„Vom Tellerrand zum Ackerland – lokale Versorgung und Ernährung in Mühlheim am Main“ Projektvorstellung vom Verein Zugpferd im Kontakt-Werk

Der Verein Zugpferd mit Frank Sobanski bietet an, insgesamt 20 Hochbeete vor Mühlheimer Institutionen kostenlos aufzubauen. Foto: man

Mühlheim (man) – Das Thema „vom Menschen verursachter Klimawandel“ ist nicht neu. Wissenschaftler warnten bereits in den 70er Jahren vor einem Klimawandel, verursacht durch den massiven Ausstoß von Treibhausgasen. Diese Leute galten aber lange Zeit als Fortschrittsbremsen und Schwarzseher. Mit Blick auf vertrocknete Wälder, verheerende Stürme und überschwemmte Küsten gewinnt das Gefühl zunehmend Raum, die Kassandras der Moderne lange offensichtlich nicht ganz falsch. Davon unabhängig, kommentieren immer noch viele Politiker jeden Vorschlag zur Reduktion der Treibhausgase mit dem Hinweis, „das macht doch kaum etwas aus“. Zum einen läppern sich die Minimierungen, zum anderen kann ohnehin niemand plausibel erklären, warum das Glück etwa davon abhängt, mit 300 Sachen über die Autobahn rasen zu dürfen. Am Dienstag stellte Frank Sobanski im Kontakt-Werk an der Ludwigstraße das Projekt „Vom Tellerrand zum Ackerland – lokale Versorgung und Ernährung in Mühlheim am Main“ vor. Der Geschäftsführer des Vereins „Zugpferd“, der im Lämmerspieler Wald mit arbeitslosen Jugendlichen arbeitet, bietet Mühlheimer Institutionen wie Vereinen, Kindergärten oder Schulen an, bei ihnen ein Hochbeet in der Größe von einem mal vier Metern aufzustellen. „In einem Rundum-sorglos-Paket“, betont Sobanski. Das heißt, Zugpferd kümmert sich mit der Dipl. Geographin Julika Exner und den Dipl. Biologinnen Johanna Kiefer und Stephanie Lehrian um alles, etwa auch um flankierende Workshops für Kinder.

Es geht nicht darum, Rosen oder Rhododendren zum blühen zu bringen, sondern etwa Kartoffeln, Getreide oder Kohl zu pflanzen, alles, was sich essen lässt. Der Lämmerspieler Bauer Walter Beez stellt fürs Gesamtprojekt auf dem Gailenberg zwei Felder zur Verfügung.

Jeder Deutsche verursache jährlich einen Ausstoß von rund zwölf Tonnen an Treibhausgasen, erklärt Sobanski. Zweit Tonnen entfielen auf die Ernährung.

Davon entfällt ein Großteil auf die Fleischproduktion, inklusive der Transporte von Schweinen und Rindern durch den halben Kontinent, um das Kilo Kotelett für unter sechs Euro anbieten zu können. Umwelt-und Gesundheitsschäden durch Pflanzenschutzmittel und Überdüngung führten zum „bitteren Nachgeschmack des globalen Tischlein-deck-dich-Spiels“. Die vom Bundesumweltministerium finanzierten 20 Hochbeete lassen sich wie folgt bestellen: Ein Verein oder Kindergarten meldet bei Zugpferd Interesse an. Mitarbeiter bringen dann die Kästen samt Erde. Dr. Christiane Jünemann berät vor Ort, welche Pflanzen sich mit welchen vertragen. Die Biologin besorgt sie und pflanzt sie auch ein, falls gewünscht. „Kartoffeln sind etwa sehr leicht zu händeln“, erklärt Jünemann, „eine Ziel kann es aber auch sein, dass die Kinder die Zutaten für ihre Pizza selbst wachsen lassen“. Basilikum, Tomaten und Roggen lassen sich anpflanzen, fehlt nur noch der Mozzarella.

Das Hochbeet müsse jedoch so stehen, dass mindestens sechs bis acht Stunden täglich die Sonne drauf scheint. Eine Bedingung sei, betont Frank Sobanski, die Entwicklung des eigenen Hochbeets am Ende des Jahres in einer Ausstellung zu präsentieren.

Zusammenarbeit bietet sich an. So wollen der Mühlheimer Buchladen und der Biolebensmittelladen „natürlichfrei“ ihr Engagement fürs Projekt abstimmen. Der Geschichtsverein publizierte zuletzt ein Buch mit dem Titel „Fabulieren und Schnabulieren - Mühlheimer Geschichten rund ums Essen“. Eine federführende Autorin wie Angelika Loewenheim kennt sich bestens mit der heimischen Kräuter- und Pflanzenwelt aus.

Bürgermeister Daniel Tybussek betont, die Stadt werde erst mal abwarten, wie viel Beete die Mühlheimer orderten, „wenn es tatsächlich 20 sind, dann stellen wir das 21. auf eigene Kosten vors Rathaus“.

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