Bei der Umwelt-Aktion Park(ing) Day war noch Platz für ein besonderes Fahrzeug Doch nicht ganz autofrei

Schüler der Friedrich-Fröbel-Schule verhüllten das Auto von Bürgermeister Herbert Hunkel, den stadtbekannten R4. Foto: lfp

Neu-Isenburg (lfp) – Platz für ein einziges Auto war dann doch auf dem rund 35 Meter langen gesperrten Parkstreifen vor der Kaiserpassage in der Frankfurter Straße. „Das darf ausnahmsweise heute mal hier stehen, das hat nämlich heute frei“, erklärte Gisela Mauer, Mitorganisatorin der Aktion „Park(ing) Day“, die jährlich international begangen wird und am Freitag zum zweiten Mal in Neu-Isenburg stattfand. Der Watt-Club (eine Bürgerinitiative für die Energiewende in Neu-Isenburg), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Ortsgruppe des Naturschutzbund Deutschland (NABU) hatten eingeladen und wollten mit der kurzfristigen Umwidmung des Parkstreifens in eine Informations- und Verweilzone eine Diskussion rund um Verkehrswende, mehr Stadtbegrünung und insbesondere mehr Klimaschutz anregen.

Parken durfte dort an diesem Tag nur der stadtbekannte Oldtimer-R4 von Bürgermeister Herbert Hunkel. Schüler der Friedrich-Fröbel-Schule hatten ihm nämlich einen Überwurf genäht, unter dem sie das Fahrzeug auch gleich verschwinden ließen. Schon vor Wochen hatten sie am Bürgermeister-Auto Maß genommen, um genügend Stoff für das Sonderkleid zu haben. „Wir haben uns natürlich intensiv mit dem Hintergrund des Park(ing) Day beschäftigt und dann mit den Schülern über die Motive diskutiert, die auf dem Auto-Kleid zu sehen sein sollten“, erklärte die Pädagogin Mareike Geist. Auf der Vorderfront ist ein Baum zu sehen, der sich in zwei Hälften teilt – in eine gesunde, blühende und eine dürre, vertrocknete. Mit entsprechenden Verbotsschildern für startende Flugzeuge, Autos und Motorrad entlang der Fahrzeugseite wollen die Fröbel-Schüler auf die bedenkenlose Nutzung dieser umweltschädlichen Verkehrsmittel aufmerksam machen. Auf der anderen Seite ist eine „auf Händen getragene“ Weltkugel zu sehen. „Wir selbst haben es in der Hand, was aus unserer einmaligen Erde wird“, erklärte eine Schülerin dazu. Grün dagegen das Fahrrad, das viel mehr genutzt werden sollte, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Diese Aktion wird bei allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.

Der Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Neu-Isenburg, Heinz Kapp, warb für mehr Grün in der Stadt – aber auch für mehr Toleranz. Anhand verschiedener Bild-Beispiele zeigte er, wie Hauswände und Lampenmasten problemlos mit Grün berankt und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in der Stadt beitragen können. „Man hat mir gesagt, dass die Pflanzen bis zu den Lampenkörpern hochranken könnten – aber das kann man doch regulieren“, nannte Kapp ein Beispiel, wo er einfach fehlenden Willen sieht. Wie eine Diskussion etwas in Gang setzen kann, zeige das Thema Tempo-30-Zone auf der Frankfurter Straße oder gar der Neu-Isenburger Innenstadt. „Mittlerweile gibt es sogar eine positive Stellungnahme dafür seitens des Regierungspräsidiums“, so Kapp, der von der lokalen Politik einfach „mehr Mut“ fordert.

Im Rahmen der abschließenden Bürger-Talkrunde kamen aber auch unterschiedliche Ansichten zu den selben Themen zutage. Der Jugendumweltpreisträger der Stadt Neu-Isenburg, Marvin Rüb, zeigte auf, wie mit einfachen Mitteln jeder seinen Beitrag zu einer Verbesserung des innerstädtischen Klimas leisten kann. „Viele noch so kleine Grüninseln, ob auf dem Balkon, an Hauswänden oder öffentlichen Plätzen, sind hilfreich“, betonte Rüb. Andreas Schmidt, Geschäftsführer von Café Ernst, verwies darauf, dass man das Auto als hilfreiches Transportmittel nicht generell verteufeln sollte. „Wir sind, was vielen gar nicht so bewusst ist, doch sehr auf dieses Fahrzeug angewiesen. Aber es muss nicht unbedingt von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden“, so Schmidt. Marlis Otto, leidenschaftliche Radlerin, freute sich, dass die Baustelle, die viele Staus in der Bansastraße verursachte, nun zwar vorbei sei – aber dafür fehle das Tempo-30-Schild und die Autos würden wieder rasen.

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