Mühlheimerin Sabrina Herd und ihre Gruppe „Kultinklusive“ werden vom Kinderkanal ausgezeichnet Preis für soziales Engagement

Mühlheim (m) – Eben noch im Fahrradsattel, jetzt vor der Fernsehkamera: Sabrina Herd macht die Überraschung perfekt. Die 18-Jährige, verwurzelt in Mühlheimer Vereinen, ist auch in Rodgau aktiv, „Gemeinsam mit Behinderten“ heißt die prominente Initiative in der St.-Nikolaus-Kirche. Sie war Gastgeberin eines kreativen Angebots, das Sabrina Herd und weitere Teilnehmer als regelmäßiges Treffen fortführten. Jetzt gewann die Gruppe „Kultinklusive“ beim Kinderkanal von ARD und ZDF den Preis „Kika Kinder für Kinder Award“.

Sabrina Herd besuchte Rote-Warte- und Marienschule, turnte zehn Jahre bei der Sport-Union, wo sie auch Trainerin war. Bei der DJK tanzt sie in der Prinzengarde Sharks. Über ein soziales Netzwerk von Moderatorin Jessica Schöne ist Sabrina Herd auf den TV-Wettbewerb aufmerksam geworden und meldete ihre Rodgauer Gruppe spontan dazu an. Alles begann 2015, als der Verein „Gemeinsam mit Behinderten“ Jugendliche mit und ohne Behinderung zu einer Begegnung mit Künstlern einlud. „Am Ende der Woche war uns allen klar, dass wir uns wiedersehen wollen“, erzählt die künftige Kinderkrankenschwester im Sana-Klinikum. „Kunst und Musik sind gemeinsame Sprachen, die alle verstehen“, sagt sie. So unternehmen zwei Dutzend Teenager einmal im Monat Wochenendfahrten, Ferienaktionen und Ausflüge, malen und basteln, starten sportliche Turniere oder fahren Tandem in Holland.

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Die Hälfte der Beteiligten hat ein Handycap, Downsyndrom oder epileptische Anfälle, informiert Tanja Jakoby, eine der Betreuerinnen. „Aber das ist für alle Normalität. Wenn jemand Hilfe braucht, packt sofort ein anderer aus der Runde ganz selbstverständlich an.“

„Man entwickelt schnell ein Gespür dafür, wenn einer Unterstützung benötigt“, schildert die Mitbegründerin. „Wir haben einen Blick darauf, der ist mitgewachsen.“ Die jungen Leute kommen aus Seligenstadt, Hainburg, Obertshausen, Offenbach und eben Mühlheim an den Samstagnachmittagen nach Rodgau.

Längst gehören auch Mädchen mit Behinderungen zu Sabrina Herds privatem Freundeskreis. Bis es die Corona-Regeln verhinderten, fuhren sie zusammen zum Baden an den See, gingen ins Kino, luden sich gegenseitig zu Geburtstagsfeiern ein. Früher reisten sie mit der Bahn, jetzt bilden sie Fahrgemeinschaften mit dem Auto. Die Eltern der jungen Leute mit Einschränkungen sind ebenfalls sehr froh über die Entwicklung: „Sie können jetzt auch mal in Urlaub fahren, während die Sprösslinge aufblühen“, beschreibt Lehrerin Jakoby.

„Die Jugendlichen mit Behinderungen sprechen offen von ihren Ängsten, wenn sie in eine neue Klasse kommen, plaudern über ihre Krankheitsgeschichte“, zählen die beiden Frauen auf. „Sie erfahren Rückhalt, sind wie ausgewechselt, während sie im Alltag an Grenzen stoßen, Ausgrenzung erfahren.“

„Kultinklusive“ hat sich im Juni mit einem Video beim Kika beworben. „Dann kam ein Kameramann, führte Interviews, wegen Corona nur mit fünf von uns“, erinnert sich Herd. Sie seien „miteinander groß geworden“, spricht sie ins Mikrofon, „wir sind schon wie eine Familie und haben zusammen immer gute Laune“. Jakoby ergänzt: „Es sind coole Leute, die sich mögen, etwas gemeinsam schaffen. Jeder kann sein, wie er ist.“

Mittlerweile laufen zwei Gruppen mit insgesamt 40 Leuten. „Für Jugendliche ist es manchmal schwierig, ein Angebot zu finden“, bemerkt Pädagogin Jakoby. „Unser Treffen ist unverbindlich, kostet nichts, man muss kein Mitglied werden.“

Für „Gemeinsam mit Behinderten“ ist „Kultinklusive“ der größte Brocken im Verein, wird mit rund 20 000 Euro pro Jahr aus Spenden und Fördermitteln finanziert. Die Infos waren auch bei der Kika-Aufzeichnung in der Westfalenhalle in Dortmund zu vernehmen. Als Pate begleitete der Sänger Michael Patrick Kelly die zehn Mädchen und Jungen um Sabrina Herd und Tanja Jakoby, die sich zuvor in Hanau auf Corona testen lassen mussten. Zuschauer bestimmten die Sieger in den Kategorien Wissenschaft, Online und Umwelt. In der Klasse Soziales erhielten die Kandidaten aus dem Kreis Offenbach die gläserne Trophäe in K-Form für „außergewöhnliches Engagement von Kindern für Kinder“. Das Finale ist auf kika.de abrufbar.

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