Im DRK-Kleiderladen finden sich nicht nur Klamotten Geschirr und Gardinen zum kleinen Preis

Mari Mokhtarzada, Marianne Knisatschek, Brigitte Reschke und Heidi Kröner sind vier von 45 Helferinnen, die ehrenamtlich im Kleiderladen des DRK verkaufen. Foto: Mangold

Neu-Isenburg (man) – Gerade schauen sich vier Frauen im gar nicht kleinen Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Bahnhofstraße 23 gezielt um. In einer normalen Boutique in so einer Lage würde die Eigentümerin den Moment vielleicht innerlich bejubeln.

„Für uns ist das nichts Besonderes“, erklärt Ilse Kröner (65), „manchmal sind zehn Leute hier“. Kröner ist seit dem Verkaufsstart mit von der Partie, seit fünf Jahren.

Der Grund für den regen Nachmittagsbetrieb liegt vor allem im Preis. Wer hier erscheint, geht einkaufen, nicht shoppen. Die Chancen stehen dennoch gut, etwas Schickes zu finden. Die Öffnungszeiten sind aber enger gefasst als üblich. An vier der sechs Einkaufstage bleibt die Türe nur vier Stunden lang auf.

Ein Großteil der Kundschaft kann sich die Zeit ohnehin problemloser einrichten, als einem lieb ist.

Im DRK-Laden lassen sich nicht nur Kleider mitnehmen. Auch Bett- und Tischwäsche, Gardinen, Handtücher, Handtaschen und Geschirr liegen und stehen in den Regalen. Viele erscheinen mit einem Gutschein über 20 Euro, der für ein halbes Jahr gilt. Den spendiert das DRK denen, die nachweisen können, Transferleistungen vom Amt zu beziehen. Pro Person gibt es einen. Und 20 Euro hören sich schon anders an, wenn man weiß, dass die Hose nur zwei Euro kostet und die dicke Winterjacke nicht mehr als fünf. Einen Anzug gibt es für den selben Betrag.

Natürlich wurden die Kleider fast immer schon getragen, die hier unentgeltlich abgegeben werden. „Aber nicht jedes Teil können wir anbieten“, betont Kröner. Manche verwechseln den Laden mit einem Abfallcontainer. „Aber wir kennen unsere Pappenheimer“, sagt Kröner. Wenn jemand schon mit einem eingerissenen Sack einläuft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass nichts drin steckt, was sich noch tragen lässt.

Prinzipiell sollten im Geschäft nur Textilien oder Accessoires landen, die fürs eigene Bild zwar noch taugten, sich aber aus diversen Gründen nicht mehr tragen lassen: Sei es, weil sich der Geschmack änderte oder die Figur, sei es, dass man die einst vom Freund geschenkte Handtasche nach der Trennung nicht mehr haben will.

Es gibt auch Schuhe, jedoch fast ausschließlich für die Frau. Gebrauchte kosten drei Euro, neue fünf. Das dürre Angebot für Männer erklärt Heidi Kröner aus der divergierenden Sicht der Geschlechter zum Thema: „Die Männer kaufen ein Paar und tragen das, bis es auseinanderfällt.“ Frauen stellen die Schuhe erst mal in den Schrank und spüren den Druck auf den Knöchel erst dann, wenn die Umtauschfrist schon Geschichte ist.

Insgesamt arbeiten 45 ehrenamtliche Verkäuferinnen im Geschäft, meist drei pro Schicht. Kröner, ausgebildete Großhandels- und Industriekauffrau und durch ihr ehrenamtliches Engagement im Weltladen bekannt, erschien 2011 zur Eröffnung und dachte ob der Atmosphäre im Geschäft: „Das hier wäre was für mich.“

Mitunter kann der Alltag jedoch anstrengen. Manche Kunden wollten eine Hose für zwei Euro preislich noch runterhandeln. Was praktisch nichts anderes bedeutet, als um ein Geschenk zu betteln. Sie wisse zwar, dass der Handel in bestimmten Regionen der Welt zum Einkauf dazu gehöre, „aber hier nervt das“.

Der Kleiderladen gilt nicht nur als Platz, sich für kleines Geld zu versorgen, sondern auch als informeller Treffpunkt. „Wir haben viele Stammkundinnen“, erzählt Kröner. Manche lassen sich im Geschäft über gute Ärzte und nahe Kindergärten informieren, holen Tipps ein, wie sich Probleme mit Behörden klären lassen.

Der Kleiderladen an der Bahnhofstraße 23 öffnet montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, dienstags entfällt die Mittagspause und samstags von 9.30 bis 11.30 Uhr.

Der Kleiderladen ist vom 26. Dezember bis 1. Januar geschlossen. Informationen auch unter www.drk-of.de/angebote/kleiderlaeden/kleiderladen-neu-isenburg.html

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