Von Flüchtlingen gestaltete Bank wird am Sonntag versteigert

Wer sitzt, ist angekommen

Junge Geflüchtete stellten an der Max-Eyth-Schule die Bank gemeinsam in über 100 Arbeitsstunden her. Foto: p/Stadt Neu-Isenburg

Neu-Isenburg/Dreieich (red) – Die Heimat verlassen zu müssen, ist ein einschneidendes Erlebnis. Menschen, die sich für eine Flucht aus dem eigenen Land entscheiden, haben oft traumatisierende Erfahrungen hinter sich. Sie sind getrennt von Freunden und Familien, in einem Land, dessen Sprache sie nicht sprechen.

Schüler der Integrationsklasse der Max-Eyth-Schule in Dreieich, die aus Afghanistan, Syrien oder anderen Ländern geflüchtet sind, setzten sich Rahmen eines Unterrichtsprojektes mit der Flucht und Vertreibung der Hugenotten vor über 300 Jahren auseinander.

In dem Projekt planten, bauten und gestalteten die Schüler im berufsvorbereitenden eine Parkbank. Mit der Bank hat es eine besondere Bewandtnis: Wer sitzt, ist nicht mehr unterwegs, ist angekommen. Dieses Gefühl soll die Bank symbolisch ausdrücken. Die Schüler lernten neben handwerklichen und künstlerischen Fertigkeiten viel über die Gründungsgeschichte Neu-Isenburgs: Im Rahmen das Deutsch- und Landeskunde-Unterrichts wurde das Thema der Flucht der Hugenotten aus Frankreich beleuchtet und mit Landkarten der Fluchtweg der Hugenotten rekonstruiert. Im Werkunterricht (Holztechnik) entstanden dann die Gestaltungsideen in Form von Skizzen.

David Distelmann unterrichtet die Integrationsklasse im Fach Holztechnik und hat das Projekt begleitet: „Ich bin froh, mit diesem Projekt zeigen zu können, was für ein Potential in den jungen Menschen steckt und welche Chance für unser Land darin besteht, diese zum Großteil hochmotivierten jungen Menschen in unsere Gesellschaft einzubinden. Meine Erfahrungen zeigen, dass die Schüler aufgrund ihrer eigenen, zum Großteil dramatischen Erfahrungen, eine sehr hohe Motivation haben, sich in diesem Projekt aktiv und produktiv einzubringen. Dies zeigt ihnen unter anderem, dass Zuwanderung in Deutschland schon immer stattfand und eine Bereicherung für das Land darstellt.“

In die künstlerische Gestaltung der Bank ist das Design des Hugenotten- und Waldenserpfads und ein Kartenausschnitt eingeflossen. Die Jugendlichen haben aber ihre eigenen Migrationsgeschichten ebenfalls malend einfließen lassen.

Die Bank soll als einer der Höhepunkte des Fokusprojektes „Auf dem Weg“,

einer Wander-Kultur-Sternfahrt nach Neu-Isenburg am kommenden Sonntag, 24. Juli, um 14 Uhr, auf dem Marktplatz im Alten Ort, versteigert werden. Der Erlös der Bankversteigerung geht an den gemeinnützigen Verein Hugenotten- und Waldenserpfad und an die Projektarbeit der Max-Eyth-Schule.

Weitere Artikelbilder

Noch keine Bewertungen vorhanden
Anzeige
Anzeige

Neueste Kommentare

Locker, flockig – und eine tiefe Zäsur in Rodgau
6 Wochen 11 Stunden
Musical „Cats“ spielt in der Alten Oper
7 Wochen 2 Tage
Künstlerin Michaela Heidlas-May und ihr Atelier …
9 Wochen 1 Tag