Fastnachtssitzung der Kolpingelfer gelingt auch in neuem Domizil Kolpinggeist legt gerne die Rolltreppen lahm

Gelegenheit zum Mitsingen gab es während der Sitzung der Kolpingelfer zur Genüge. Fotos: man

Offenbach (man) – Ganz so cool konnten sie im Vorfeld nicht bleiben, die Macher der Fastnachtssitzung der Kolpingelfer. „Wird es denn so schön wie früher werden?“, lautete die bange Frage – schließlich war man länger als ein halbes Jahrhundert an der Luisenstraße in die Bütt gestiegen, bis die Abrissbirne das Gebäude der Offenbacher Kolping-Familie dem Erdboden gleichgemacht hatte. Keine Spur fader als früher gestaltete sich jedoch die Atmosphäre bei der Sitzungspremiere am Samstag im Gemeindesaal von St. Marien an der Kraffstraße.

Um den Umzug vom Westen in den Osten dreht sich auch die Introduktion des Abends, die Gertrud Kiefer und Günter Rebell mit viel „ach“ und „oh je“ beim Auswickeln von allerhand Zeug gestalten. Auf der Bühne steht eine große Kiste mit der Aufschrift „aal Gelersch“. Als Rebell sie öffnet, blickt eine der einprägsamsten Figuren der Offenbacher Bütten-Welt heraus: Eberhard Wernig, die „Heulsuse“, der tieftraurige Mann mit der Klorolle auf dem Kopf, der in seinen Erzählungen über die Unbilden seines Alltags stets im Refrain „Ich könnt’ schon wieder heule’“ Zuflucht findet. Weil der Mann zum Inventar der Kolpingelfer gehört, verstaute man ihn in der Kiste, was die „Heulsuse“ überraschend gut überstand.

Seinen Hauptauftritt hat Wernig, als es auf Mitternacht zugeht. Danach musizieren die Randstaajodler, die nicht weniger zum Kolpingelfer-Urstamm gehören. Leadsänger Thorsten Haag, auch Vorsitzender der Elfer, überreicht heute Wolfgang Braun eine Ehrentafel zum Jubiläum: „Du standst vor fünfzig Jahren das erste mal in der Bütt, als ich ein halbes Jahr alt war.“ Heute erklärt Braun in seiner ersten Rolle als Ornithologe seinem Helfer Luis Haag aus dem Elferrat die Lebensgewohnheiten von Federvieh, das sich „Narrhalesen“ nennt.

Während seines späteren Erlebnisberichts aus seinem Pilotenleben fragt sich eventuell mancher Zuhörer, wie viel Schutzengel es geben muss, um den Berufsalltag zu überleben. Egal, in welcher Identität Braun in die Bütt steigt, eine Figur taucht immer auf, sein maximal nur seminüchterner Schwager Klaus, der absolut nichts richtig machen kann.

Sitzungspräsident Roland Wernig kündigt auch das Korz-Lang-Fett-Quartett an. Wer präzise zählt, der kommt auf ein Quintett. Der Sänger der Truppe demonstriert, wie es einem Publikum auch möglich ist, ein Lied mitzusingen, das noch niemand kennt. Die Reime kommen wie exakte Vorlagen auf fünf Meter vor dem leeren Tor.

Gut 160 Leute sitzen an den Tischen in dem großzügigen Raum mit den hohen Decken und der hohen Bühne. Zu den emsigen Helfern, die Bier und Brötchen ausgeben, gehört auch Monsignore Hans Blamm, der Priester von St. Marien, dem Sitzungspräsident Roland Wernig zum Geburtstag gratuliert. Wie immer zu großen Anlässen gibt sich das Offenbacher Prinzenpaar mit Prinzessin Melli I. und Andy I. samt samt gewaltiger Entourage die Ehre. Für klassischen Gardetanz sorgt das Quartett Bimbären aus Dreieich. Der Tanz der Elferfrauen besticht durch eine gewitzte Choreografie und eine sympathische Musikauswahl. „Girls, Girls, Girls“ der britischen 70er-Band Sailor klingt viel charmanter als das übliche Techno-Gehämmer.

Mutter Dagmar und Sohn Maxi Winter thematisieren die Tanzstunden und den nahenden Abschlussball des Jungen. Es beginnt gar nicht gut, denn Maxi erzählt, „es machte mir Verdruss, dass ich die Hässlichst nehmen muss“. Später kann er sich verbessern, was einen Nebeneffekt bedingt, der die Mama erfreut: „Der duscht, obwohl nicht Ostern ist!“

Monika Demuth mimt „Moni, den ruhelosen Kolpinggeist“. Der trägt etwa die Schuld daran, wenn die Rolltreppe am Marktplatz über Monate still steht. Das leidige Thema aller S-Bahn-Nutzer streift auch Jürgen Kofink in seinem Jahresprotokoll. Genauso wie die internationale Politik in Sachen Brexit, „mit Sorge blick ich auf die Insel, wegen dem Gewinsel“. Kofinks Resümee: „Europa, das ist richtig, nur könne muss man’s, das ist wichtig.“

Marcel Rupp und Michael Weimer fürchten als „Schneewittchen und die böse Königin“ die Zeit nach dem Dienstende der Bundeskanzlerin: „Die Lücke, die Merkel hinterlässt, die müssen wir noch suchen.“

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