Friedensgemeinde bedankt sich mit Sommerfest bei Lebensladen-Helfern

„Wir schicken niemanden mit leeren Händen heim“

Stehend von links: Organisatorin Christina Richter, Pfarrer Ralf Grombacher, die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Margit Früchtl-Staab und die Erste Stadträtin Gudrun Monat. Foto: Mangold

Mühlheim (man) – Zu Beginn erzählt Pfarrer Ralf Grombacher am Freitagabend im Garten der Gustav-Adolf-Kirche in Dietesheim, bei der Einrichtung des Lebensladens habe ihn ein zwiespältiges Gefühl beschlichen.

Einerseits sei natürlich nicht schlecht, wenn Arme billig einkaufen könnten. Auf der anderen Seite stelle sich die Frage, „warum es in einer Gesellschaft von so viel Reichtum überhaupt Arme geben muss“. Für ihn sei es jedoch keine Frage, „wenn es Einrichtungen wie den Lebensladen nicht gäbe, ginge es ganz sicher keinen Deut gerechter zu“. Einmal im Jahr lädt die Friedensgemeinde die ehrenamtlichen Helfer des Lebensladens am Bahnhof zum Sommerfest ein. Seit 2. September 2009 können dort Menschen, die materiell nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, einmal die Woche für einen Euro einkaufen.

Keine kleinen Sprünge

Wer Hartz IV bezieht, der kann sich auch keine kleinen Sprünge mehr leisten. Pro Tag darf er 13,45 Euro ausgeben, davon muss er nicht nur satt werden, Kleidung und Schuhe bezahlen, sondern auch noch Strom und Telefon. Ein Desaster, wenn die Waschmaschine kaputt geht. Eine Fahrt mit der S-Bahn, ein Treffen mit einem Bekannten im Café wird zum finanziellen Risiko. Zwar lebt der Mensch nicht vom Brot alleine, Theater, Kino oder Konzerte müssen ohne stattfinden. „Der Satz von Hartz-IV richtet sich vor allem nach der Frage, wie viel Kalorien braucht der Mensch am Tag“, sagt die Erste Stadträtin Gudrun Monat. Umstände, unter denen sich ein freudvolles Leben nur schwer führen lasse.

Gudrun Monat erzählt außerdem von einem 60-Jährigen, der im Lebensladen einkauft. Der Mann bezieht kein Hartz IV, weil er das Amt nicht um Hilfe bitten will. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er durch das Sammeln von Pfandflaschen. Auch er spendete für den Lebensladen, einen Cent für jeden Tag seines Lebens: „Es kamen 21.855 zusammen.“ Das Festessen sponsern die Altstadtmetzgerei Florian Schmidt und das Fleischerfachgeschäft Thomas Müller aus Dietesheim. Momentan sind es 80 Helfer, die sich beim Lebensladen engagieren, der jeden Mittwoch ab 16 Uhr solange die Halle offenlässt, bis alle durch sind. „Wir schicken niemanden mit leeren Händen heim“, betont Christina Richter, die seit der ersten Stunde die Helfer koordiniert. Die Frau berichtet, die unterschiedlichsten Kunden kämen im Lebensmittelladen vorbei.

Bedürftigkeit nachweisen

Die Voraussetzung: Die Vorlage eines Scheines, der die Bedürftigkeit belegt. Den besitzt auch ein 90-Jähriger, obwohl er eine gute Rente bezieht. Behalten darf er aber nur, was zur Sicherung seines Existenzminimums reicht. Den Großteil überweist er an das Pflegeheim, in dem seine Frau liegt. Die Besetzungspläne der Helfer arbeitet Richter für ein halbes Jahr aus. Manche haben mehrmals pro Monat Zeit und Lust, andere wollen alle zwei Monate erscheinen. Richter muss alles koordinieren und die kurzfristigen Ausfälle kompensieren.

Auch Margit Früchtl-Staab, stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin, bedankt sich für die vielen Helfer und Sponsoren. Manche packen mit an, die selbst im Lebensladen einkaufen, darunter auch Flüchtlinge. In dem Kontext erzählt Christina Richter von dem Gerücht, das Ende 2015 im Ort kursierte. Damals hieß es: „Im Lebensladen dürfen nur noch die Flüchtlinge einkaufen.“ Eine klassische Fake-News, die zu dem Bonmot passt, das Pfarrer Ralf Grombacher zur Begrüßung zum Besten gibt: Ein Milliardär, ein Hartz IV-Empfänger und ein Asylbewerber sitzen an einem Tisch, in dessen Mitte zehn Kekse liegen. Neun greift sich der Milliardär, der im Anschluss den Hartz IV-Empfänger warnt: „Pass auf, der Asylant nimmt Dir sonst alles weg.“

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