Zahlreiche Gratulanten machten ihre Aufwartung

Liesel Dörr feiert 100. Geburtstag mit den Neu-Isenburgern

Beim allerletzten Lied des Frauen-Gesangvereins „Liederzweig“, der seine Tätigkeit wegen fehlender Mitglieder aufgeben muss, sang Liesel Dörr noch einmal mit. Bürgermeister Herbert Hunkel hielt das Mikrofon. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, ich würde mal hundert Jahre alt werden, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Jetzt bin ich es – und bestimmt auch ein wenig verrückt“, sagt Liesel Dörr zu ihrem 100. Geburtstag. Den feierte sie nun gemeinsam mit zahlreichen Neu-Isenburgern und Gästen, die ihr ihre Aufwartung machten.

Als Elisabethe Himmelreich wurde sie am Heiligen Abend des 24. Dezembers 1917 in der Löwengasse in Neu-Isenburg geboren. Die Mutter starb bereits sieben Tage nach der Geburt, der Vater war im Krieg. Insbesondere die Oma war es, die das Kind irgendwie „durchbrachte“, wie man damals sagte. In der Folge wurde aus der kleinen Elisabethe die stadtbekannte „Liesel“, die sich schon zu Lebzeiten selbst ein Denkmal gesetzt hat.

Gratulationen wollten nicht abreißen

Zum besonderen Jubeltag hatte der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) Liesel Dörr zu Ehren nicht nur ein Büchlein mit von ihr gesammelten „Sprüchelsche“ herausgebracht, sondern auch zu einem Geburtstagsempfang in das Haus der Vereine eingeladen. Und nicht nur Liesel Dörr war erstaunt, wie viele Isenburger zu ihrer Geburtstagsparty kamen. „Ihr Leit, is des net bald ferddisch“, sagte da schon mal die Liesel ob der schier nicht enden wollenden Reihe von Gratulanten, die ihr ihre Aufwartung machen wollten.

„Was, du bist´s, der Borjemaster, der jetzt sogar Landrat wor´n is“, freute sich Liesel Dörr über die persönlichen Glückwünsche von Oliver Quilling. Der Landrat gab zu, in seiner Amtszeit als Isenburger Stadtoberhaupt immer wieder mal auf die Lebensweisheiten der erfahrenen Liesel zurückgegriffen zu haben. „Wenn man bedenkt, dass Neu-Isenburg jetzt etwas mehr als 300 Jahre alt ist, so hat Liesel Dörr rund ein Drittel dieser Geschichte miterlebt und auch geprägt“, sagte Quilling. Unvergessen für ihn ist die USA-Reise der Kümmler, bei der auch Liesel Dörr dabei war. „Ich bin sicher, sie kann kein Wort Englisch, aber sie hat mit jedem da drüben gebabbelt“, beschrieb er seine Eindrücke.

Hugenottenkreuz als Geburtstagsgeschenk

Bürgermeister Herbert Hunkel, zugleich Vorsitzender des GHK, bezeichnete Liesel Dörr als jemanden, der den Herausforderungen des Lebens die Stirn geboten hat. „Immer wenn man die Liesel getroffen hat, war sie gut drauf, hat nie geklagt und hatte immer einen passenden Spruch auf den Lippen“, beschrieb Hunkel den Charakter des Geburtstagskinds. Als Beispiel zitierte das Stadtoberhaupt einen Spruch, den ihr der damalige Pfarrer Schilling am 27. Oktober 1931 in das Poesiealbum schrieb: „Man kann nicht jeden Tag etwas Großes tun, aber etwas Gutes“. Auch danach hat Liesel Dörr gehandelt.

Hunkel hatte noch eine besondere Zukunftsperspektive für das Geburtstagskind. „In Neu-Isenburg gibt es fünf Damen, die über hundert Jahre alt sind – unter ihnen bist du die Jüngste“, so Hunkel unter großem Beifall der Gäste. Als besonderes Geburtstagsgeschenk überreichte er der Jubilarin das Hugenottenkreuz.

Letzter Auftritt des Liederzweigs

Siegfried Roet, Vorsitzender des Sängerkreises Offenbach, zeichnete Liesel Dörr für ihre sagenhaft lange Mitgliedschaft von 80 Jahren aus und Karl-Heinz Groh, Vorsitzender der TSG Neu-Isenburg, gar für 88 Jahre. Andreas Thiele, Herausgeber des Gedicht- und Poesiebandes zu Dörrs 100. Geburtstag, wies noch einmal auf die Besonderheit des Kulturgutes der gesammelten Sprüche, Gedichte und Poesie-Seiten hin, die Liesel Dörr für die Nachwelt erhalten hat.

Und dann sang noch ein letztes Mal der von Liesel Dörr mitbegründete Frauenchor unter der Leitung der jungen Amelie Brückner – und Liesel Dörr summte leise beim „Freu Dich über jede Stunde“ mit. Beim allerletzten Lied wollte sie aber noch einmal mitten unter den Sängerinnen sein und das irische Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“ selbst mitsingen.

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