Das "Wort zur Woche" in der StadtPost Neu-Isenburg "Ich halte nichts von dem Wort 'Gottesdienst fasten'"

 

Geistliche und Mitarbeiter der Neu-Isenburger Kirchengemeinden gestalten in der StadtPost wöchentlich den Beitrag "Wort zur Woche". Da die StadtPost zurzeit nicht erscheint, wird die Kolumne vorübergehend online weitergeführt, heute mit einem Text von Susanne Lenz, Pfarrerin der Evangelisch-Reformierten Buchenbuschgemeinde.

 

"GOTTESDIENST FASTEN"?
Ein neues Wort: 'Gottesdienst fasten'. Erfunden von Menschen, die jetzt ihre Gottesdienste in der Kirche vermissen. Bitter war das besonders an Ostern: Keine festlichen Gottesdienste als ganz großen, freudigen Höhepunkt im Jahr! Wie gern ziehe ich Ostern mit der Osterkerze in die Kirche, wie sehr liebt meine Gemeinde das köstliche Osterfrühstück! Jubelnder Gesang, das Ostereiersuchen der Kinder auf dem Kirchengelände, die dankbare Freude über den Osterruf: Das Leben ist stärker als der Tod!

'Gottesdienst fasten' meint, auf Gottesdienste wegen der Gefahrenlage durch das Coronavirus verzichten zu müssen. Aber: Ist das so? Ich erlebe es anders. Ich war überrascht und habe mich gefreut an der bunten Vielfalt dessen, was Gemeinden "erfunden", entwickelt und ausprobiert haben, um dennoch Ostern zu feiern. Und seit Mitte März auch viele andere Gottesdienste. Unsere Buchenbuschgemeinde hat das Format der "Hausgottesdienste" entdeckt und entwickelt es Sonntag für Sonntag weiter. Menschen können über unsere Homepage Hausgottesdienste mitfeiern, mit Musik und Liedern. Der 10. Mai ist der Sonntag CANTATE, das heißt: Singt! Singen mit Mundschutz? Singen ohne Kirchengebäude? Nein, wir fasten keinen Gottesdienst. Wir werden Gottesdienst feiern, jede Woche neu - und sind nicht abhängig vom Gebäude einer Kirche. Das, an das wir glauben, ist größer als jedes Gebäude. Zum Schutz der Menschen sollten wir als Christen jetzt erst einmal anders singen, feiern und Gemeinschaft erleben. Der katholische Bischof Feige nannte unsere Eile in Bezug auf Gottesdienste in den Kirchen ein "Luxusproblem". Wir hoffen und beten und singen jetzt für die, die größere Probleme haben: Sterbende, Kranke, überlastete Pflegende im Gesundheitssystem. Für sie verzichte ich gern noch eine Zeit auf meine geliebten Gottesdienste in der Kirche und weiß: Wir finden auch andere Möglichkeiten der Gemeinschaft und andere Wege zu Gott. Auch die sind GOTTESDIENST. Und darum halte ich auch nichts von dem Wort 'Gottesdienst fasten'.

Susanne Lenz, Pfarrerin der Ev.-ref. Buchenbuschgemeinde Neu-Isenburg

    Wer die Hausgottesdienste kennenlernen und mitfeiern möchte, findet sie hier:  www.buchenbuschgemeinde-neu-isenburg.de

 

 

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