Kinderbetreuung statt Rock-Konzerte: Berufsmusiker wie Mark Protze müssen umdisponieren Sehnsucht nach der Bühne

Der Neu-Isenburger Musiker Mark Protze hofft, bald wieder vor Publikum spielen zu können. Zurzeit betreut er Kinder im Bildungszentrum Westend. Foto: man

Neu-Isenburg (man) – Freiberufliche Musiker zählen zu denjenigen, die es seit bald einem Vierteljahr besonders schwer haben, Einnahmen zu generieren. Die Konzerte fallen aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen allesamt aus. Immerhin kommt der Musik-Unterricht so langsam wieder ins Rollen. Komponieren geht sowieso fast immer. Der arrivierte Isenburger Rockgitarrist Mark Protze hat gerade seine neueste CD mit dem Titel „Devils Dancer“ veröffentlicht. Der gebürtige Niedersachse erzählt, wie er trotz Krise über die Runden kommt.

Normalerweise leitet Protze die Gitarren-AG. Jetzt betreut er im Bildungszentrum Westend Kinder, deren Eltern einen systemrelevanten Job ausüben – Kinder von Ärzten, Krankenpflegern, Kassierern im Supermarkt und Polizisten. Protze hat Glück, dass die Stadt ihn für seine pädagogische Arbeit weiter voll bezahlt, auch wenn er mangels Masse nur noch drei Mal die Woche erscheint. Normalerweise kommen hier täglich über 200 Kinder vorbei, jetzt sind es weniger als zehn.

Der Hard-Rock-Gitarrist spielt zurzeit nur im stillen Kämmerlein statt vor Tausenden von Fans. Als Protze im November während eines Engagements auf Fuerteventura hoch oben auf einem Kran abendlich die Vorstellungen der „Hard&Heavy“-Partywoche im Robinson Club eröffnete, hätte er sich kaum ausmalen können, „dass dies auf unbestimmte Zeit meine letzten Auftritte sein werden“. Niemand weiß, was einem selbst am nächsten Tag passieren kann, welche Krankheit lauert oder welcher Dachziegel vielleicht trifft. Mit einem Virus, der das öffentliche Leben hierzulande lahmlegt, hatte kaum jemand gerechnet. Die „spanische Grippe“ liegt über hundert Jahre zurück und Ebola weit weg.

Protze erzählt, wie er die meiste Zeit zu Hause verbringt. Seine Privatschüler kann er nur schlecht über Videoschaltungen unterrichten. Die Technik eignet sich nicht für die Übertragung von Musik. Dafür verschickt er Hausaufgaben. Die Ergebnisse lässt er sich senden.

Noch bevor die Maßnahmen losgingen, schloss der 44-Jährige die Arbeiten an seiner aktuellen CD mit dem Titel „Devils Dancer“ ab, die jetzt auf den Markt kam. Bei der elegischen Ouvertüre mit dem Titel „Magic Castle“ spielt Derek Sherinian das Keyboard. Der US-Amerikaner arbeitete bereits mit Branchengrößen wie Alice Cooper, KISS, Billy Idol oder Dream Theater zusammen. Sherinian übernahm auch für den Song „4 Love and Peace“ den Part an den Tasten, den Protze für die eigene Hochzeit im Frühjahr letzten Jahres komponierte. Wegen seiner Frau Usch Köbe zog es den Musikus von Wolfsburg nach Neu-Isenburg. Die beiden hatten sich 2014 beim Open-Doors-Festival kennen gelernt, wo Protze mit seiner Band Ryffhuntr auftrat. Auch das Festival steht in diesem Jahr im Terminkalender des Gitarristen. Ob Protze und Kollegen tatsächlich auftreten werden, steht noch in den Sternen.

Protze erzählt, seine Gattin – beruflich als Kreative in der Werbebranche unterwegs – arbeite ebenfalls von zu Hause aus, „vom schlechten W-LAN abgesehen, funktioniert das bestens“. Wenn die Partner sich zu beschäftigen wüssten, sei die Enge kein Problem: „Ich übe so viel wie seit meiner Studienzeit nicht mehr.“

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