Erstaufnahmeeinrichtung in der alten Druckerei in der Rathenaustraße schließt

Neu-Isenburg wünscht Flüchtlingen alles Gute

Das Plakat mit Unterschriften aller Flüchtlinge, die in der Neu-Isenburger Erstaufnahmeeinrichtung zu Gast waren, soll bald im Rathaus hängen. Fotos: col

Neu-Isenburg (col) – Nach neuen Monaten Erstaufnahmeeinrichtung in Neu-Isenburg schließen sich die Tore der alten Druckerei in der Rathenaustraße. Das Land Hessen macht rund ein Drittel ihrer Flüchtlingseinrichtungen dicht und so mussten auch die in Neu-Isenburg untergebrachten Leute nach Frankfurt in das alte Neckermann Gelände umziehen. So ganz sang- und klanglos wollte die Stadt Neu-Isenburg die Ära Notunterkunft in ihrer Stadt doch nicht ausklingen lassen.

Bürgermeister Herbert Hunkel hatte Flüchtlinge und Ehrenamtliche zum großen Abschiedsfest eingeladen. Es gab Kaffee und Kuchen für alle und Hunkel nutzte die Gelegenheit den Neu-Isenburgern Danke zu sagen. „Sie haben ihr Herz geöffnet und eine Willkommenskultur gepflegt, die vorbildlich war“, bedankte sich Hunkel. Den Schützlingen aus dem Camp wünschte der Rathauschef viel Erfolg für die Zukunft „Es war für uns sehr bewegend sie aufzunehmen. Sie kamen schon als Freunde und gehen jetzt auch als Freunde.“ Als Geschenk hatte Hunkel für alle – Flüchtlinge und Helfer – T-Shirts zur Erinnerung mitgebracht. Er wurde ebenfalls überrascht, mit einem großen „Thank you Neu-Isenburg“ Plakat mit allen Unterschriften – das soll künftig im Rathaus hängen. Lob gab es zum Abschied auch von Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid, die aus Darmstadt zu dem Fest gekommen war. Sie werde die Hilfsbereitschaft in Neu-Isenburg und das große ehrenamtliche Engagement der Bürger in besonderer Erinnerung behalten – dies sei nicht selbstverständlich.

Am Montagmorgen um neun ist es dann aber doch so weit, die Bewohner haben ihr Gepäck vor der großen Halle abgestellt und der erste Bus rollt an. Alles ist sehr gut organisiert. Jede Familie weiß, in welchem Bus sie mitfahren soll, alles ist ausführlich auf Listen vermerkt. Es ist Zeit zum Abschied nehmen. Die Mitarbeiter laden die Lunch-Pakete in das Fahrzeug. Die Männer transportieren die Gepäckstücke an den Anhänger. Taschen und Koffer werden ordentlich gestapelt, damit auch alles reinpasst. Für Amaniel Makros ein trauriger Moment. „Ich mag Neu-Isenburg und wäre gerne hier geblieben“, sagt der 27 Jahre alte Ertriäer. Er komme selbst vom Dorf und scheue ein wenig die Großstadt. Frankfurt soll für ihn nur ein kurzer Zwischenstop werden: „Ich hoffe, dass ich schnell weiter transferiert werde, denn ich bin auch schon vier Monate hier.“ Nicht nur für die Menschen im Camp heißt es Koffer packen und Abschied nehmen. Auch den Mitarbeitern fällt das Lebewohl nicht ganz leicht. „Für uns geht heute hier ebenfalls eine Ära zu Ende. Es war ein besonderes Arbeiten, es sind Bindungen entstanden, wir haben viele tolle Menschen kennen gelernt und auch viel zurück bekommen“, sagt Soziologin Anja Kappus mit etwas feuchten Augen. Vor dem Bus gibt es viele herzliche Umarmungen mit den Mitarbeitern, Erinnerungsfotos und unzählige gute Wünsche für die Zukunft. Dann heißt es einsteigen, durch die Scheibe winken die Menschen noch ein letztes Mal, bevor sie sich in Richtung Autobahn aus Neu-Isenburg verabschieden.

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