Keine Spur von Traurigkeit

Kolpingelfer feiern zum letzten Mal Fastnacht an der Luisenstraße

Brigitte Laudert (links) und Ruth Becker wissen, dass Glück hat, wer das Pech nicht bemerkt. Foto: Mangold

Offenbach (man) – Bald fällt hier der Hammer. Genauer gesagt: Die Abrissbirne schlägt zu. Dann wird das 1954 eingeweihte Domizil der Kolpingfamilie an der Luisenstraße Wohnhäusern weichen. Die Kolpingelfer trafen sich hier am Samstag folglich zum letzten Mal zur Fremdensitzung. Von Traurigkeit dennoch keine Spur: Der Saal war rappelvoll, die Laune ruckzuck obenauf.

Zu Beginn versammelte sich eine illustre Truppe auf der Bühne. Die „Elferfrauen der Kolpingelfer“ trugen ihre Rollen in präzisen Rhythmen vor. Auf den Limerick „Nimm den Bügel, greif den Mantel, häng’ den Lumpen auf“, baute sich etwa „nimm den Orden, häng’ ihn um, Küsschen rechts und links“ auf. Heraus kam ein Kanon-Sprechsound – eine erfrischende Idee.

Den Hessen liegt das Stoffelige. Das untermauerten auch Marcel Rupp und Michael Weimer, die sich im Anschluss an das „Wolle mer se reinlasse?“ des Sitzungspräsidenten Roland Wernig als „Fraa Babbisch“ und „Fraa Strubbisch“ präsentierten. „Sexuelle Kontakte habe ich nur noch in meiner Firma“, konstatierte Frau Babbisch. Sicher nicht ideal, aber besser als Enthaltsamkeit. Der Haken: „Ich bin eine Ich-AG.“

Zwischendurch erschien das Prinzenpaar, Dagmar Winter und Horst Weikum, samt Entourage. Dagmar I. deutete an, ihren Lebensgefährten Horst II. einst, von Vorurteilen beeinflusst, skeptisch beäugt zu haben. Einem Fußballspieler hatte sie nicht sonderlich viel Eloquenz zugetraut. An der mangelt es auch Dagmar Winters Sohn Maximilian nicht. Der trägt in der Kampagne solo in der Bütt vor. Maxi gab sich als Bub, der gerade eine schwere Phase durchlebt, „daheim muss ich hungern und friere, die habbe Starallüre“. Keine verwegene Spekulation: Irgendwann übernimmt Maxi Winter selbst die Prinzenrolle.

Jürgen Kofink war zwar anwesend, musste sich als Protokoller allerdings von seiner Tochter vertreten lassen. Nach zwei Wochen Grippe war seine Stimme noch im Keller. Bianca Kofink meisterte die Vertretung glänzend. Sie erinnerte an Jogi Löws Kicker und daran, dass Italiener und Holländer die WM nur am Fernseher sehen dürfen: „Qualifikationsspiele, des is richtig, nur könne muss man’s, des is wichtig.“

Die „Icebreakers“ von der Stadtgarde ließen unter Stefan Wolf mit „Völlig losgelöst von der Erde“ bei manchen die Gefühle aus der Jugend wieder aufleben. So gut wie niemand blieb sitzen. Elferpräsident Thorsten Haag, Paul Stenzel und Stefan Weisrock touren schon seit Jahren als „Randstaajodler“ durch die Fastnacht. Die Offenbacher sangen vielen im Saal aus der Seele: „Auch Verwandte sind Menschen: Man freut sich, wenn se komme, und is glücklich, wenn se wieder gehen.“

Die Prinzengarde des TSC Bimmbär 1973 Dreieich gefiel tänzerisch. Zum Club gehört auch die akrobatische Solistin Franziska Schubert. Geschmeidig musizierte die Sitzungskapelle „Eichholzer & Band“ von Nummer zu Nummer die Übergänge. Was das Korz-Lang-Fett-Quartett aus Klein-Krotzenburg intonierte, versprach ein langes Wohlergehen. Alles bleibt gut, „solange uns der Wein noch schmeckt“. Wolfgang Braun berichtete vom Pool-Gespräch mit einem Mann während der Kur. Der Kollege erklärte, beim Urinieren stets Schmerzen zu verspüren, „in dem warmen Wasser läuft es aber richtig gut“.

Philosophisch definierten Ruth Becker und Brigitte Laudert als Duo „Die Zwaa Aale“ einen diffizilen Begriff: „Glück bedeutet, das Pech nicht zu bemerken.“ Für die „Heulsuse“ (Eberhard Wernig) fiel diese Option allerdings flach. Auf Vereinsausflügen müsse immer er die Gruppenbilder knipsen: „Schon als Kind war ich so hässlich. Meine Eltern ham mich beim Schrottwichteln gewonnen.“

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