Schulstunde wie im Jahr 1835 anlässlich der Earth Hour Ruppiger Lehrmeister im Kerzenschein

Werner Stahl als Lehrer in der Französischen Schule und Iris Hess als seine Schwester (mit Holzkorb) nahmen Anmeldungen für Schulkinder – wie damals im Jahr 1835 bei Kerzenschein und ohne elektrisches Licht. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – Wie war es damals, so um 1835 in Neu-Isenburg, als es noch kein elektrisches Licht auf den Straßen und in den Häusern der kleinen Hugenottenstadt gab? Wie ging es vor allem in der Schule während der dunklen Jahreszeit zu? Im Rahmen der weltweiten Earth Hour, an der sich Neu-Isenburg mit einer Sonderausstellung im Foyer des Rathauses beteiligte, gab es zudem ein interessantes Live-Projekt: Eine „Lehrstunde“ zur Anmeldung von Schulkindern stand auf dem Plan.

Wer in das „Alte Schulhaus“ wollte, der musste ein paar Scheite Holz mitbringen, damit wurde damals der Bollerofen bestückt, dass es zumindest etwas warm war. Das Holz lag zwar griffbereit in einem Weidenkorb vor der Tür, aber drinnen war jegliches „neuzeitliche“ Licht – insbesondere von Handydisplays – strikt untersagt. Da griff auch die Holzsammlerin (Iris Hess) recht rigoros durch. Und das Fotografieren mit Blitzlicht, das in dieser nur von Kerzenlicht erleuchteten schummrigen Atmosphäre angebracht gewesen wäre, ebenfalls nicht. Also eine Herausforderung für die Fotografen.

Schnell hatte sich der „Klassenraum“ gefüllt und bald spürten die Besucher selbst, wie „dick“ die Luft wurde. Aber so war es halt damals. Der Schulmeister Monsieur Antoine (Werner Stahl) fragte in die Runde der Eltern, wer denn ein Kind für den Schulbesuch anmelden möchte – es waren drei. Dann folgten die Regeln und der Stundenplan. „Hier wird den Kindern hauptsächlich das Lesen und Schreiben beigebracht, damit sie die Bibel lesen und die Liedtexte im Gottesdienst mitsingen können“, erklärte der gestrenge Lehrer. Auf dem Stundenplan stand meist „biblische Geschichte“, hin und wieder Rechnen, Lesen und Schreiben.

„Und schickt eure Kinder ordentlich gewaschen und gekämmt und nicht wie nasse Füchse in die Schule. Was glaubt ihr, wie das hier stinkt, bei sechs Klassen mit insgesamt 35 Kindern in einem Raum?“, sprach der Schulmeister. „Und wenn einer Fisimatenten macht – da sitzt meine Mutter (Margarethe Ullrich) mit dem Weidenstock, mit dem gibt’s was auf die Finger oder den nackten Arsch!“

Erschien damals ein Kind nicht und der Doktor hatte keinen Krankenschein ausgestellt, dann waren von den Eltern für jeden Fehltag drei Heller zu berappen. Damals viel Geld. „Dieses Geld kommt erst mal in die Schulkasse und dann geht das an die Kirche, die kann es gut gebrauchen“, so der Schulmeister. „Nach sechs Jahren könnt ihr eure Kinder wieder zurück haben, damit sie zu Hause was schaffen, in der Strumpfwirkerei oder auf dem Feld, Arbeit gibt es ja genug.“

Dann kam eine zögerliche Frage eines Kindes. „Gibt es auch Sport, das habe ich beim Stundenplan nicht gehört?“ „Was? Sport. Was ist das? Hast du das schon mal gehört?“, wandte sich der Schulmeister an seine Frau (Iris Hess) und zeigte sich ziemlich irritiert. „Sowas gibt es nicht an der Schule. Aber wenn du was mit körperlicher Betätigung meinst, dann haben deine Eltern zu Hause bestimmt viele Ideen!“

Da man nach der „Schulanmeldungsstunde“ noch einen Spaziergang zum Spielplatz Luderbach machen wollte, um bei klarem Himmel die glitzernden Sterne beobachten zu können, trug der Überraschungsgast aus Dietzenbach, Almut Krumpholz-Nickel, erst noch eine Sternengeschichte vor. Dann ging es hinaus aus der muffig-warmen Stube in die kühle klare Nacht, zum Spaziergang in Richtung Bansapark. Und welch ein Glücksgefühl für jene, die mitgekommen waren. Bei wenig Umgebungslicht, fast so wie es damals in ganz Neu-Isenburg war, konnten viele Sterne, ja sogar einige Sternbilder, recht deutlich ausgemacht werden.

Etwas Pech war aber freilich auch dabei, denn eine halbe Stunde zuvor passierte die ISS, aus der der Isenburger Astronaut Thomas Reiter seine Heimatstadt aus 400 Kilometer Höhe fotografierte, im schnellen Tempo den Horizont über Neu-Isenburg. Aber das gab es 1835 ja auch noch nicht.

Die Aktion zur Earth Hour“ war der erste kulturelle Beitrag einer Initiativgruppe, die sich am kommenden Samstag, 7. April, um 18 Uhr in der Bansamühle als „Verein pour Isebourg“ gründen will. Interessenten sind herzlich eingeladen.

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