Kindertagesstätte St. Markus im Wandel der Zeit

Kinderbetreuung seit 150 Jahren in Mühlheim

Die Kita St. Markus feierte am Freitag ihren 150. Geburtstag, sie ist der älteste Kindergarten im Dekanat Rodgau. Foto: Prochnow

Mühlheim (m) – Vom Kinderställchen zur Bewegungsbaustelle – in 150 Jahren Kinderbetreuung hat sich viel getan. In Mühlheim spielte sich die Entwicklung zwischen Markt- und Bleichstraße ab, geografisch kaum 100 Meter Distanz, inhaltlich liegen Welten zwischen den Konzepten. Am vergangenen Freitag feierte der katholische Kindergarten auf dem Weg zum Familienzentrum sein großes Jubiläum mit einem dicken Kürbis. Eltern zogen die stattliche Frucht mit einem Bauchumfang von 152 Zentimetern auf einem Bollerwagen, schleppten das Schwergewicht ins Gemeindehaus, wo alle Mädchen und jungen fröhliche Lieder von der Bühne schmetterten.

Anno 1867 war Xaveria Schneider von den Schwestern der göttlichen Vorsehung zur Oberschwester bestimmt und zur Leitung der oberen Mädchenschule in Mühlheim ernannt worden. Schwester Bernarde übernahm die Führung der Haushaltung und Krankenpflege, bildete junge Frauen aus. Xaveria betreute mit den Nonnen Malaria und liberal die Jüngsten.

Die Kleinkinder der Bauern wurden „im Laufställchen aufbewahrt“, zitierte die aktuelle Leiterin Margit Stahl die Chronik. Die Schwestern luden die Eltern ein, die Sprösslinge zu ihnen in ein kleines gemietetes Lokal zu bringen. Der damalige Bürgermeister Büttner erkannte die Not und kaufte ein Anwesen an der Bleichstraße, das bis heute die Heimat des Nachwuchses ist, obendrein das Pfarrhaus beherbergt. Der Gemeindevorstand gewährte für die Errichtung eines Schwesternhauses mit Hof und Garten 1.000 Mark. „Die Schwestern eröffneten alsbald eine Industrieschule für große Mädchen und eine Kleinkinderschule, was für die vielbeschäftigte Bevölkerung eine überaus große Wohltat ist“, steht geschrieben. Daran hat sich nicht viel geändert, bei der Pädagogik sehr wohl.

Gruppenspiel-Bereiche

Heute besuchen die Kinder nach eigener Wahl sogenannte Gruppenspiel-Bereiche, erläutert Leiterin Stahl. Die Kolleginnen bieten Aktivitäten an, im Bau- und Forscherraum, im Rollenspiel-Raum, in der Bewegungsbaustelle und in der Holzwerkstatt. Die Kleinen entscheiden sich, indem sie einen Magnetstein auf das entsprechende Feld an einer Tafel setzen. 2014 erhielt das Haus zehn U3-Plätze und ein eigenes Spielgelände für die Jüngsten. Für die älteren Kinder wurde eine Landschaft geformt und mit Geräten ausgestattet, die Bewegung fördern. Leider können nicht alle Plätze besetzt werden, bedauerte die Sprecherin, weil Fachkräfte fehlen. Derzeit arbeiten zehn Erzieherinnen in der Einrichtung, zwei Frauen kochen und zwei reinigen.

Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich bemerkte, St. Markus habe zwar nicht den größten Kürbis in einem Wettbewerb, aber der Kindergarten sei der älteste im Dekanat Rodgau. Er dankte Leitung, Elternbeirat und Stadt, betonte die Bedeutung von Nestwärme und Vertrauen. Wer die christliche Betreuung besuche, „muss damit rechnen, von der göttlichen Kraft zu erfahren“.

Bürgermeister Daniel Tybussek unterstrich, die Gemeinde leiste sehr viel in der Stadt, für Senioren und für die Kleinsten. Für die Umwidmung zur U3-Gruppe sei er sehr dankbar. Als integralen Bestandteil der Pfarrei lobte Sven Schmunck vom Verwaltungsrat die Kita. „Wir sind froh und dankbar, mit einem solchen Team arbeiten zu dürfen.“ Das gehe nur gemeinsam, lobte Leiterin Stahl die „guten Kooperationspartner und Helfer bei Spiel- und Bastelaktionen“.

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