Fest der Bieberer Vereine auf dem Ostendplatz Erinnerungen an Fußball-Erfolge bei Äppler aus der Gießkanne

Trotz der heißen Temperaturen füllt sich der Ostendplatz bereits am frühen Abend zügig. Fotos: Mangold

Offenbach (man) – Bieber gehört zwar schon seit 1938 zu Offenbach, doch in dem Stadtteil schlägt immer noch der eigene Puls. Auf dem Ostendplatz an der Seligenstädter Straße feiert die Interessengemeinschaft Bieberer Vereine (IG BOV) seit 29 Jahren ihr zweitägiges Fest. Zum Startschuss am Freitag haben der Vorsitzende Georg Wagner und seine Stellvertreterin Roswitha Schell mittags noch Bedenken, die Veranstaltung könnte bei Temperaturen um die 40 Grad noch schleppend beginnen. Aber die Angst erweist sich als unbegründet. Bereits gegen halb acht ist es gar nicht mehr so leicht, einen Platz zu finden.

Da spielt längst der Musikverein Eintracht Offenbach unter Florian Seemanns Leitung Liedgut wie „Smoke on the Water“. Die meisten der Vereine, die einen der neun Stände betreiben, sind schon seit Jahren mit von der Partie, so wie die Musiker, die neben ihrer Bühne Brezeln verkaufen.

Der Kleingärtnerverein Ost 1919 verkauft Getränke und brutzelt Mühlen- und Feuerrädchen aus der Mühlheimer Altstadtmetzgerei Schmidt. Hans-Peter Meier, der vor zehn Jahren den Vorsitz übernahm, erzählt am Rande, wie es sich immer schwerer gestaltet, im Kleingärtnerverein so etwas wie ein Gemeinschaftsleben zu organisieren. Nachwuchsprobleme habe man eigentlich nicht. Etliche junge Familien pachteten Parzellen. Die igelten sich jedoch am liebsten ein, „bepflanzen ihre Grenzen so, dass bald niemand mehr reinschauen kann.“ Ähnliche Formen beobachte er auch bei Auszubildenden im Betrieb, „viele verbringen ihre Feierabende und Wochenenden offensichtlich nur vor dem Computer.“

Das kann für die Jungs von FC Germania Bieber 1901 nicht zutreffen, die müssen schließlich zum Training, um an den Wochenenden in der Kreisoberliga vernünftig kicken zu können. Heute braten sie sich gut verkaufende Hamburger und zapfen bayerisches Klosterbier.

Der Fußball lebt von der Erinnerung, vom Mythos um Spieler, Spiele und die Meisterschaft entscheidende Momente. Der Geschäftsführer Hans-Peter Keller erzählt von der Historie des Vereins, von Zeiten, als die Germania mit dem FSV, der Eintracht und den Kickers um Punkte in einer Liga kickte. Keller, der ein Archiv mitverantwortet, das sämtliche Ergebnisse des Vereins der ersten 17 Jahren nach der Gründung erfasst, notierte bei Wikipedia auch das 2:1 der Germania von 1928 gegen die Kickers, vor 8.000 Zuschauern im einen Ligaspiel. Heute sehe er seinen Verein, „als kleinen Bruder des OFC“.

Die „Hard’n’Heavy Freunde Offenbach“, seit Jahren beim Mainuferfest präsent, treten zum ersten Mal auf dem Ostendplatz auf. Die Freunde des gepflegten Heavy Metal verkaufen unter anderem Gießkannen mit zwei Litern Äppler als Inhalt. „Bembel werden zu oft geklaut“, erklärt der Vizevorsitzende Marc Kremser die Gefäßvariante.

Am selben Stand holt sich Freddy Schultheis eine Flasche Mineralwasser, der Mann, der für die Epoche steht, als Kickers Offenbach zur Beletage des bundesdeutschen Fußballs gehörte, als der OFC nach dramatischen 120 Minuten im Berliner Olympiastation 1959 das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft mit 3:5 gegen die Frankfurter Eintracht verlor. Bis heute lebt der 83-Jährige, den die Bild-Zeitung damals „Riese Schultheis“ taufte, mit seiner Frau Renate in Bieber. Nach wie vor lässt sich der einstige Spitzenverteidiger, der gegen Spieler wie Fritz Walther, Sepp Maier oder Eusébio auf dem Platz stand, kein Spiel der mittlerweile viertklassigen Kickers entgehen. Nach den Eindrücken aus Training und Testspielen hat der sonst eher skeptische Freddy Schultheis ein gutes Gefühl für die neue Saison, „die wirken frisch und wollen unbedingt den Ball“.

Der gelernte Feintäschner erzählt, wie er zu den damaligen Halbprofizeiten die Tochter seines Arbeitgeber fragte, ob sie Lust habe, einmal ins Stadion zu kommen. Damals lief Schultheis am 17. August 1958 zum Saisonauftakt mit den Kickers gegen die Eintracht auf. Die Cheftochter erschien zum Derby, das 1:1 endete. „Ich dachte, ich schau mir den Zirkus mal an“, sagt Renate Schultheis heute lachend.

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