Arbeiterwohlfahrt hilft seit 1919 bei der Bewältigung sozialer Probleme und Aufgaben in Mühlheim Wichtigste Helfer für jene, die sich alleine nicht mehr versorgen können

Auch Angehörige, die sich sorgen oder nicht mehr weiterwissen, lädt die Arbeiterwohlfahrt ein, sich über Details ihrer Dienste zu informieren Z  06108 77204 Foto: man

Mühlheim (man) – „Ich bin nicht die Caritas“, den Satz kennt fast jeder. Meist benutzen ihn die Leute, um ihre fehlende Freigiebigkeit zu begründen. Alternativ könnten sie auch formulieren: „Ich bin nicht die AWO.“ Auch in Mühlheim gehört die 1919 im Umfeld der SPD gegründete Arbeiterwohlfahrt zu den wichtigsten Helfern für jene, die sich alleine nicht mehr versorgen können. Mit Ulrike Huf führt seit dem letzten August eine neue Geschäftsführerin den Ortsverband. Angebote der AWO kann natürlich nicht jeder für sich reklamieren. Der 40-jährige Programmierer, der von zu Hause arbeitet und keine Lust hat, mittags selbst die Würstchen in die Pfanne zu hauen, der wählt die Nummer der Arbeiterwohlfahrt vergeblich, um „Essen auf Rädern“ zu bestellen. Die AWO bietet auch an, für 7,50 Euro einmal in der Woche den Einkauf zu erledigen. Der Typ Geschäftsmann mit 16-Stunden-Tag hat auch keine Chance, daran zu partizipieren. „Der tut uns leid“, lacht Ulrike Huf, „aber wir versorgen nur jene, die Probleme haben, alleine das Haus zu verlassen“.

Die ausgebildete Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen berichtet, das seien mehr, als letztlich bei der AWO das Angebot in Anspruch nähmen, sich täglich für die Preise von 6,05 bis 7,45 Euro ein Menü bringen zu lassen- sechsmal in der Woche warm, sonntags muss man es selbst erhitzen. Alle zwei Wochen füllen Betroffene oder Angehörige den Menüplan aus. Die AWO sehe zu, verstärkt mit den Pflegediensten in Kontakt zu gelangen, „die haben den besten Einblick darüber, wer uns braucht“.

Ein weiteres Ziel von Ulrike Huf liegt darin, möglichst jeden Monat im Sitz der AWO an der Fährenstraße 2 ein gemeinsames Essen für jene zu organisieren, „die nicht mehr im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen“. Die 33-Jährige spricht eine Kehrseite der Moderne an. Früher lebten in der Regel meist mehrere Generationen unter einem Dach. „Heute wohnen die Kinder nicht selten hunderte von Kilometern weit weg oder arbeiten allesamt ganztags“, beobachtet Huf. Das bedeutet, „immer mehr Menschen verbringen das Alter in Einsamkeit“. Die lässt sich noch schwerer ertragen, wenn die Rente kaum reicht, die Existenz zu sichern. Bisher organisierte die AWO zwei gemeinsame Essen, an denen jeweils rund 30 Gäste teilnahmen, „die Leute kamen miteinander ins Gespräch“. Jeder zahlt, je nach Kassenlage, zwischen einem und drei Euro, das ansonsten bisher einmal ein Mühlheimer Gastwirt sponserte, der nicht genannt werden will, das andere Mal einer seiner Stammgäste. Huf steht mit weiteren Gastronomen in Kontakt. Die AWO bietet Senioren auch an, sie für zehn Euro zum Arzt hin und zurückzufahren, wofür es ratsam sei, sich möglichst drei Tage vorher anzumelden. Der Ortsverband beschäftigt acht Mitarbeiter. „Ehrenamtliche Helfer, die etwa auch mit unseren Kunden einkaufen gehen, sind immer willkommen“, betont die Geschäftsführerin. Wie für alle anderen sozialen Dienste bedeutete das Ende der „Zivis“ im Jahr 2011 als Folge der Aufhebung der Wehrpflicht auch für die AWO einen personellen Einschnitt.

Ulrike Huf beobachtet, wie es Bürgern oft nicht leicht fällt, etwa ein Angebot wie „Essen auf Rädern“ anzunehmen. Viele verstünden das als ein weiteres Zeichen, „jetzt werde ich alt“. Die Hilfe von außen lasse sich jedoch auch positiv deuten, „dadurch kann ich in meiner gewohnten Umgebung bleiben“. Außerdem komme ohnehin niemand auf die Idee, für sich alleine Rinderrouladen oder Schweinebraten zu kochen, „bei uns bekommt er das“.

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