Mädchen-Fußballturnier im Sportpark Gelebte Integration in Offenbach auf dem Platz

Auch wenn am Ende natürlich nicht alle gewinnen können, Spaß am Spiel haben offensichtlich die meisten jungen Kickerinnen, die um den Turniersieg spielen. Foto: Mangold

Offenbach (man) – In früheren Jahrzehnten wäre ein Turnier wie am Sonntag auf den Plätzen des Sana Sportparks am Wiener Ring gegenüber dem Kickers-Stadion auch möglich gewesen, jedoch nur für Jungs. Dass Mädchenmannschaften gegeneinander antreten, das war lange undenkbar. Bis 1970 verbot der DFB den Vereinen sogar, Frauenfußball spielen zu lassen.

Nun traten die Schülerinnen der vierten Klassen von Waldschule, Eichendorffschule, Friedrich-Ebert-Schule, Grundschule Bieber, Anne-Frank Schule, Humboldtschule, Buchhügelschule und Goetheschule gegeneinander an. Alles Teilnehmerinnen von Mädchenfußball-AGs, die Birte Bergener in Offenbach leitet, die Trainerin der Damenmannschaft des hessischen Verbandsligisten TSG Lütter.

Das Turnier organisiert die SG Wiking. Karl-Heinz Mayer, der stellvertretende Jugendleiter, erzählt am Rand von der berechtigten Hoffnung durch einen Tag wie heute die eine oder andere für seinen Club zu werben. Für die SG laufen momentan rund 100 weibliche junge Kicker in Mannschaften von U 8 bis U 16 auf. Erst recht in Offenbach erfüllt der Fußball auch eine integrative Aufgabe. Mayer hält nicht viel davon, dass es in der Stadt etliche Vereine gibt, die keine Jugendmannschaften führen und sich fast ausschließlich aus Vertretern einer Nation zusammensetzen. Mayer erzählt von Offenbacherinnen mit türkischen, arabischen oder pakistanischem Hintergrund im Verein, alles islamische Länder, in denen sich Frauenfußball höchstens in versteckten Nischen abspielt.

Überzeugungsarbeit leisten

Der Wunsch von Mädchen, im Verein zu spielen, stößt in den entsprechenden Familien nicht generell auf Euphorie. Der 50-Jährige, selbst Vater einer Tochter, erzählt, es lohne sich durchaus, bei den Eltern Überzeugungsarbeit zu leisten, „das hilft ungemein, deren Ängste abzubauen“. Integration sei ohnehin keine Einbahnstraße, betont Mayer. Er selbst habe durch die muslimischen Spielerinnen einiges über deren Kultur erfahren, „das ich vorher einfach nicht wusste“.

Trainer Thorsten Klüsche (50) erzählt, jemand habe gerade mit ihm gesprochen und konstatiert, die SG Wiking stehe als Verein „für gelebte Integration“. Klüsche geht einen Schritt weiter, „für uns ist das gelebte Realität“. Für Florina Hasani liegt die Wahrheit auf dem Platz. Die 19-Jähirge schaut sich die Passübungen der Grundschülerinnen auf einem Nebenfeld an. Hasani kickte bis zur B-Jungend als rechte Verteidigerin bei den Jungs des BSC Offenbach, „ich war sogar Kapitänin“. Mittlerweile gehört die Studentin der Sportwissenschaften der SG Wiking an. Die 19-Jährige leitet an der Rudolf-Koch-Schule eine Fußball-AG, auf demselben Gymnasium, auf dem sie selbst vor kurzem noch die Bank drückte.

Überraschung zum Schlusspfiff

Bei den Spielen auf dem Platz lässt sich schnell erkennen, wer im Verein aufläuft. Ein Mädchen aus dem Mix-Team von Humboldt- und Ebertschule tritt die Eckbälle stets hoch und gefährlich hinein. Sie geht für die SG Wiking aufs Feld. Vom Spielfeldrand schauen sich Manfred Ginder, der Leiter der Abteilung Sportmanagement beim Sport- und Kulturamt, und Bürgermeister Peter Schneider die Partien an, die über je 12 Minuten gehen.

Am Ende stehen das benannte Mix-Team, trainiert von Mehmet Ciftci, und die AG von der Eichendorffschule im Finale, betreut von Birte Bergener. Wie bei den Großen gilt auch hier: Mehr Ballbesitz muss nicht heißen, dass man die Partie zwangsläufig gewinnt. Quasi mit dem Schlusspfiff fahren die Eichendorff-Schülerinnen einen Konter, den Tanja Ennaji unhaltbar zum 1:0 ins Eck knallt.

Medaillen für alle

Medaillen bekommen alle. Judith Jochim, kommissarische Leiterin der Kinderklinik am Sana Klinikum Offenbach, übergibt zum Schluss den Sieger-Pokal. Das Krankenhaus spendierte die Trikots.

 

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