Gedenken an die Pogromnacht

„Umgang mit Juden zieht lange Blutspur nach sich“

Pfarrer Matthias Loesch (links) steht mit den Besuchern der Gedenkfeier Reichskristallnacht am Versöhnungstor des polnischen Künstlers Maksymilian Biskupski. Foto: Postl

Neu-Isenburg (lfp) – Obwohl es zur Zeit der Nationalsozialisten in Neu-Isenburg keine Synagoge gab, wurden die hier lebenden Juden dennoch von den Schrecken der sogenannten Reichskristallnacht heimgesucht. Während in der Nacht vom 9. Auf den 10. November im ganzen Reich die Scheiben jüdischer Einrichtungen zerschlagen und Synagogen angezündet wurden, war es in Neu-Isenburg ruhig geblieben. Doch die Getreuen des Hitler-Regimes wollten auch in der Hugenottenstadt auf sich aufmerksam machen und nahmen deshalb, eine Nacht später, das Haus für jüdische Frauen und Mädchen ins Visier. Sie versammelten sich an der Ecke Kirchstraße / Frankfurter Straße und marschierten dann in die Zeppelinstraße, um dort gewaltsam in das Haus des Jüdischen Frauenbundes einzudringen.

Alljährlich wird deshalb auch in Neu-Isenburg der Schrecken der Reichspogromnacht gedacht. Am Mahnmal „Versöhnungstor“ des polnischen Künstlers Maksymilian Biskupski, das auf dem Gelände der Marktplatzkirche steht, wird ein Blumenbukett niedergelegt und es findet die erste Gedenkveranstaltung des Abends statt. Eine weitere Kranzniederlegung erfolgt vor dem Neu-Isenburger Rathaus, bevor es zu einer Gedenkveranstaltung in das Bertha Pappenheim-Haus geht. Dort referierte diesmal Noemi Staszewski zum Thema „Leben mit dem Trauma - zur psychosozialen Begleitung von überlebenden der Shoah in Deutschland.

„Dass dieses Mahnmal vor unserer Kirche steht, ist in mehrfacher Hinsicht gut“, so Pfarrer Matthias Loesch. Dabei verwies er auf die besondere Bedeutung des Mahnmals selbst aber auch auf die Bedeutung der Kirche in Bezug auf die „Verfolgung“ von Juden. „Durch die Geschichte des christlichen Glaubens zieht sich ein lange Blutspur, was den Umgang mit Juden betrifft. Auch unsere reformierte Kirche hier, kann sich davon nicht freisprechen“, so Matthias Loesch. In einem Gebet bat er um Vergebung und forderte auch Verantwortung der Verantwortlichen unter dem Dach des Europäischen Hauses, die solch Taten gegenüber der jüdischen Bevölkerung künftig verhindern müssten.