18 Clubs gestalten multikulturelles Offenbacher Wochenende Kulturfest der Nationen

Kulturell eröffnen in diesem Jahr die Kinder des Serbischen Kulturzentrums das Programm folkloristisch. Foto: Mangold

Offenbach (man) – Nur relatives Glück hatten sie mit dem Wetter, die Organisatoren vom Ausländerbeirat. Die veranstalteten an beiden Tagen des Wochenendes auf dem Wilhelmsplatz die 30. Auflage des „Kulturfestes der Nationen“. Auch wenn Abdelkader Rafoud schon einen Fortschritt zum vergangenen Jahr sieht, „da hatte es nur geregnet“, herrscht von Altweibersommer auch diesmal keine Spur.

Abdelkader Rafoud, der seit 40 Jahren im städtischen Ausländerbeirat sitzt und seit 16 Jahren dessen Vorsitz führt, redet zur Eröffnung auf der Bühne im Beisein von Oberbürgermeister Horst Schneider und Vertretern des Beirats dem generellen kommunalen Ausländerwahlrecht das Wort. Zwar dürfen Italiener, Griechen oder Österreicher in Offenbach das Stadtparlament und den Oberbürgermeister wählen, in den Briefkästen von Türken oder Serben steckt hingegen keine Wahlbenachrichtigung, auch wenn sie seit Jahrzehnten in der Stadt leben. Der Grund: Ihre Länder gehören nicht zur Europäischen Union.

Sonst moderiert Waltraud Schäfer von der Geschäftsstelle des Ausländerbeirats das Fest der Nationen. In diesem Jahr fällt sie aus. Rafoud bedankt sich beim Integrationsdezernenten Peter Freier, der mit dem Radio-Moderator Roman Janik Kontakt aufnahm, der am Samstag für Schäfer in die Bresche springt und die Kinder des Serbischen Kulturzentrums als ersten folkloristischen Akt auf die Bühne bittet.

Die meisten Migranten, die seit Jahrzehnten in Offenbach leben, kamen einst in die ehemalige Industriestadt, weil sich die Lebensperspektive in der Heimat aus den unterschiedlichsten Gründen eher trübe denn hoffnungsvoll gestaltete. Muhammad Yaqoob, Mitglied im Ausländerbeirat, erzählt, wie er 1988 im Alter von 23 Jahren von Pakistan nach Deutschland floh. Er gehört zur Ahmadiyya Muslim Jamaat, eine vornehmlich in Pakistan verbreitete islamische Vereinigung, die dort seit 1974 jedoch als unislamisch gilt.

In Deutschland wäre es gesellschaftlich kein Thema, wenn etwa die Evangelische Kirche die Mormonen als unchristliche Vereinigung einstufte. „Für uns hatte das Stigma des Unislamischen aber üble Folgen“, erklärt der IT-Spezialist. Den Ahmadiyya-Gläubigen wurde die Beschäftigung mit dem Koran als Blasphemie ausgelegt, „alleine sich mit „Salam alaikum“ zu begrüßen, kann schon reichen, um im Gefängnis zu laden, weil man sich über den Islam lächerlich mache“. Immer wieder komme es in Pakistan zu Übergriffen. Es reiche das Gerücht, jemand habe Gotteslästerung betrieben, „dass der Mob ihn lyncht“.

Im Jahr 1964 kam der in Belgrad geborene Milorad Milenkovic nach Deutschland, der sich sich bisher dreimal für den serbischen Verein in den Ausländerbeirat wählen ließ. Damals regierte Marschall Tito in Jugoslawien. Nur die ärgsten Pessimisten rechneten damit, dass sich der Vielvölkerstaat noch im gleichen Jahrhundert nach einem Bürgerkrieg wieder auflösen wird. „Ich fühle mich als Serbokroate“, drückt der 77-Jährige, der neun Gedichtbände veröffentlichte, das Grundgefühl vieler ehemaliger Jugoslawen aus.

In diesem Jahr gestalten 18 Clubs das Fest, von der Griechischen Gemeinde über das Bosnische Kulturzentrum bis zu Sara, dem Kurdischen Frauenrat Offenbach. Am Stand des Ausländerbeirats steht Naime Demirezen. Die Frau bekam 2017 den Integrationspreis der Stadt Offenbach verliehen.

Demirezen ist etwa eine der Initiatorinnen des Projekts „Mama lernt deutsch“, außerdem sitzt sie sowohl im städtischen Parteivorstand der SPD, als auch im Ausländerbeirat. Demirezen lobt den Vorsitzenden Abdelkader Rafoud über den grünen Klee, „der leistet die Arbeit für zwei“. Und Rafoud hofft, nach der Einführung eines kommunalen Wahlrechts für alle, „können wir uns vom Ausländer- in Integrationsbeirat umbenennen“.

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