Einer der größten Krippenausstellungen Deutschlands ist im Mühlheimer Stadtmuseum zu bewundern Nirgendwo geht Einstimmung leichter

Als würden sie tatsächlich aus der Birke wachsen: Die Protagonisten der Weihnachtsgeschichte aus einer Darstellung aus dem polnischen Krakau. Foto: Mangold

Mühlheim (man) – Dieses besondere Gefühl aus der Kindheit kehrt wieder, aber Josef wirkt ziemlich traurig. Am 3. Dezember eröffnete Karl-Heinz Stier im Stadtmuseum die wohl größte Krippen-Ausstellung, die zur Zeit in Hessen läuft. Mit ihr gibt das Sammlerehepaar Ingrid und Egon Förster eine Art von Abschiedsvorstellung.

Mittlerweile besitzen die Försters über 500 Krippen. „Das hatten wir niemals vor“, erinnert sich Egon Förster an die 80er Jahre, als man die erste nur deshalb kaufte, weil sie gefiel und keineswegs, weil unterm eigenen Tannenbaum noch gähnende Leere herrschte. Peu à peu kam eine Krippe nach der anderen dazu. Irgendwann stand fest, „wir haben eine Sammlung“. Die dürfte mittlerweile zu den größten und umfassendsten der Republik gehören.

Zur Ausstellungseröffnung kann Inge Förster leider nicht erscheinen. „Meine Frau ist fürs Feine zustände, ich fürs Grobe“, beschreibt Gatte Egon die Aufgabenteilung. Das heißt, es war vor allem Inge Förster, die sich über Wochen mit dem Arrangement beschäftigte, Pläne skizzierte, um sie dann doch zu verwerfen, „in unserem Keller hatten wir zur Probe aufgebaut und ständig umgestellt“.

Eigentlich Gelegenheiten, bei denen sich Ehepartner gerne mal in die Wolle bekommen, gerade dann, wenn man ästhetisch nicht auf einen Nenner kommt. „Wir haben 50 Ausstellungen zusammen gemacht“, konstatiert Förster, „nie gab es Streit“. Für die 79-jährigen steht fest, eine derart große Schau wie jetzt im Stadtmuseum, werden sie nicht mehr auf die Beine stellen.

Wer eine Kindheit mit abgeschlossener Wohnzimmertüre an Heiligabend erlebte, die sich schließlich öffnete, wenn das Glöckchen läutete, den kann der Anblick einer Krippe nicht kalt lassen, ähnlich wie ein bestimmter Geruch, der scheinbar längst vergessene Augenblicke wieder aufleben lässt.

„Meine erste Kindheitserinnerung besteht aus den Lichtern auf dem Weihnachtsbaum und dem Krippchen“, erzählt Karl-Heinz Stier, der Vorsitzende des kooperierenden Geschichtsvereins, „wir Kinder standen davor mit glänzenden Augen: staunend, fasziniert“. Es sei so leicht gefallen, der Weihnachtsgeschichte zu folgen, die von den Egeln und den Hirten auf dem Feld handelt, von Maria und Josef und dem Kind in der Krippe, „man sah sie schließlich als Figuren vor sich“.

Die Ausstellung der Försters erinnert an Variationen in der Musik, wenn sich etwa verschiedene Komponisten derselben melodischen Vorgabe widmen. Bei der Krippe sind die Hauptdarsteller schließlich ebenfalls gesetzt, fragt sich nur, wie ein Schnitzer aus Südtirol das Thema behandelt, wie einer aus Vilnius oder Krakau. Letzterer benutzte beispielsweise Birkenstämme als Material. Das wirkt, als seien die Heiligen Drei Könige aus dem Holz gewachsen.

Karl-Heinz Stier erzählt von der Historie der Krippe, die auf Franz von Assisi beruht, der nach einer Überlieferung im Jahr 1223 in der Klause Greccio im Wald von Rieti einen nächtlichen Gottesdienst abhielt. Franziskus erwies sich als geschickter Pädagoge. Um die Geschichte aus dem Lukas-Evangelium den Bauern und Hirten zu illustrieren, stellte der aus privilegierten Verhältnissen stammende Mönch, der ein Leben in Armut führte, eine mit Heu gefüllte Krippe in den Mittelpunkt des Gottesdienstes. Ochs und Esel vervollständigten die Szenerie.

Bürgermeister Daniel Tybussek erwähnt die Rolle der Krippe in der eigenen Familie, „durch einen Tage wie heute fühle ich mich schon eingestimmt“. Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich verspricht, jeweils zum Ende des Gottesdienst in der St. Markus-Gemeinde die Werbetrommel zu rühren und die Leute vorbei zu schicken.

Egon Förster legt wert auf die Unterscheidung zwischen Krippe und Krippendarstellung. Gemeint sind die Tafeln, die das Ehepaar Förster ebenfalls sammelt. Auf einem Bild ist Maria zu sehen, die das Jesuskind vor einem Badekübel auf dem Schoß sitzen hat. Abseits sinniert Josef, den Kopf auf die Handfläche gestützt. Der Mann wirkt tief frustriert. Man kann das verstehen.

Die Ausstellung 160 Krippen aus 30 europäischen Ländern ist jeweils an den Sonntagen von 11 bis 16 Uhr bis zum 5. Januar im Stadtmuseum an der Marktstraße 2 zu sehen. Für Schulklassen führen die Försters extra durch die Exponate: Z  06108 72253.

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