Erzählcafé mit dem Mühlheimer Bäckermeister Günter Hoffmann Als in Nepal die Erde bebte

Günter Hoffmann zeigt ein Bild des Mount Everest. Links sitzt Karl-Heinz Stier, der Vorsitzende des Geschichtsvereins. Foto: Mangold

Mühlheim (man) – Von dem Erdbeben in Nepal habe er damals im Autoradio erfahren, erinnert sich Günter Hoffmann. In dem Moment sei er sicher gewesen, die Schule, die er genau kennt und für die er sich einsetzt, „die liegt jetzt in Trümmern“. Später habe ihm der dortige Pförtner von dem Geschehnis berichtet. Der Mann hatte im Hof gestanden, als am 25. April 2015 um 11.56 Uhr Ortszeit der Boden bebte.

In jenem Moment befanden sich die 400 Schüler im ersten Stock im Essenssaal. „Gleich sind sie tot“, dachte er. Falls es zu einem schweren Erdbeben käme, „kracht das Gebäude zusammen“, lautete die allgemeine Befürchtung.

Selten traf die Floskel „wie durch ein Wunder“ so zu. Die Immobilie durfte über Monate zwar niemand mehr betreten, im Gegensatz zu tausenden von Häusern war sie aber stehen geblieben. Hoffmann zeigt ein Bild, wie die Kinder in den nächsten Monaten im Freien lernten, geschützt durch ein Wellblechdach, bei dessen Finanzierung er mithalf. Seit Jahren engagiert sich der Mühlheimer Bäckermeister Günter Hoffmann für eine Schule und zwei Gesundheitsstationen in Nepal. Im April 2015 suchte ein Erdbeben das Land am Himalaya heim. Knapp 9.000 Menschen starben. Der Geschichtsverein lud Hoffmann für den vergangenen Freitag zu einem Erzählcafé zu diesem Thema ins Stadtmuseum ein.

Nach Nepal zog es ihn das erste Mal 1991. Mittlerweile ist das Land auch für seine Familie fast wie eine zweite Heimat geworden. So arbeitete sein Sohn Malte einmal für ein halbes Jahr als Lehrkraft in der Hauptstadt Kathmandu, an der SMD Boarding School, für Kinder aus dem Himalaya.

Bei den ersten Besuchen habe er das Land lediglich touristisch genossen. Irgendwann gab ihm die Mühlheimerin Christiane Weingärtner ein Geschenk für ein Patenkind in einem SOS-Kinderdorf mit. Dort habe er gesehen, wie es den Kindern hier unvergleichlich besser geht als sonst im Land, „die SOS-Kinderdörfer haben weltweit den gleichen Standard“. Da habe er sich vorgenommen, nicht nur zu reisen, sondern auch zu helfen. Hoffmann zeigt das Bild von einem schmalen Pfad im Himalaya, der in den Alpen lediglich als Weg für schwindelfreie Touristen diente, dort jedoch als eine Art Hauptstraße in die Dörfer führt. Der Bäcker berichtet von einer Schülerin, die ihn einmal fragte, wie lange man von Kathmandu in die nördlichste Stadt der Welt bräuchte, nach Bergen in Norwegen. Der Mühlheimer tippte auf 18 Stunden. Das Mädchen verglich: zu ihren Eltern bräuchte sie acht Tage, „zwei mit dem Bus und sechs zu Fuß“. Es kommt vor, dass Kinder ihre Familie über Jahre nicht sehen. Hoffmann spricht von der hilfsbereiten und friedlichen Atmosphäre an der Schule, die mit Shirley Blair eine britische Buddhistin leitet. Der Mühlheimer betont, er sähe nie so viele fröhliche Gesichter wie hier, wo mit 60 Prozent mehr Mädchen als Jungs Mathe oder Englisch lernen. Der Unterschied zwischen dem Buddhismus und dem im Land vorherrschenden Hinduismus sei gewaltig. Hoffmann nimmt das Beispiel des hinduistischen Pförtners, einem gelernten Schneider. Ein Berufsstand, der im Machtkonstrukt des Kastensystems ganz unten steht, weshalb der Mann alles daran setzte, zum Pförtner „aufzusteigen“.

Hoffmann engagiert sich außerdem für zwei Gesundheitsstationen in den Bergen, zeigt Bilder vom Gebäude eines einheimischen Architekten, das einem Erdbeben standhalten kann. Falls es wieder krachen sollte, blieben die Holzwände stehen. Die Fachwerkverkleidung aus Steinen stürzte gefahrlos ein. In der Kulturhalle Schanz hält Hoffmann am Samstag, 9. Februar, einen Vortrag mit dem Titel „Nepal – von der Rückkehr in die Normalität“. Im Vorverkauf kostet der Eintritt 33 Euro. Im Preis ist ein von der nepalesischen Küche inspiriertes Menü enthalten. Der Erlös geht in die Projekte im Land.

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