Kliniken und Städtische Friedhöfe stellen Grabfeld für totgeborene Kinder auf dem Neuen Friedhof vor Erinnerung an Sternenkinder

Das neue Sternenkinderfeld ist mit einem Leuchtturm versehen, außerdem enthält jedes der einzelnen Grabareals eine Stele, auf der die Eltern für ihr verstorbenes Kind ein Namensschild anbringen lassen können. Foto: SOH/Georg

Offenbach (red) – Auf dem Neuen Friedhof in Offenbach wird bis Anfang 2020 ein weiteres Sternenkinderfeld eröffnet. Sternenkinder werden Kinder genannt, die ohne Lebenszeichen zur Welt kamen. „Der Verlust eines Kindes schmerzt immer, und viele Betroffene suchen nach einer Möglichkeit, Abschied zu nehmen und ihrem verstorbenen Kind eine Ruhestätte zu geben“, erläutert Dr. med. Peter Baier. Der Chefarzt der Frauenklinik am Offenbacher Ketteler Krankenhaus stellte nun gemeinsam mit seinem Kollegen vom Sana Klinikum Offenbach, Prof. Dr. med. Christian Jackisch, und Yvonne Schlaud, Mitarbeiterin der Städtischen Friedhöfen Offenbach, das neue Sternenkinderfeld für nicht bestattungspflichtige totgeborene Kinder vor.

Jackisch betont: „Bereits seit vielen Jahren bieten wir auf dem Neuen Friedhof in der Mühlheimer Straße betroffenen Familien gemeinsam ein Grabfeld an. Es ist uns ein Bedürfnis, den Betroffenen in der Stunde der Trauer helfend zur Seite stehen zu können. Das neue Sternenkinderfeld bietet diese Möglichkeit.“ Das Feld wird erneut getragen von den beiden Offenbacher Krankenhäusern und den Städtsichen Friedhöfen. Das Angebot richtet sich an alle Betroffenen, unabhängig von Konfession oder Herkunft. Es werden keine Bestattungsgebühren erhoben.

Die 500 Quadratmeter umfassende Fläche in der Nähe der zentralen Trauerhalle wird gestaltet mit „Bestattungsinseln“ und einem Leuchtturm als zentraler Skulptur. An einer Basaltstele können Eltern, die ihrem totgeborenen Kind einen Namen gegeben haben, ein entsprechendes Schild anbringen lassen – diese Möglichkeit gab es bisher nicht. „Zum Gedenken an die Allerkleinsten in unserer internationalen Stadt richten wir ihnen einen weiteren Raum ein, unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Kulturkreisen“, betont Offenbachs Bürgermeister und Friedhofsdezernent Peter Freier. Dass den Verantwortlichen das Sternenkinderfeld am Herzen liegt, unterstreicht auch Christian Loose, stellvertretender Leiter des ESO Eigenbetriebs im Geschäftsfeld Stadtservice der Offenbacher Stadtwerke-Gruppe: „Daher hat unser Eigenbetrieb für die Stele und den Leuchtturm rund 4.500 Euro gespendet sowie in Eigenleistung die Wege auf diesem Grabfeld erstellt.“ Den Leuchtturm schuf Steinmetzmeister Martin Mikulas von der Firma „Stefan Schneider – die Steinwerkstatt“ aus abgeräumten und wieder aufgearbeiteten alten Grabsteinen. Als Leuchtfeuer hat er lichtverstärkende Glasfaserstäbe installiert.

Angehörige sind in Deutschland verpflichtet, ihre Verstorbenen bestatten zu lassen. Das gilt jedoch nicht für totgeborene Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm, die vor der 24. Schwangerschaftswoche leblos zur Welt gekommen sind. Wenn Angehörige es möchten, können sie diese Kinder auch mit einer persönlichen Beisetzung bestatten lassen. „Aber nicht alle Familien möchten oder können das – sei es emotional oder auch finanziell“, wissen die Mediziner aus vielen Gesprächen mit Betroffenen. Für solche “Sternenkinder“ hat der Neue Friedhof in Offenbach deshalb schon 2001 in Kooperation mit den beiden Offenbacher Krankenhäusern ein eigenes Grabfeld zur Verfügung gestellt, damit sie hier angemessen gemeinsam beigesetzt werden können. Rund 250 totgeborene Kinder werden so jährlich in Offenbach bestattet.

Alle drei Monate findet eine gemeinsame Gedenkfeier in der Trauerhalle des Neuen Friedhofes mit anschließender Beisetzung statt, in der Regel an jedem ersten Dienstag eines Quartals, also im Januar, April, Juli und Oktober. Die Beisetzungsfeiern werden von der Krankenhausseelsorge Offenbach gestaltet. Sie beginnen jeweils um 14 Uhr. „Sollte der Tag auf einen Feiertag fallen, verschiebt sich die Bestattung um eine Woche“, sagt Pfarrerin Angelika Habicht-Preis. Sie ist Seelsorgerin am Sana Klinikum Offenbach und begleitet gemeinsam mit Diakon Bernhard Brantzen viele der Beisetzungsfeiern. „Wir möchten die Trauerarbeit und das Bedürfnis zu gedenken unterstützen, unabhängig von einer Religionszugehörigkeit. Uns ist wichtig, den Kindern eine Ruhestätte und den Familien einen Ort des Gedenkens und der Begegnung zu ermöglichen“, erklärt sie. Weitere Informationen, auch, wie man für das Projekt spenden kann, stehen auf den Webseiten der beteiligten Kliniken sowie auf www.offenbach.de/friedhoefe/.

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