Verein „Pour l’Yseboursch“ informiert mit Plakat-Aktion über ehemalige Bürgermeister Neu-Isenburgs Freibier sicherte 30-jährige Amtszeit

Werner Alfons Stahl ruft das nächste Bürgermeisterhaus in der Kronengasse aus. Die Info-Plakette zu Maire (Bürgermeister) Pierre Pons befestigt er vor der Hirtengasse 5. Fotos: lfp

Neu-Isenburg (lfp) – Amtsträger aus einer Zeitspanne von über 160 Jahren früherer Ortsentwicklung kehrten am Samstag dank einer geschichtsträchtigen Aktion des Vereins „Pour l’Yseboursch“ an ihre Wirkungsstätten zurück. Die Mitglieder hatten 31 ehemalige Bürgermeister der Hugenottenstadt und ihre Wohnstätten recherchiert und hängten am Samstag Plakate mit der Vita der Männer vor oder an den Häusern, in denen sie einst residierten, auf. 28 Plakate hängen nun in den Straßen des Alten Ortes, aber auch in der Frankfurter Straße – bei drei Bürgermeistern konnte keine Wohnadresse ermittelt werden, diese Plakate werden im Stadtarchiv präsentiert.

Bis heute hatte Neu-Isenburg etwa 40 Bürgermeister. „Die meisten von uns kennen den aktuellen Bürgermeister, Herbert Hunkel, und wissen, wie sehr er in den zurückliegenden Jahren seiner Amtszeit diese Stadt geprägt hat. Wer weiß aber schon, wie sehr der Metzgermeister Jean George Passet in den 15 Jahren seiner Amtszeit die kleine Gemeinde Neu-Isenburg geprägt hat? Wer weiß denn, dass er der Wirt der Gaststätte zum Weißen Ross, heute Apfelwein-Föhl war?“, nannte Werner Alfons Stahl, Vorsitzender des Vereins „Pour l’Yseboursch“, ein Beispiel.

Im Zeitraum von 1700 bis 1876 wirkten die Bürgermeister, die von den Vereinsmitgliedern namentlich identifiziert werden konnten. Über das holprige Kopfsteinpflaster zogen am Samstagabend Werner Alfons Stahl und Johanna Becker in historischen Kostümen ihr kleines Leiterwägelchen, voll beladen mit den Dokumentationsplakaten, durch die Pfarrgasse zum Marktplatz. Zu ihnen gesellten sich die interessierten Bürger Christa Arnold und Rolf Maas. Nur wenn Werner Alfons Stahl sein „Sprachrohr“ zur Hand nahm und vor einem Haus verkündete, wer hier einst wohnte, wurde hin und wieder mal ein Vorhang beiseitegeschoben, um einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen. „Ich gehe davon aus, dass doch einige Hausbewohner und Passanten sich die Plakate ansehen und so erfahren, wer hier einst gewohnt hat“, hoffte der Vereinsvorsitzende.

Interessierte erfahren zum Beispiel, dass manche Bürgermeister nur ein Jahr ihr Amt ausübten – oder ausüben durften. „Das war in einer Zeit, als die Bürger hier sich gegen die Obrigkeit auflehnten, eine eigene demokratische Struktur aufgebaut hatten und selbst ihr Oberhaupt wählten. Ansonsten wurde der Bürgermeister immer entsprechend von der höheren Verwaltung bestimmt“, erklärte dazu Stahl. In den Nachbargemeinden gab es noch feudale Strukturen, sogar Leibeigene. Die Machtinhaber, insbesondere die Fürsten und eingesetzten Verwalter, blickten mit Argwohn auf das „Isenburger Getue“. Die Rekordamtszeit gebührt unangefochten Jean George Passet, der es – mit kleinen Unterbrechungen – auf stolze 30 Jahre brachte. „Man sagt aber auch, dass er als Wirt vor den anstehenden Wahlen besonders spendabel mit Freibier war“, ergänzte Werner Alfons Stahl schmunzelnd.

Die Plakate dürfen nun sechs Wochen an den Wänden oder Laternenpfählen hängen bleiben – dann müssen sie wieder entfernt werden. „Wir haben aber noch eine andere Idee für bleibende Erinnerungen an die Wohnhäuser der früheren Bürgermeister“, verkündete Stahl. Der Verein „Pour l’Yseboursch“ hat bereits einen entsprechenden Entwurf für Bodenplatten aus Steingut parat. „Die sollten dann, ähnlich wie die Stolpersteine, auf den Gehwegen vor den Grundstücken verlegt werden. Das sollte aber die Stadt selbst übernehmen, so viel sollte ihr die eigene Geschichte noch wert sein“, sagte Werner Alfons Stahl. Die Kosten könne der Verein für belebte Geschichte im Alten Ort nicht tragen.

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