Beim Herbstsalon zeigen Künstler ihre Werke Ein Torso aus Buchenholz

Im Atelier von Florian Piel und Irmgard Gürtler-Piel gibt es Kunst zum Anfassen und Anschauen. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – Im Gebäude der ehemaligen Möbelfabrik Gessmann in der Ludwigstraße 39 herrscht seit ein paar Jahren wieder richtiges Leben. Mehrere Kunstschaffende sind dort eingezogen, haben sich ihre Werkstatt oder ihr Atelier eingerichtet, um sowohl im Stillen, aber auch sich gegenseitig befruchtend ihrem Kunstschaffen nachgehen zu können.

Wegen der Adresse Ludwigstraße 39 in der sich seit geraumer Zeit die Künstler angesiedelt haben, hat die Besitzerin Juliane Krahn dem Haus die Adresse „K39“ gegeben. Am Samstagnachmittag hatten viele Ateliers wieder im Rahmen der gemeinsamen Initiative „Herbstsalon“ ihre Türen geöffnet und gaben interessierten Besuchern entsprechende Einblicke in ihr Kunstschaffen.

„Unser Herbstsalon ist eine Hommage an den Künstler und Gründer des ersten Pariser Herbstsalons „Salon d’Automne“ im Petit Palais im Jahre 1903“, erklärt Petra Wenzel, die diesmal für die Pressearbeit zuständig war. Wenzel selbst hat ihr Atelier im Erdgeschoss und zeugt von einer vielfältigen künstlerischen Arbeit. „Derzeit bin ich dabei, meine Mutter zu portraitieren, das ist eine echte Herausforderung, denn das Endergebnis soll ja auch ganz vielen Aspekten gerecht werden“, sagt Petra Wenzel. Ganz stolz ist sie aber auch auf ihre Serie mit Acryl-Pouring-Technik, bei der die Farben künstlerisch zum „verfließen“ gebracht werden.

Einen wahren Sonnenplatz haben Angelika Koch und Uwe Gillig mit ihrem Gemeinschaftsatelier im Erdgeschoss, gleich rechts neben dem Eingang erwischt – zumindest wenn sie sich im Hof an den Tisch in der Sonne setzen. „Hier draußen kann man mit den Besuchern schön philosophieren aber gearbeitet wird drinnen“, sagte der Neu-Isenburger Kulturpreisträger und zeigte auf die scheinbar schwerelos unter der Decke schwebenden 32 kleinen bunten Drachen. Diese hatte Gillig mit Blick auf die nur 36 Jahre Lebensjahre des Komponisten Mozart hergestellt. „Damit wollte ich ihn noch einmal Kind werden lassen, denn er hatte ja keine Kindheit“, erklärte Uwe Gillig. Befestigt hat die Drachen dann aber Angelika Koch mit ganz feinen Nylon-Schnüren an der Decke. Sie selbst beschäftigt sich derzeit mit einer besonderen Art der Aktmalerei. Die Körper sind meist nur schemenhaft in der farblich intensiven Fläche erkennbar.

Über eine enge Treppe, für damalige Verhältnisse völlig normal, geht es hoch ins Atelier zu Irmgard Gürtler-Piel und ihrem Mann Florian Piel. „Ich finde derzeit in der Seidenmalerei meine künstlerische Erbauung, denn da weiß man am Anfang nicht immer, wie das Ergebnis am Ende aussehen wird“, beschreibt Irmgard Gürtler-Piel ihr Kunstschaffen mit Überraschungen. Die Farben werden auf den feuchten Soff aufgetragen und entwickeln sich dann in einem spannenden Prozess selbstständig.

Florian Piel hat sich mehr auf die Bearbeitung von Holz verlegt. „Ich liebe ja bekanntlich das Gestalten von harten Steinen, aber das ist hier schwierig. Dafür ist mein Atelier in der Provence besser geeignet“, sagt Piel und zeigt auf seinen neuesten Torso – aus Buchenholz. Künftig will sich Florian Piel aber mehr der Malerei zuwenden, die ja noch geräuschloser sein soll. Richtig bunt und vielfältig geht es im Atelier von Waltraud Stettin zu. Die praktizierende Kunst-Psychotherapeutin malt nicht nur auf Leinwände, sondern gestaltet auch Stoffe, näht nützliche Utensilien und hatte für die Besucher gar ein „Regenbogen-Puzzle“ parat. „Der Regenbogen ist ein Symbol der Hoffnung und man muss sich schon etwas Zeit nehmen um das Puzzle zusammensetzen zu können“, erklärt Stettin die beruhigende Wirkung in unserer stressigen Zeit. Manchmal sieht die Künstlerin und Psychotherapeutin einen Stoff und weiß genau, was daraus werden soll. So kam sie auch zu ihrem lebhaft-bunten Kleidungsstück, das sie beim fünften Herbstsalon trug. Richtig gemütlich und entspannt erwartet Gerrit Marsen die Besucher in seinem Atelier. Die Szene, die mehr an den „Armen Poeten“ des Malers Spitzweg erinnerte, stand jedoch im Kontrast zu seinem letzten künstlerischen Erfolg. „Ich komme gerade von einer Ausstellung in Wesseling in Südbayern, das sind noch die Reste die dort hängen“, zeigte Gerrit auf Motive im „Kammerformat“, wie er die Größe seiner kleinerformatigen Kunstwerke nennt. Sie alle entstammen seiner letzten Reise nach Kuba, wo er insbesondere von der Buntheit und Intensität der Farben beeindruckt war. Dafür steht als Beispiel ein Triptychon aus drei unterschiedlichen Motiven aber zum gleichen Bezug „Kuba“. Mit dabei war auch noch Norbert Berghof, der ebenfalls seine Tür zum Herbstsalon geöffnet hatte. Der 5. Herbstsalon im Atelierhaus K39 hatte seinem Namen in mehrfacher Hinsicht verdient. Das Wetter war schon zu perfekt und der Einblick in das Kunstschaffen der dort angesiedelten Künstler nicht minder interessant.

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