Flüchtlingsheim: Rundgang und Redebedarf

Bürgermeister Hunkel steht in Gravenbruch Rede und Antwort

Richtig locker ist die Atmosphäre anfangs noch nicht. Viele Anwohner wollen genau wissen, was sich in der geplanten Flüchtlingsunterkunft abspielen soll. Bürgermeister Herbert Hunkel informierte sie. Foto: Mangold

Gravenbruch (man) – Bürgermeister Herbert Hunkel hatte für vergangenen Samstag zum Rundgang durch Gravenbruch eingeladen. Schon um neun Uhr früh ging es los. Ein paar Tage vorher dachte Hunkel noch, er ginge nur mit ein paar Bürgern ums Eck, weil sich nicht allzu viele anmeldeten. Am Treffpunkt stehen dann aber etwa 60 Interessierte, überwiegend Gravenbrucher.

Die meisten interessieren sich dafür, was sich in naher Zukunft im Stadtteil verändern soll. Im „Singh-Haus“ an der Meisenstraße hatte die Modedesignerin Cornelia Singh Textilien für die Hautevolee entworfen. Die R & E Collections Haute Couture GmbH hat für das Gebäude aber keine Verwendung mehr, was das Kerngeschäft betrifft. In den nächsten Monaten soll es zu einer Unterkunft von Flüchtlinge mutieren. „Nur für Familien“, betont der Bürgermeister. Eine Anwohnerin hakt nach: „Können Sie garantieren, dass hier nur Familien einziehen?“ will sie den Bürgermeister festnageln.

Der gibt wieder, was er von Vertretern des Kreises weiß. Denn der Kreis Offenbach ist Mieter des Hauses, das sich gerade im Umbau befindet. Geschäftsführer Kai-Michael Singh führt durch und erklärt das Belegungskonzept. Auf den drei Stockwerken sollen sich etwa 30 anerkannte Flüchtlinge auf vier abgeschlossene Wohnbereiche verteilen. Ein Betreuer sei ständig im Haus. „Die 70 Bewohner, von denen die Rede ist, sind das theoretisch absolute Maximum“, führt Singh aus. Die Zahl der Flüchtlinge sei jedoch massiv rückläufig, „es kann sogar sein, dass überhaupt keine einziehen“.

„Alles finanziert der Eigentümer"

Dann dürften die Mietverträge mit dem Kreis dennoch gelten. Ansonsten wäre das betriebswirtschaftliche Risiko zu groß. Auf die Frage einer Frau, ob der Steuerzahler die Umbauten bezahle, antwortet Singh, „alles finanziert der Eigentümer“. Zu jeder Wohneinheit zählt ein Raum mit Toiletten und Duschen und eine Gemeinschaftsküche. Eine Anwohnerin gibt zu bedenken, unter Muslimen herrsche rigide Geschlechtertrennung. „Die Männer akzeptieren es nicht, wenn die Ehefrau zusammen mit einem anderen Mann in einem Raum duscht.“ Singh betont, die Kabinen seien mit großzügiger Ablage versehen und bis zur Decke abgeschlossen.

Asuman Demir, selbst Muslimin und eine der Gründerinnen der Nachbarschaftsinitiative „Mein Gravenbruch“, schaut sich den Plan mit nach Geschlechtern getrennten Toiletten und Duschen an und sieht kein Problem. Eine drei- bis vierköpfige Familie soll pro Zimmer unterkommen. „Das ist es also, was die Leute so neidisch macht“, ironisiert Petra Riesinger, Isenburgs Stadtfotografin von 2015, die Mär, Flüchtlinge lebten in Saus und Braus.

Angespannte Atmosphäre

Die Anfangs leicht angespannte Atmosphäre löst sich endgültig bei Kuchenstücken und Getränken, die der Hausherr spendiert. Draußen geht es weiter durch den Wald zur Sickergrube, die das Regenwasser fängt und in den Hainbach leitet. Hunkel erzählt, für die Grube sollten in den 60er-Jahren ursprünglich 4 500 Quadratmeter Wald zum Opfer fallen. Eine Bürgerinitiative habe das Schlimmste verhindert.

Nicht weit entfernt geht es in die neue Dependance der Stadtbibliothek. Mirjam Irle, die stellvertretende Leiterin, erzählt von 3 500 neuen Medien und der Zusammenarbeit mit dem Kinderzentrum nebenan. Ums Eck erklärt Herbert Hunkel die Pläne des neuen Eigentümers des ehemaligen Tengelmann-Gebäudes. Seit 2010 steht die Immobilie leer. Mit dem alten Eigentümer habe er einige Male ergebnislos gesprochen. „Stattdessen hätte ich auch mit der Hecke reden können.“ Der seit einer Zwangsversteigerung neue Investor will die Immobilie verschwinden lassen, samt der Forsthausgalerie nebenan. Die Geschäfte, die dort verkaufen, könnten sich auch in dem geplanten großen Neubau einmieten. Hunkel berichtet von der Zusage eines Rewe-Chefs, dann mit einer Filiale einzuziehen.

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