Galerie Tiberus unterstützt krisengeplagte Kunstschaffende / Tüten-Aktion auf dem Wochenmarkt beendet Kleine Kunst, große Wirkung

Ömer Yaprakkiran (von links) zeigt ein Kunstwerk seiner Frau Yesim, daneben Veronika Scherer, Crina Teufel, Antje Weiland (mit dem erworbenen Kunstwerk von Yesim Yaprakkiran) und Tiberius Verman, Galerist und Künstler-Förderer. Foto: lfp

Neu-Isenburg (lfp) – Dass Kunstschaffende eben besonders kreativ sind und dadurch auch „harte Zeiten“, wie jene der Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen, zu meistern verstehen, zeigte in den vergangenen Wochen die Aktion „Kunst und Genuss“ im Rahmen des Neu-Isenburger Wochenmarktes. Der Anstoß hierzu kam von der in Mainz lebenden – und vom Neu-Isenburger Galeristen Tiberius Verman vertretenen – Künstlerin Petra Ehrnsperger. Ihre Idee: originale Werke verschiedener Künstler als Motiv für Einkaufstüten zu gestalten, diese mit lukullischen Genüssen vom Neu-Isenburger Wochenmarkt zu füllen und zu einem Sonderpreis anzubieten.

Besucher des Wochenmarktes konnten eine Kunst-Tüte, dazu noch einen Genuss-Gutschein im Warenwert von 25 Euro, zu einem Preis von 20 Euro erwerben. Die Gutscheine konnten dann bei Feinkost Isoletta, Photo Vinum und Feinkost Kümmerle eingelöst werden. Dabei verzichteten die beteiligten Geschäftsinhaber auf rund 25 Prozent zugunsten der Künstler und Kunden. So gab es einen doppelten Genuss, der Leib und auch die Seele erfreute – und dabei regionale Geschäfte, aber insbesondere die beteiligten Künstler in dieser mit vielen Unwägbarkeiten belasteten Zeit unterstützte.

„Ich war von Anfang an dabei, und kann nur sagen, ohne diese Aktion hätte es ziemlich schlecht um meine Kunst gestanden – ich hätte mir nicht einmal das Material dafür kaufen können“, berichtete Veronika Scherer ganz offen. So konnte sie sich mit dem Erlös aus jeder Wochenendmarkt-Aktion zumindest bis zur nächsten Woche über Wasser halten.

Bald kam mit Yesim Yaprakkiran eine weitere Isenburger Künstlerin dazu und der Ruf dieser Aktion erreichte gar Hannelore Lott, die in Nordspanien lebt. „Sie hat der Lockdown in Spanien besonders hart getroffen und sie hat viele Mails geschrieben und sich bedankt“, schilderte der Galerist Tiberius Verman.

Am Ende waren es sechs Kunstschaffende, die sich an der Aktion „Kunst und Genuss“ beteiligten. Verman sorgte an jedem Wochenmarkt-Samstag für eine „Kunst-Bühne“ an der Bahnhofstraße, um auch bisher „kunstferne“ Marktbesucher zu erreichen. „Es ist erstaunlich, wie viele Menschen an Kunst interessiert sind, aber den Weg nicht in eine Galerie finden. Nicht jeder hat gleich gekauft, aber bei vielen wurde zumindest das Interesse wieder einmal erweckt“, so der Inhaber der Galerie Tiberius. Alle beteiligten Künstler waren mit der Aktion recht zufrieden und hoffen, dass die entstandenen Kontakte sich auch weiterhin im Erwerb von Kunst niederschlagen.

Jetzt, mit Beginn der Sommerferien, ist die Aktion „Kunst und Genuss“ erst einmal beendet – aber die Förderung von lokalen Kunstschaffen durch die Galerie Tiberius wird in einer anderen Form weitergehen. „Wir warten jetzt erst einmal ab, wie sich die Situation mit Corona entwickelt, dann können wir auch besser über ein umsetzbares Konzept reden“, erklärte Tiberius Verman dazu. Ihm schwebt eine ähnliche Aktion in der Adventszeit vor, in der kleine Kunstwerke zu kleinen Preisen als Weihnachtsgeschenke gerne gekauft werden.

Wie man von der kleinen Kunst zu größeren Kunstwerken verführt wird, dafür ist Antje Weiland ein Beispiel. „Mir gefallen die Bilder von Yesim Yaprakkiran, deshalb hatte ich mir eine Kunst-Tüte von ihr gekauft. Heute habe ich ein großes Kunstwerk von ihr in der Galerie gefunden – und auch gleich erworben“, erzählte die in Neu-Isenburg arbeitende Groß-Gerauerin.

Ab sofort läuft aber auch eine Aktion „Künstler-Patenschaft“. Hierbei kann ein Kunstförderer einen Künstler mit selbst festgelegten Monatsbeiträgen unterstützen und erhält am Jahresende dann ein Originalkunstwerk. „Am besten kommt, wer eine solche Patenschaft übernehmen möchte, in meine Galerie, sucht sich einen Künstler aus und legt seine monatlichen Förderbeträge fest – das ist alles“, erklärt der Galerist Tiberius Verman. Die erste Patenschaft ist schon angebahnt, weitere sollen folgen.

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