Elegante Gesellschaft feiert „Lange Nacht der Volkshochschulen“ Zeitsprung um 100 Jahre zurück

Die Federboa war beliebtes Accessoire auch beim Team der vhs Neu-Isenburg mit (von links) Sandra Weiner, Birgit Mussler, Gaby Pauleit, Sabine Wershoven (Geschäftsführerin), Petra Weight und Christine Wagner (Vorstandsvorsitzende). Foto: lfp

Neu-Isenburg (lfp) – Das Gebäude der Volkshochschule Neu-Isenburg an der Ecke Bahnhofstraße/ Frankfurter Straße erstrahlte am Freitagabend bis lange in die klare Herbstnacht in besonderem Glanz. Das Licht aus den Fenstern zog Damen in funkelnden Garderoben mit wehenden Boas sowie Herren in Frack und Zylinder an. Das vhs-Areal hatte sich in ein elegantes Etablissement verwandelt: Die Gäste feierten wie die bessere Gesellschaft vor 100 Jahren.

„Aber warum feiern und beschäftigen wir uns eigentlich heute mit dem Jahr 1919 und den Zwanzigerjahren?“, fragte Sabine Wershoven in den Kreis der illustren Gäste. Die Geschäftsführerin der vhs Neu-Isenburg trug ebenfalls aufwendige Garderobe mit Federboas, ebenso wie die Aufsichtsratsvorsitzende Christine Wagner und das gesamte Team der vhs Neu-Isenburg. „Andere aufzufordern, im Stil der Zwanzigerjahre zu kommen und mitzufeiern ist eine Sache, selbst mit bestem Beispiel voran zu gehen eine andere – genau das wollten wir machen“, sagte Christine Wagner. Die Volkshochschule Neu-Isenburg selbst ist zwar erst 26 Jahre jung, aber die Institution „Volkshochschule“ kann in diesem Jahr auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken – und dies wird mit der „Langen Nacht der Volkshochschulen“ im ganzen Land gefeiert.

Die vhs-Geschäftsführerin Sabine Wershoven erinnerte an den Artikel 148 der am 11. August 1919 verabschiedeten Weimarer Verfassung. „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll vom Reich, den Ländern und Gemeinden gefördert werden.“ Die Weimarer Verfassung war ausgerichtet auf gesellschaftlichen Fortschritt, Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Wohlstand sowie kulturelle und nationale Einheit, wenngleich die gesellschaftliche Wirklichkeit damals noch weit davon entfernt war. „Man erhoffte sich aber, diese Vorstellung nicht zuletzt mit Hilfe einer gebildeten Bevölkerung umsetzen zu können“, erklärte Wershoven dazu. „Jeder Deutsche hat unbeschadet seiner persönlichen Freiheit die sittliche Pflicht, seine geistigen und körperlichen Kräfte so zu betätigen, wie es das Wohl der Gesamtheit erfordert“, steht im Artikel 163 Abs. 1 der Weimarer Verfassung. „Folglich war den geistigen Vätern der Weimarer Republik die Förderung des Volksbildungswesen einschließlich der Volkshochschulen so wichtig“, so Sabine Wershoven.

Die Volkshochschulen haben auch heute noch eine nicht minder wichtige Aufgabe. „Unsere Gesellschaft driftet auseinander – umso mehr braucht sie Austausch und Dialog. Denn: sich zu begegnen, unterschiedliche Positionen und Meinungen kennen zu lernen und auch voneinander zu lernen – das schafft Verständnis für einander und fördert das Miteinander-Leben und die Demokratie“, betonte Wershoven. Volkshochschulen sind ein Ort, an dem sich alle Menschen begegnen – unabhängig von ihrem Bildungsgrad, ihrer Herkunft oder ihrem Status. Dies wurde bei der „lange Nacht der Volkshochschulen“ gelebt. Eine Tanzvorführung, ganz im Stil der Zwanzigerjahre, eröffnete den Programmreigen.

Charlotte Lindenberg referierte über „Kunst und Kultur um 1919“, Karin Jolas erläuterte den Filmvortrag zu Trends von 1919 – dazu gab es auch eine entsprechende Modenschau. Die Ausstellung „Leben und Gesellschaft in den Zwanzigerjahren“ zeigte einen weiteren Einblick in die Zeit der Entstehung der Volkshochschulen und die vielen Gäste konnten sich selbst einmal zur „feinen Dame“ oder eleganten Herren umstylen und einkleiden lassen. Im Haus der vhs Neu-Isenburg wurde noch lange und ausgiebig gefeiert – worauf man an den verlorenen Federn aus den Boas schließen konnte.

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