Letztmalige Fristverlängerung für ehemaligen KWU-Türme Abhängig von Frankfurt und Land

Das Schicksal der ehemaligen Kraftwerks-Union-Türme entscheidet sich in den kommenden Wochen. Bild: haesler

Offenbach – Um die Beseitigung eines der schlimmsten Schandflecke der Stadt, die skelettierten ehemaligen KWU-Türme an der Berliner Straße, wird hinter den Kulissen weiterhin gerungen. Wie berichtet, hat die Becken-Gruppe das Areal erworben und beabsichtigt, dort vor allem Studentenwohnungen für das Frankfurter Studierendenwerk zu errichten. Da die Finanzierung von Frankfurt und Land jedoch noch nicht gesichert ist, hat die Hamburger Becken-Gruppe ein Rückgaberecht an den vorigen Eigentümer, die schwer angeschlagene Adler-Immobiliengruppe.

Nachdem die Rückgabefrist bereits im September verlängert wurde, hat Becken, wie unsere Zeitung erfuhr, nun eine letztmalige Fristverlängerung bis Ende Februar beantragt. Diese ist jedoch noch nicht genehmigt. Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) bestätigt diese Gespräche und betont, dass Becken für sein Vorhaben das Vertrauen der Stadt Offenbach besitze. Da „alle Beteiligten von Land und Frankfurt und Studentenwerk sowie weitere private Akteure“ an Bord seien mit dem Ziel, Lösungen zu finden, wäre eine Fristverlängerung zielführend, sagt Schwenke.

Die deutliche Verlängerung der Rücktrittsfrist bis Ende Februar ist auch den politischen Konstellationen geschuldet. Das Vorhaben des Baus von dringend benötigten Studentenwohnungen ist auf die Förderung und Entgegenkommen von Land und Nachbarstadt angewiesen. Aktuell ist jedoch unklar, ob Tarek Al-Wazir (Grüne), der bisher als Wirtschafts- und Wohnungsbauminister das Projekt begleitete, weiter in politischer Verantwortung bleibt, da nach der Landtagswahl die Wahlsiegerin CDU sich noch nicht für einen Koalitionspartner entschieden hat. Während bei einer Fortführung der schwarz-grünen Koalition die bisherigen Verhandlungen Bestand haben dürften, ist das bei einem Bündnis von CDU und SPD mit neuen Akteuren durchaus fraglich. Zumal man sich auch rasch wegen einer verbindlichen Zusage bezüglich der Finanzen bis Ende Februar einig sein müsste.

Die Wohnungsnot für Studenten der Universitäten und Hochschulen der Region ist groß, im Gespräch mit unserer Zeitung berichtete der Leiter des Studierendenwerks von gut 4000 fehlenden Wohnungen. In den KWU-Türmen könnten rund 2000 Wohnungen für Studenten eingerichtet werden. Die Lage des Areals an der S-Bahn-Station bietet sich geradezu für eine solche Nutzung an.

Doch noch hat der zweite wichtige Akteur, die Stadt Frankfurt, nicht entschieden, ob und wie sie das Vorhaben unterstützt. Neben finanzieller Unterstützung für den Bau von Studentenwohnungen gibt es nämlich einen zweiten Stolperstein: die Satzung für Studentenwohnungen. Bisher darf die Warmmiete 350 Euro nicht übersteigen – was aber angesichts der Baukosten von rund 300 Millionen Euro in den KWU-Relikten unrealistisch ist. Über die Satzung müssen die Frankfurter Stadtverordneten entscheiden und dafür gibt es nicht mehr viele Termine: Die nächste Sitzung ist am 14. Dezember, danach stünde noch der 1. Februar zur Verfügung; die Sitzung vom 29. Februar wäre wohl zu spät für eine Einigung. Die gewünschte Fristverlängerung der Becken-Gruppe ist somit notwendig.

Den schlimmsten Fall, nämlich dass Becken vom Kauf zurücktritt und das Areal wieder an Adler fällt, möchte sich in der Stadtpolitik niemand ausmalen. Denn bei der schwer angeschlagenen Gruppe gibt es bundesweit ähnliche Bauruinen...

Von Frank Sommer