Frontalangriff aufs Zwerchfell Gala-Sitzung der Ranzengarde Bürgel wird zum närrischen Ereignis

Die Raga-Röchler sorgten mit ihren Liedern während der Gala-Sitzung der Ranzengarde für tolle Stimmung. Foto: Georg

Offenbach (hhr) – Mit zwei Gala-Sitzungen hat die Ranzengarde Bürgel im Bürgerhaus Rumpenheim die heiße Phase ihrer Fastnacht eingeläutet. Auch der Vereinsnachwuchs bot in seiner Jugendsitzung an gleicher Stätte dem Frohsinn und Humor eine Plattform. Das vergnügliche Geschehen verfolgte im inzwischen zweiten Jahr seiner Regentschaft vom Thron herab das Kinderprinzenpaar Niklas I. und Annika I. von Burgilla mit Hofdame Celine und Mohr Keanu. Das Publikum ließ sich dank eines rund fünfstündigen Programms vortrefflich unterhalten. Es reihte sich ein Höhepunkt an den nächsten: toll choreografierte Schautänze, protokollarische Auftritte, geschliffene Vorträge und jede Menge Stimmungslieder.

Gepflegte Fastnachtsunterhaltung präsentierten zu Beginn die Tugendbolde des MCC aus Nackenheim. „Wir bauen euch die Mainzelbahn“ versprach das Ensemble und unternahm mit der bunt kostümierten Narrenschar im Saal eine schwungvolle musikalische Sonderfahrt durch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Witz, Natürlichkeit und Authentizität kennzeichneten den Auftritt von Entertainer Andy Ost aus Stockstadt. Er parodierte bei seinem frontalen Angriff aufs Zwerchfell des Publikums in der ihm eigenen Art unter anderem Größen der Unterhaltungsszene, zum Beispiel Eros Ramazzotti und Robbie Williams.

Mit reichlich Lokalkolorit und allerlei Seitenhieben auf die Oberen rückten der 1. Vorsitzende der Raga Tobias Stephan als Gardetrommler und an seiner Seite Dagmar Winter als Marktfrau dem Publikum auf die Pelle und ließen das Jahr 2015 ironisch Revue passieren. Kein Blatt vor den Mund nahm auch Ursula Steinbacher, die in Person der rüstigen Rentnerin Oma Lenchen alias Helene Rump Alltägliches aus der zweiten Hälfte ihrer besten Jahre ausplauderte.

„Ist dir ein Dialog entflogen, erstmal den Philologen frogen“ dozierte Thomas Hartmann als Professor der Babbelogie und schob den Gästen manch ungeschliffenes Wort in die Gehörgänge. Wer hätte schon gewusst, dass in der Sprache Pubertierender eine Banküberweisung „Krötenwanderung“ heißt und das Kürzel AfD auch als „Ansammlung für Dummbeutel“ durchgehen kann. Jede Menge Bein zeigten die temperamentvollen Raga-Tanzmädchen zu Füßen des Elferrats und seines Sitzungspräsidenten Wolfgang Zühlke bei ihren flotten Showdarbietungen.

Überhaupt bewies der Berjeler Traditionsverein, dass in seinen Reihen jede Menge Potenzial steckt. Flott lenkte die ungestüme Jugend ihren Partybus voller Lieder durch die Musikjahrzehnte. In prächtigen Kostümen glänzten die Raga-Mädchen unter Leitung von Ursula Latzke mit einer fulminanten Performance aus dem Musical „Tanz der Vampire“ und forderten eine Zugabe geradezu heraus. Sogar die Jüngsten wussten tänzerisch zu überzeugen.

Aus der Stadtkasse gab es nichts zu holen

Zur Halbzeit des Programms nahmen kesse Elfen die Plätze der Ratsherrlichkeiten ein, einzig der Sitzungschef durfte in ihrer Mitte verbleiben. Nach der Pause war zunächst die Dance Company der Turnerschaft Klein-Krotzenburg zu erleben, worauf sich eine Saloon-Öffnung durch das von Dagmar Winter choreografierte Herrenballett anschloss. Es beantwortete die Frage „Wo sind all die Indianer hin?“ mit einer gekonnt aus der Hüfte abgefeuerten Wildwest-Schau.

Das immer wieder mitschunkelnde Publikum hieß dann ihre Tollitäten Michael I. und Simone Andrea I. nebst Gefolge willkommen. Lederaniens Prinzenpaar unterstrich seinen Regentschaftsanspruch bis Aschermittwoch dadurch, dass man das Rathaus am Wochenende erfolgreich erstürmt hatte, gleichwohl aus der klammen Stadtkasse nichts zu erbeuten war.

Mit jeder Menge Partystimmung im Scheunenambiente und bestens aufgelegten Raga-Röchlern krönte die Ranzengarde ihre beiden Gala-Sitzungen durch tolle Finals. Die Auftretenden zündeten ein brillantes musikalisches Feuerwerk, indem sie in die Rollen beliebter Schlagerinterpreten schlüpften. Folglich feierten, von den lustigen Witwen Waltraud und Mariechen präsentiert, Beatrice Egli und Andrea Berg, Jürgen Drews und Micky Krause sowie DJ Ötzi und Roland Kaiser fröhliche Urständ in Burgillas Musikantenstadl, sogar Udo Lindenberg rockte die Bühne. Im Gegensatz zu dem vom Aus bedrohten TV-Klassiker erwies sich die Berjeler Adaption als derart lebenslustig und beschwingt, dass die Narrenschar bis tief in die winterliche Nacht hinein weiterfeierte.

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