Kappenabend der Altstaedter mit Urgesteinen und vielen Gästen Jeder lacht bei Mühlheimer Fastnacht

Frieder Gruber und Gisela Eisner sind Urgesteine des MFC „Die Altstaedter“. Foto: Prochnow

Mühlheim (m) – Vom „Rentner“ in der Bütt bis zu den Rebellen in der Bio-Stunde – kaum eine Tradition vereint die Generationen so spontan wie die fünfte Jahreszeit. Der Mühlheimer Fastnachtsclub „Die Altstaedter“ zählt kaum 40 Mitglieder, organisiert aber trotzdem alljährlich eine Sitzung. Den Nachwuchs leiht er sich von befreundeten Vereinen aus. Das ergab am Freitagabend im Jugendzentrum einen familiären Mix.

Der Pensionär aus den eigenen Reihen ist Jens Niklaus. Der 75-Jährige schilderte anschaulich, wie der Ruheständler mit allerhand Aufträgen von Termin zu Termin hastet. Mit dem Vortrag verabschiedete sich der „Gejagte“ von der Bütt. Der Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern – wenn auch in denen der Sonnau. Florian Eitel, Tobias und Jonas Tybussek bilden die „Young Generation“, erzählen von Sozialstunden bei Schelzkes Sonnau. Danach ist das Trio in den Karnevalsverein eingetreten, „denn da sind soooo viele alte Leute“ und der „Einzug in einen hilfsbedürftigen Verein sichert den Einzug in den Himmel“, sind sich die Jungs sicher. Im Unterricht erfuhren sie von „Hinterwäldlern“ und schaumlosem Bier in Lämmerspiel sowie „schönen Männern bei den Kappenträgern“. Mit dem Mikrofon fragte Jonas im Publikum nach Lösungen für Scherzaufgaben.

Bürgermeister in der Bütt

Papa Daniel Tybussek amüsierte als lispelnder „Forscher“. Der Zweite Vorsitzende der Altstaedter, Frieder Gruber, musste herhalten, verlor angeblich immer wieder 500 Euro, weil ihn der „Heiler“ überlistete. In dem flotten und urkomischen Vortrag ließ der Bürgermeister die Zuhörer die Reime vollenden. Die Garde luden sich die Gastgeber vom Narren-Komitee St. Antonius in Frankfurt ein. Die Tänzerinnen aus der Kirchengemeinde zwischen Hauptbahnhof und Messe brachten Schwung auf die Bühne. Aus der Pfarrei stammte auch das Männerballett mit Kittelschürzen und Kehrbesen, die das Team rasch ablegte, um akrobatische Figuren zu flotten Takten zu zeigen – und den Brustersatz ins Publikum zu feuern.

Gruber erzählte als „Musikus“ in Frack und Zylinder, wie er „schon als Bübchen mit dem Pfeifchen in der Hand“ gespielt habe. Es folgte die „Leierbüchs“ der Nachbarstochter, und eine größere Flöte in Spielmannszug und Militärkapelle. Der Sänger hatte viele Zweideutigkeiten in seine Formulierungen versteckt. Als McMoney & Freund Karl machten sich Karl Feser und Carlo Schmidt Gedanken über das „Tor zu Mühlheim“: Einer der beiden Aufzüge im Bahnhof sei meistens kaputt. „In Diddesem gibt’s so was nicht, da kann man auch ohne Aufzug die Bahn super erreichen“, feixte Carlo, „und sauber ist’s auch!“. Er lästerte über den „Shopping-Boulvard“, die Bahnhofstraße, in der die Ladeninhaber häufig wechseln. Vielleicht, weil in „ein Geschäft, in dem lange derselbe drin ist, kaaner mehr geht.“

Altstadtweiber Anna und Emma

Die „Altstadtweiber Anna und Emma“, Vorsitzende Gisela Eisner und Kassiererin Gisela Knott, beleidigten einander schlagfertig, wussten, gegen welche Krankheiten Bier, Weißwein, Cognac und Slibowitz helfen. Und Wasser? - „So krank war ich noch nie“, winkte Anna ab. Außerdem habe sie ja ihr „Sahneschnittchen“, ihren Ehemann daheim. Der sei „für alles zu gebrauchen, ehrlich, fleißig, hilfsbereit und gut aussehend“, prahlte sie. Anders sah das mit ihrem Funkmikrofon aus, das immer wieder aussetzte …

Auch bei Thomas Bihn klappte einfach nichts, er landete darum im Federkleid eines „Pechvogels“: „Alles was ich mach’, geht schief“. Statt der Mandeln haben sie ihm den Darm rausgenommen, beim Autokauf wurde er übers Ohr gehauen. „Über mein Punktekonto wäre die Eintracht froh“. Auch mit Tapezieren und Diätplan klappte es nicht, das Publikum litt eifrig mit: „Oooohhh“. Beim „Klassentreffen“ glänzte Robert Blumör, „von uns Männer ist einer scheener als de‘ anner“. Die Damen waren „bis vor ein paar Jahr‘n noch heiße Öfen“, jetzt setzen sie Puder, Creme, Salbe, Lacke ein. Die eigene Ehefrau trug früher Liebestöter, jetzt Strapse und Tanga.

Die Altstadt-Sänger wollen „Freunde bleiben, bis wir 100 sind“, beschworen sie, schmetterten Gassenhauer zum Playback unter Leitung von Musiker Richard Kress. „Du bist eine Attraktion, ob auf Mallorca oder in Mühlheim“, schwärmte Moderatorin Gisela über Reiner Vogl. Der Barde in Jeans interpretierte Hits von Peter Maffay, Udo Jürgens und Jürgen Marcus zum Mitschmettern.

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