Jugendgruppe aus Liaocheng verbrachte ereignisreiche Tage mit dem THW Neu-Isenburg Frosch in Seitenlage

Pink (rechts) aus Liaocheng hat sich einen Isenburger „geangelt“. DLRG-Vorsitzender Bernd Marquard (rechts) leitete die Rettungsübung, an der die Jugendgruppe aus China im Rahmen des Austauschprogramms des Kreises Offenbach teilnahm, an. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – Am Mittwochabend gab es einen mächtigen Platscher am abgesperrten Bereich des großen Schwimmerbeckens im Waldschwimmbad. Nach einem Aufschrei – ob des überraschend kühlen Wassers – der am Becken stehenden Jugendlichen und Betreuer war man schnell wieder gefasst und man scherzte, dass die Wasserverdrängung jener Person, die sich absichtlich „volle Breitseite“ in das Becken hatte fallen lassen, wohl jener aller Gäste aus China entsprach. Es war nämlich der stattliche Claus Eichler, Technischer Leiter Ausbildung beim THW. Die Jugendgruppe aus dem chinesischen Liaocheng, die für zehn Tage beim Technischen Hilfswerk Neu-Isenburg zu Gast war, hatte für diesen Abend eine Einladung des DLRG Ortsvereines für Rettungsdemonstrationen erhalten. Nach theoretischen Informationen durch den DLRG-Ortsvereinsvorsitzenden Bernd Marquard ging es dann an die Praxis.

Wer wen aus einer vermeintlichen Notsituation im Wasser rettet, war keine Frage, hier wechselten stets die Positionen von Retter und zu Rettenden. Ob mit dem Gurtretter im „Abschleppverfahren“ oder fixiert am Seil, das dann vom Ufer aus an Land geholt wurde, stets waren die Jugendlichen aus Liaocheng mit großem Eifer dabei. Hier zeigte sich dann auch so mancher ungewöhnliche Schwimmstil – wie der Frosch in Seitenlage – doch das Ziel, möglichst schnell zum Ertrinkenden zu gelangen, wurde immer erreicht. „So eine Rettungsgruppe gibt es bei uns nicht, wer schwimmen kann und jemanden sieht, der in Not ist, schwimmt halt hin“, war von den Gästen zu erfahren.

Der Besuch bei der DLRG-Ortsgruppe Neu-Isenburg gehörte zum thematischen Pflichtprogramm, das der Kreis Offenbach, der seit fast 15 Jahren eine partnerschaftliche Verbindung zur chinesischen Provinz Liaocheng pflegt, für den Aufenthalt hier vorgegeben hatte. Durch den Besuch von kulturell und historisch bedeutsamen Orten sollte ein Einblick in den europäischen Lebensstil gewährt werden und ein gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen gefördert werden.

Der THW Ortsverband Neu-Isenburg hatte dies alles in seiner Bewerbung berücksichtig und wurde somit zum Gastgeber für die Jugendgruppe aus Liaocheng auserkoren. Es gab wohl aber keine weitere Bewerbung aus dem Kreis Offenbach, wie zu erfahren war. Landrat Oliver Quilling und auch Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel empfingen die „jugendliche Abordnung“ mit ihren beiden Begleitern persönlich und dankten dem THW Ortsverband Neu-Isenburg ausdrücklich für ihre besondere Jugendarbeit.

Eine große Gemeinsamkeit der deutschen und chinesischen Regionen sind Flüsse und das Element Wasser. Diese wurde genutzt, um rund um die Themen „Umwelt und Technik“ mit Ausflügen an die und auf den Flüssen der Region, wie Rhein, Main und Neckar, spannende Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln. „Gleichzeitig bietet uns das Wasser die Möglichkeit, nicht nur die ehrenamtliche Arbeit des THW, sondern auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, in unserem Fall dem DLRG, zu präsentieren. So möchten wir den Bereich Teamwork verdeutlichen und zeigen, dass Kooperation auch trotz unterschiedlicher Sprachen möglich ist“, so Landrat Oliver Quilling.

Begeistert waren die Jugendlichen vom Ausflug zu den THW-Kollegen Frankfurt und Offenbach, mit denen sie eine gemeinsame Bootsfahrt auf dem Main unternahmen und die Frankfurter Skyline vorüber ziehen ließen. Ganz spannend für alle freilich die Fraport-Tour auf dem Großflughafen Rhein-Main oder die Schifffahrt bei Rüdesheim mit Besuch des Niederwalddenkmals. Wenngleich das Wetter beim Besuch von Heidelberg nicht so optimal war, zeigten sich die chinesischen Jugendlichen angetan von der Bilderbuchromantik mit der Brücke über den Neckar, der Altstadt und der Schlossruine darüber.

Recht interessant entwickelte sich die Kommunikation unter den Jugendlichen. Obwohl mit Yuanzhen Sun ein in Neu-Isenburg lebender junger Chinese perfekt die offizielle Übersetzung übernahm, hatten sich die Jugendlichen auch eine „Chinesisch App“ auf ihre Handys geladen – und zeigten sich stets gegenseitig Fragen und Antworten auf dem Display. „Auch solche Herausforderungen zu meistern, gehört zum Teamspirit. Hier haben sich beide Seiten erfindungsreich gezeigt“, lobte Manuela Desch, die Jugendleiterin des THW Neu-Isenburg, das Zusammenwachsen der Jugendlichen. Alle waren nach der viel zu schnell vergangenen Zeit begeistert und freuen sich nun schon auf ein Wiedersehen. Dies soll im Sommer nächsten Jahres stattfinden – dann aber in Liaocheng.

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