Das "Wort zur Woche" in der StadtPost Neu-Isenburg "Was für ein Osterfest wird das in diesem Jahr wohl werden?"

Das "Wort zur Woche" erscheint vorübergehend online.

Geistliche und Mitarbeiter der Neu-Isenburger Kirchengemeinden gestalten in der StadtPost wöchentlich den Beitrag "Wort zur Woche". Da die StadtPost zurzeit nicht erscheint, wird die Kolumne vorübergehend online weitergeführt, heute mit einem Text von Silke Henning, Pfarrerin der Evangelischen Johannesgemeinde in Neu-Isenburg. Sie fragt sich, ob zu einem Osterfest, das in Krisenzeiten ohne Familie, Freunde und gemeinsamen Gottesdienst gefeiert werden muss, die Freude über Auferstehung überhaupt spürbar ist - und findet eine Antwort, die Mut macht.

 

Kyrie eleison

In der kommenden Woche geht die Passionszeit zu Ende und wir feiern das Osterfest. Oster-FEST. Was für ein Fest wird das in diesem Jahr wohl werden? Im Supermarkt sind die Regale mit den vielen Schokoladen-Osterhasen noch so ungewohnt gefüllt. Es fällt mir schwer, mich auf ein Osterfest zu freuen, an dem ich meine Familie und Freunde nicht treffen kann und an dem wir keinen Gottesdienst miteinander in der Kirche feiern können. So etwas habe ich noch nie erlebt. Fast scheint es so, als würde Ostern nicht wirklich stattfinden und als würde stattdessen die Zeit des Verzichts auf unbestimmte Zeit weiter gehen. Wo bleibt die Freude über die Auferstehung? Können wir die in so einer Zeit überhaupt spüren?

In dem Passionslied „Holz auf Jesu Schulter“ heißt es:

„Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toden, lass uns auferstehn.“

Das schwere Holz, das die Welt momentan auf ihren Schultern trägt, heißt Corona.

Ich muss an den Leidensweg Jesu denken. Wie er von den römischen Soldaten gefoltert wurde, von Teilen der Bevölkerung bespuckt, verachtet und verspottet. Und wie er den schweren Holzbalken auf den Berg Golgatha getragen hat.

„Holz auf Jesu Schultern, von der Welt verflucht.“

„Ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.“

Auf seinem Leidensweg gab es aber auch helfende Hände und Mitleidende – Menschen, die sich gekümmert haben. Um das Bild des Liedes aufzugreifen: Aus einem toten Holzbalken, sprießen neue Triebe, die gute Frucht bringen. Was für ein schönes Sinnbild für die Auferstehung! Und gilt das nicht auch für unsere derzeitige Krise?

Es gibt in dieser Situation Spötter. Es gibt Misstrauen und Feindseligkeit und es gibt sogar Menschen, die sich zu bereichern versuchen. Aber gleichzeitig wächst aus dem kranken Holz, das wir alle gerade tagtäglich tragen, auch Neues. Gute Frucht zeigt sich momentan überall: helfende Hände, Solidarität und Mitgefühl, viele kreative Ideen, die versuchen uns durch die Krise zu helfen, Zusammenhalt trotz Isolation.

Für mich sind das jetzt schon kleine Triebe der Auferstehung. Und wie wir in diesem Jahr Ostern feiern, zeigt mir, dass dieses Fest etwas damit zu tun hat, dass Leid überwunden wird. Es bleibt dennoch die Sehnsucht nach der endgültigen Befreiung von diesem Holz auf unseren Schultern.

Darum können wir derzeit nur bitten:

„Kyrie eleison, sieh wohin wir gehen.

Ruf uns aus den Toden, lass uns auferstehn.“

Pfarrerin Silke Henning, Evangelische Johannesgemeinde

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