AWO-Waldkindergarten am Tag der Nachhaltigkeit unterwegs in Mühlheim „Wilde Rehkids“ begutachten Hochbeete vom Verein Zugpferd

Am Tag der Nachhaltigkeit haben die wilden Rehkids viel über die Bewirtschaftung der verschiedenen Hochbeete erfahren. Foto: m

Mühlheim (m) – Das Team vom „Zugpferd“ hat insgesamt 20 Hochbeete angefertigt und in der Stadt verteilt. Eines steht auf dem Areal östlich der Wichernstraße, wo sich acht „wilde Rehkids“ treffen. Die Mädchen und Jungen des Waldkindergartens der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Obertshausen haben bereits die ersten selbst gezogenen Gurken geerntet und geschält – ihr Betrag zum „Tag der Nachhaltigkeit“, der darauf hinweist, was alles in der Region gedeiht und ohne lange Transportwege verfügbar ist.

Jetzt lassen sich die jungen Gärtner von ihren Gästen aus dem Forsthaus erklären, welche Auswirkung es hat, wenn man die Samen von Hagebutten jemanden über den Nacken auf den Rücken rieseln lässt. Die jucken nämlich höllisch, verraten die Erzieherinnen. Künstlerin Kerstin Lochner hat für die Knirpse eine der orangeroten Früchte aufgeschnitten und puhlt die Kerne heraus. „Auf den Streuobstwiesen hier gedeiht schon viel Obst“, deutet Meike Capps-Schubert auf den Boden unter den Bäumen, der mit Äpfeln übersät ist. „Dieses Jahr gibt es auch viele Mirabellen und Eicheln.“

Letztere lieben die Wildschweine. „Jeden Morgen sehen wir schon an den Spuren, dass sie da waren“, berichtet die Leiterin der Freiluft-Einrichtung. An der vier Meter langen, ein Meter breiten und 75 Zentimeter hohen, schweren Holzkiste lernen die Kinder, „was, wann und wie wächst“, fasst die Erzieherin zusammen. Die Kleinen sollen zu nachhaltigem Handeln erzogen werden, erfahren, was vor Ort sprießt – und wie es schmeckt.

Ist es selbst gezogen und zubereitet, kosten die Sprösslinge sogar Gemüse wie Kohlrabi und Brokkoli, beobachtet die Pädagogin. „Wir haben gelernt, dass die Stiele von Zucchini piksen, aber auch wunderschöne, gelbe Blüten tragen.“ In dem Beet entwickeln sich auch Bohnen und Winterkohl, macht Meike Capps-Schubert mit dem Grünzeug vertraut.

Eigentlich sollten sie jetzt auch neue „Rehkids“ kennenlernen. Die Pandemie hat die Eingewöhnungsphase verschoben. „Sie kommen erst mit Papa oder Mama, bleiben immer länger und schließlich ganz alleine bei uns“, beschreibt die Leiterin den Prozess, den sie gerade gestartet haben, als die virusbedingte Schließung verfügt wurde.

Auch bei am Lämmerspieler Ortseingang gab es eine Notbetreuung, Mitte Juni sind sie zum „eingeschränkten Regelbetrieb“ zurückgekehrt. „Die Kinder kriegen die Veränderungen wegen Corona durchaus mit“, beschreibt die Sprecherin die Situation. „Sie haben die Regeln längst verinnerlicht, Hände waschen, niesen und husten in die Armbeuge, das ist ganz normal.“

Auch beim Schnitzen müssen sie mit ausgestreckten Armen überprüfen, dass sich niemand in ihrem Radius aufhält. Oder wenn sie „Flieg’ wie ein Adler“ spielen und ihre „Schwingen“ ausbreiten, dann ist ebenfalls Distanz gefordert. „Fürs Essen haben sie das schon längst gelernt“, fährt die Leiterin fort. „Aber beim Spielen ist Abstand nicht durchzusetzen“, deutet Capps-Schubert auf die Gruppe, die sich um das Hochbeet versammelt hat und dicht an dicht auf Zehenspitzen steht.

Der Verein Zugpferd, stellt die Leiterin vor, führt Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte auf beruflicher und sozialer Ebene und versucht, junge Leute wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. In die Kisten haben einige Mitarbeiter Schichten aus Ästen und Zweigen, Mäusegitter, Reisig und Erde gelegt und dafür gesorgt, dass im Herbst noch mehrere Kohlsorten, Feldsalat und Wintersellerie geerntet werden können.

Neben Kerstin Lochner testet Sigrid Scherer von Zugpferd mit dem Nachwuchs, ob die Brombeeren süß oder sauer sind. Bei den Gurken weisen die beiden Besucher darauf hin, dass die zarten „Ärmchen“ der Pflanze Halt an anderen Gewächsen suchen. Das Zuckererbsenkraut wiederum ist eine Delikatesse für die Hühner vom benachbarten „Opa Ulmer“: „Bei uns wird nix weggeschmissen!“

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