Frühlingskonzert in der Willy-Brandt-Halle zeugt von hoher Qualität Starker Auftritt der SUM-Orchester

Unter der konzentrierten Leitung von Sven Greifenstein brillierte das Hauptorchester beim Frühlingskonzert der Sport-Union. Bild: m

Mühlheim – „Erst am Ende klatschen!“ So ein Frühlingskonzert ist auch eine intensive Lehrstunde fürs Leben, vor allem wenn der Gastgeber Blasorchester der Sport-Union Mühlheim, kurz SUM, heißt. Die Hinführung zu den anspruchsvollen wie aktuellen Stücken bot einen unterhaltsamen Mehrwert mit einem Augenzwinkern. Drei Ensembles standen am Samstagabend vor einem sehr gut besuchten Saal auf der Bühne der Willy-Brandt-Halle.

Mit seinen Anfängen als Spielmanns- und Fanfarenzug hat der außergewöhnlich stark besetzte sinfonische Klangkörper nicht mehr viel am Hut. Leiter Sven Greifenstein führte die feste Gemeinschaft ambitionierter Laienmusiker zu ihrem 75. Geburtstag mit viel Geschick und Kompetenz zu einem Ensemble mit professionellem Anspruch. Die meisten Instrumentengruppen sind üppig besetzt, immer wieder verleiht das engagierte Percussion-Team den Arrangements seine Handschrift.

Bei der Auswahl fürs Programm beschreitet Greifenstein stets einen spannenden Mittelweg, bewegt sich zwischen lösbaren Herausforderungen für die Instrumentalisten und der Popularität. Auch das gemischte Publikum, vor allem aus Angehörigen der Aktiven und Repräsentanten der Mühlenstadt, soll berücksichtigt werden. Also stehen beliebte Melodien in niveauvollen Bearbeitungen auf dem Spielplan.

Den Rest besorgt Thilo Schäfer. Er führt das Auditorium launig mit handfesten Informationen und „heiterem Angeberwissen“ auf die Stücke hin. Mit Blechmann, dem feigen Löwen und der Vogelscheuche eröffnete das Große Orchester seinen Part, mit dem „Zauberer von Oz“, einen Kinderbuchklassiker von gewaltigem Klang. Die „Little Concert Suite“ von Alfred Reed wurde beim Northern Manitoba Band Festival 1983 uraufgeführt und besteht aus vier sehr gegensätzlich Sätzen.

Die Tom Sawyer Suite stellt den jungen Helden, Freund Huckleberry Finn, die umschwärmte Beck Thatcher aus gutem Haus und Indiana Jones in fünf Sätzen vor, inklusive Happyend. Die Geschichte vom Sprachforscher Henry Higgins und dem Blumenmächen Erliza Doolittle mit ihren vulgären Ausdrücken erklingt in „My Fair Lady“. Und die „Washington Post“ ist nicht nur eine angesehenes Blatt, sondern auch ein Marsch, komponiert 1889 von John Philip Sousa für die Verleihung des Aufsatz-Wettbewerb der Zeitung.

Eingangs verrieten das Schülerorchester von Lukas Wempe und das Jugendorchester um Holger Sondergeld, woher Greifenstein den Nachwuchs rekrutiert. Sie gefielen mit Stücken wie „Medaillon Overture“ und „Tool B“ sowie der „Barbie World“ und „Zurück in die Zukunft“. Mehrere Mädchen und Jungen holte beim Jugend-Leistungslehrgang Auszeichnungen. Der gelungene Abend forderte freilich Zugaben, in den Pausen übernahmen Feuerwehrleute den Dienst an den Theken.

Von Michael Prochnow