Malter Hilfsdienst macht auf Angebot der Sterbebegleitung aufmerksam / Neuer Kinder- und Jugendhospizdienst Immer noch ein Tabu-Thema

Die Ehrenamtlerinnen (von links) Annette Mühl, Helga Finnzek, Renate Datta mit Claudia Bauer-Herzog (Malteser) am Infostand vor dem Rathaus. Foto: lfp

Neu-Isenburg (lfp) – Am Freitag war Welthospiztag – doch kaum jemand nahm Notiz davon. Dies will der Malteser Hilfsdienst ändern. „Wir wollen und müssen auch noch mehr auf die Menschen zugehen, denn das Thema Hospiz ist immer noch mit einem gewissen Tabu belegt – aber es betrifft doch alle“, betont Claudia Bauer-Herzog. Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendhospizsituation bestehe noch großer Nachholbedarf. „Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, in diesem Jahr einen ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Stadt und Kreis Offenbach zu eröffnen“, berichtet Bauer-Herzog, die für die Städte Neu-Isenburg, Dietzenbach, Heusenstamm und Obertshausen zuständig ist. Seit September dieses Jahres kann der Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Malteser jeden Freitag, von 10 bis 12 Uhr, ein Büro im Neu-Isenburger Rathaus nutzen.

Um diesen besonderen „letzten Dienst“ an einem Menschen noch mehr in die Gesellschaft zu tragen, gab es am Tag vor dem Welthospiztag einen Infostand vor dem Rathaus in Neu-Isenburg. „Heute gibt es allgemeine Sprechstunden, da haben wir auf viele Besucher des Rathauses gesetzt“, erläuterte Claudia Bauer-Herzog. Von 10 bis 12 Uhr standen die ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen Annette Mühl (Gravenbruch), Helga Finnzek und Renate Datta zusammen mit der Leiterin des neu ins Leben gerufenen Kinder- und Jugendhospizdienstes vor dem Rathaus, um auf die Menschen zuzugehen. Neben Gesprächen wurden insbesondere Grußkarten verteilt, um zur Thematik „Abschied und Neubeginn“ Akzente zu setzen.

„Nachdem wir aufgrund einer Umbruchsituation vor sieben Jahren keine Möglichkeit hatten, den Gedanken der Kinder- und Jugendhospizarbeit fortzuführen, haben wir das damalige Konzept nun wieder aufgegriffen und konnten an die guten Strukturen der Kinder- und Jugendhospizarbeit der Malteser anknüpfen“, erläutert Claudia Bauer-Herzog. So konnte man aus den Reihen des Erwachsenen-Hospizdienstes für die Städte Neu-Isenburg, Dietzenbach, Obertshausen und Heusenstamm 20 ehrenamtliche Hospizbegleiter in einem 30-stündigem Aufbaukurs nachqualifizieren. „Auch hier hat uns die Corona-Problematik etwas zurückgeworfen, wir wollen aber ab Januar einen neuen Kurs für die Kinder- und Jugendhospizarbeit anbieten, dafür suchen wir weitere ehrenamtliche Hospizbegleiter“, appelliert Bauer-Herzog an interessierte Mitmenschen.

Wer jetzt schon begleitende Hilfe für lebensverkürzend erkrankte Kinder oder Jugendliche, erkrankte Menschen verschiedenen Alters und Angehörige sucht, kann sich unter der Telefonnummer 06104 6695810 melden. Der ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst des Malteser Hilfsdienstes e.V. steht Menschen qualifiziert und kostenfrei zur Seite. Eine Beratung kann nur nach vorheriger Terminvereinbarung angeboten werden.

Im vergangenen Jahr hat Bundesministerin Franziska Giffey das Magazin „Letzte Wege“ vorgestellt, in dem über menschenwürdiges Sterben und über die beeindruckende Arbeit gesprochen wird, die von vielen Haupt- und Ehrenamtlichen in der Hospiz- und Palliativversorgung geleistet wird. Auch dieses Magazin steht zur Verfügung und lädt ein, sich gedanklich auseinanderzusetzen. Wie beschrieb Annette Mühl, mit etwas Ironie, die Situation jedes Menschen: „Man kann sich wohl vor allem drücken, nur nicht vor dem Tod.“

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