Es gibt keinen Königsweg

Schützen zeigen im Workshop, wie geschossen wird

Die Schützengemeinschaft Mühlheim-Dietesheim veranstaltete jetzt ihren dritten Workshop. Auch diesmal waren alle Schießplätze belegt. Foto: man

Mühlheim (man) – Noch herrscht tiefe Ruhe im Wald. Wer ahnungslos das Gelände der Schützengemeinschaft Mühlheim–Dietesheim betritt, dem kann es passieren, dass er plötzlich vor Schreck zusammenzuckt, wenn es plötzlich hinter einer Wand gleich mehrfach knallt, so wie am vergangenen Samstag. Hier übten Schützen mit Pistolen und Revolvern, die in den USA so ziemlich jeder kaufen kann, in Deutschland jedoch nur eine Minderheit, die sich lange qualifizieren muss. 

Während es draußen schießt, bereiten im Vereinshaus die Eheleute Sandra und Oliver Dittel das Mittagessen für die zehn Teilnehmer des Workshops für Großkaliberschützen vor. Dabei handelt es sich um Schusswaffen, die in Deutschland nur wenige besitzen dürfen. Zu denen gehören die Sportschützen. „Wer aber nicht mindestens 18 mal pro Jahr auf einer Anlage schießt, muss seine Waffe bei der Behörde abgeben“, erklärt Dittel. Denn wer nur ab und zu mal auftaucht, darf sich nicht als Sportschütze bezeichnen und verliert deshalb die Lizenz.

Die Vereine protokollieren jedes Schießen. Darüber läuft die Kontrolle. Eine Waffe darf nur erwerben, wer einem Club mindestens zwölf Monate angehört und ein blitzblankes Führungszeugnis vorlegen kann. Die Schützen dürfen die ungeladene Waffe zu Hause nur aus dem Safe nehmen, wenn es im Anschluss auf dem kürzesten Weg zum Schießstand geht.

Gehörschutz ist Vorschrift

Ein Gehörschutz ist Vorschrift, darauf verzichten würde jedoch niemand freiwillig. „Im Wettkampf benutzen manche noch zusätzlich Ohropax“, erzählt Thomas Baier, der Mann, der den Workshop leitet. Die Teilnehmer kommen vom Jagdclub Darmstadt, vom Schützenverein aus Nieder-Eschbach und den Lufthansa-Sporschützen. Die Waffen nennen sich Revolver „Kaliber .357 Magnum“, „.44 Magnum“ oder Pistole „9mm“. Niemand von denen, die hier auf die 25 entfernte Zielscheibe schießen, ist Anfänger. Das lässt sich an den Ergebnissen ablesen.

Die meisten, die bei der Bundeswehr mit einer „Walther 9mm“ schossen, machten zumindest anfangs die Erfahrung, dass es die Waffe bei jedem Schuss nach oben reißt und die Kugel einen halben Meter neben dem anvisierten Ziel einschlägt. Einer der Schützen trifft in der Kälte fast nur die beiden inneren Ringe. Viel besser geht es nicht. Baier moniert allgemein das „Nachhalten“. Das bedeutet unter anderem, dass nach der Abgabe eines Schusses der Abzug gedrückt bleibt.

Auf die Atemtechnik kommt es an

Erst dann löst sich der Finger langsam, bis ein Klicken des Zuges zu hören ist. Das konzentrierte Nachbereiten des letzten Schusses fließt in die Vorbereitung zum nächsten ein. Binnen 20 Sekunden sind im Wettkampf fünf Schüsse abzugeben. Wer es schafft, die Zeit möglichst bis zu letzten Sekunde auszunutzen, trifft in der Regel mehr Ringe. Morgens nach dem gemeinsamem Frühstück hatte Baier im theoretischen Teil von der richtigen Atemtechnik erzählt, von der „Auftakt-, Arbeits-, und Auslösephase“.

Der Druck wird so langsam auf den Abzug erhöht, „dass einen selbst der Schuss überrascht“. Thomas Baier übernahm vor 17 Jahren den Vorsitz des Vereins. „Um optimal zu treffen, gibt es keinen Königsweg“, betont der 52-Jährige, der dem Verein seit 38 Jahren angehört. Als Beispiel, wie der Weg ins Ziel nicht nur nach einer Methode funktionieren kann, erzählt Baier von der „Kreuzdominanz“ eines Teilnehmers, „er schießt mit rechts, zielt aber mit dem besseren linken Auge“.

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