrin Schander und Sozialarbeiterin Anneliese Wald mit Ausstellung im Rathaus Geschichten von Geflüchteten

Die Ausstellung der Fotografin Katrin Schander und der Sozialarbeiterin Anneliese Wald zum Thema „Menschen in Mühlheim Geschichten von Geflüchteten“ zeigt, was der Name schon verrät, die Geschichten und Schicksale hinter den Bildern. Foto: m

Mühlheim (m) – Über Flüchtlinge wird viel gesprochen und geschrieben. Die Fotografin Katrin Schander und die Sozialarbeiterin Anneliese Wald haben mit Geflüchteten gesprochen, ihre Schicksale, Ziele und Wünsche kennengelernt. Und trotz einer hinderlichen Daten-Verordnung ist es gelungen, ausdrucksstarke Fotos zu den Texten zu veröffentlichen. Jetzt stellten die Frauen die „Menschen in Mühlheim – Geschichten von Geflüchteten“ in einem Bildband und in einer Ausstellung im Rathaus vor. „Der Weg, den ich gegangen bin, ist sehr gefährlich“, berichtet Awet, der bereits vor fünf Jahren Eritrea verlassen hat. Er warnt in den seltenen Telefonaten, in denen er Verbindung erlangt, seine Familie in der Heimat. „Viele Flüchtende werden in Libyen wegen ihres Glaubens erschossen oder ertrinken im Mittelmeer“ - wie seine Cousine. „Seit sie gestorben ist, habe ich keine Musik mehr gemacht.“ „Als ich 16 Jahre alt war, sind die Taliban gekommen und wollten mich mitnehmen. Ich wollte das nicht. Sie sagten mir, wenn du beim dritten Mal nicht mitkommst, töten wir dich.“ Ahmad schaffte es aus Afghanistan bis zu seinem Cousin nach Mühlheim. „Die Hauptsache ist, wenn man selber gut ist, dann wird alles gut“, lehrte dem 19-Jährigen das Leben.

Ahmads Landsmann Fawad lebt mit seiner Familie in einem Zimmer in der Borsigstraße. Er kann schon wieder lachen: „Es gibt 111 Kuchenrezepte, die ich backen kann“, erklärt der Mann aus Masar-i-Sharif. Er ist Paschtune, seine Frau Tadschikin. Der Vater von drei Kindern arbeitete in seiner Heimat als Dolmetscher, spricht acht Sprachen. Dazu kommt gerade deutsch – und bald englisch, kündigt er an.

Als 2015 in der Mühlenstadt viele Schutzsuchende ankamen, wollte auch Katrin Schander etwas tun, „die Menschen mit meinen Mitteln unterstützen“, blickt sie zurück. Die Streetworkerin Anneliese Wald, die im Verein Zugpferd mit Asylbewerbern arbeitet, stellte die Kontakte her. Fast alle erklärten sich bereit, sich von der Fotografin ablichten zu lassen. Dazu erzählten sie ihr von ihren Fluchtwegen und von ihrem Leben in Mühlheim.

Durch die Familienzusammenführung konnten oft Frau und Kinder kommen. Der Nachwuchs sei sehr gut integriert, besuche nach der Grund- nun die Realschule oder sogar das Gymnasium, schildert Fotografin Schander. Manche Sprösslinge tanzen in einer DJK-Garde, andere gehören der Kinderfeuerwehr an. „Die meisten Menschen hier sind nett“, spricht Lubna ins Aufnahmegerät. „Wenn ich die Kirchenglocken höre, fühle ich mich gut, aber hier ist nicht meine Heimat.“ Ihre drei Schwestern leben noch in Syrien, Mutter und Bruder in den USA, „aber ich vermisse mein Land, die Sonne“, erklärt die Buchhalterin. Sie würde gerne eine Ausbildung zur Krankenschwester oder zur Verkäuferin machen, aber die Chancen dafür stünden schlecht. Anfangs musste sich die Frau mit der Kamera mit Händen und Füßen verständigen. „Später saßen wir eineinhalb Stunden zusammen und plauderten – auf Deutsch“, verrät sie. „Ich bin stolz auf unser gutes und interkulturelles Miteinander“, eröffnet Bürgermeister Daniel Tybussek die Feierstunde im Rathaus-Foyer. Lehrer Uwe Adam hat mit einigen Kindern aus der Unterkunft Borsigstraße Lieder mit Ukulelen und Tanzbändern einstudiert. Der Unterricht wird finanziert aus Spenden vom Neujahrskonzert der Sport-Union und einem Klavierkonzert des Ausländerbeirats. Zurückblickend stellt Katrin Schander fest, „trotz aller Unterschiede sind wir alle Menschen mit Gemeinsamkeiten, dem Bedürfnis nach Frieden, Würde, Anerkennung und Liebe“. Die Ausstellung ist noch bis vor Weihnachten zu den Öffnungszeiten des Verwaltungsgebäudes zu sehen, das Buch wird zu 16,90 Euro im Mühlheimer Buchladen verkauft.

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