Helfer säubern Areal rund um den Bahnhof Lausiges Wetter schreckt Mühlheimer Putzteufel nicht ab

Seit Jahren säubern die Mitglieder des Umweltstammtisches das Areal auf beiden Seiten des Bahngeländes. Foto: Mangold

Mühlheim (man) – Auch in diesem Jahr kümmert sich der Umweltstammtisch darum, dass es rund um den Bahnhof zumindest für ein paar Wochen nicht so aussieht, dass es einen so schnell es nur geht wieder wegzieht. Der gemeine Mühlheimer wirft in dem Areal ohnehin weniger Müll als früher weg.

Beim Blick am Samstagmorgen aus dem Fenster hätten sicher nicht wenige gewettet: Bei dem Sauwetter kommt niemand. Den Müll zu entsorgen, den andere hinterlassen haben, gilt ohnehin nicht als erhabene Arbeit. Die Wette wäre jedenfalls verloren gegangen. Trotz Regen packt es der Umweltstammtisch zur landesweiten Putzaktion 14 Leute zu motivieren, auf der Süd- und Nordseite des Bahnhofes Eimer und Säcke zu füllen. Peter Mayer, einer der Köpfe des Umweltstammtischs, findet einen positiven Aspekt am lausigen Wetter. Die Erbsensuppe zum Finale für alle Helfer, die an dem Tag auch im Naherholungsgebiet unterwegs sind, habe er sich dann wahrlich verdient. Am Rand des Parkplatzes Richtung Lämmerspiel packt Ullrich Kamuf mit dem Greifer ein Kaugummipapier und eine Kippenschachtel nach der anderen.

Der Umweltstammtisch gründete sich vor 15 Jahren. Das tippt jedenfalls Bernd Klotz beim Reinemachen aus dem Stehreif. In diesem Jahr lasse sich eine positive Tendenz feststellen: Die Mühlheimer schwarzen Schafe werfen weniger als früher durch die Gegend. Im März und im April 2015 sammelten die Freiwilligen vor allem auf der Südseite noch insgesamt 380 meist kleine Flaschen auf, mit denen sich wohl eher Männer auf dem Weg von der S-Bahn nach Hause das Gemüt erhellten. In diesem Jahr scheint der Durst stark nachgelassen zu haben. „Wir haben nur noch ganz wenige Fläschchen in den Eimern“, sagt Peter Mayer.

„Wo Dreck liegt, werfen die Leute Dreck hin“

Zudem scheint sich der der Geschmackssinn heimwärts ziehender Bürger im letzten Jahr verfeinert zu haben. Jedenfalls auf der Nordseite, wie der Fund der Packung einer Flasche der Marke Moët & Chandon Champagner andeutet. Der Schaumwein gilt nicht gerade als Fusel. Udo Laps, der frühere Geschäftsführer des Abwasserverbandes, betätigt sich gerade dezent illegal. Er sammelt Abfall von den Treppen, die zum Bahnuntergang führen. Das dürfte er nicht, denn er befindet sich auf einem Gebiet, das der Deutschen Bundesbahn gehört.

Bei der meldet sich immer wieder Rudolf Helpensteller mit der Bitte, den Bahnhof zu säubern. Es sähe dort oft „widerlich und unanständig aus“. Helpensteller geht es ähnlich wie Bürgern und Politikern vieler anderer Kommunen. Wer dem einstigen Börsenunternehmen in Spe Eingaben über seine herunter gekommenen und unappetitlich wirkenden Areale zusendet, muss keine Angst haben, beim Empfänger blinden Aktionismus auszulösen. „Wo Dreck liegt, werfen die Leute Dreck hin“, beobachtet Helpensteller.

Großer Einsatz beim Müllsammeln

Den sammeln neben Jürgen Melzer, Elke Gamer-Dölker und Wolfgang Dölker auch Mitglieder der methodistischen Gemeinde mit ein. Ebenso wie Özlem und Haydar Dogan vom Freundeskreis der Flüchtlinge, von dem schon beim Putztag in der St. Markus-Gemeinde einige Leute halfen. Anfangs hatte sich Bürgermeister Daniel Tybussek bei allen für ihren Einsatz bedankt.

An dem Tag wird auch klar, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Helpensteller schickt einen syrischen Flüchtling wieder heim, der helfen wollte. Ihn beschäftigen heute aber ganz andere Dinge. Im Bürgerkrieg in der Heimat erwischt am Tag zuvor seinen Schwiegersohn eine Kugel tödlich.

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