Eine besonderes Kunstwerk ist in der Frankfurter Straße zu sehen Offenbach: Bank soll Aufmerksamkeit auf Apartheid lenken

Oberbürgermeister Horst Schneider (von links), „Bank-Pate“ Matthias Woehl, Filmemacher King Ampaw und Initiator Norbert Biba hinter der Apartheid-Bank in der Frankfurter Straße. Foto: Faure

Offenbach (jf) – Menschen laufen die Frankfurter Straße entlang, einige bleiben stehen: Was ist das denn? Eine Bank, auf der man nicht sitzen darf? Aha, ein Kunstwerk. Steht zumindest drauf.

Ein Teil der Bank ist in dunklem Holz belassen, sieht schon ein bisschen ramponiert aus. Und was steht auf dem Schild? „Rest von Europa“. Die andere Bankhälfte präsentiert sich in nahezu makellosem Weiß. „Nur für Schweizer“ ist auf Messinggrund zu lesen. In der Mitte der Lehne entdeckt der Interessierte ein weiteres kleines Abzeichen; eine stilisierte grüne Bank, deutlich sichtbar die Aufschriften „Europeans only“ und „Apartheidmuseum“.

Norbert Biba engagierte sich in der Anti-Apartheid-Bewegung

Auf der Sitzfläche zwei Fotos, eins zeigt ein weißes Mädchen auf der Bank sitzend, dahinter eine schwarze Frau, die Haare des Mädchens ordnend. Auf dem zweiten Bild ebenfalls ein weißes Mädchen, das wohl gerade auf der Bank saß, davor zwei schwarze Frauen auf der Wiese sitzend. „Die Idee mit der Bank ist schon zehn Jahre alt, der Einfall stammt zur Hälfte von dem irischen Künstler Philip Napier, der eine erste Bank zum Nachdenken in Belfast aufstellte, und zur Hälfte von mir“, erzählt Norbert Biba. Er engagierte sich früher in der Anti-Apartheid-Bewegung, bereiste Südafrika viele Male, lernte den Direktor des Apartheid-Museums in Johannesburg kennen.

Anstoß gab die Volksabstimmung

Dort sah er jene Bank mit der Aufschrift „Whites only/Europeans only“, also die Restriktion, dass diese Bank Weißen beziehungsweise Europäern vorbehalten ist. Die Bank wurde von einer Abschlussklasse der beruflichen Heinrich-Kleyer-Schule in Frankfurt angefertigt. Die Auszubildenden griffen die Idee auf und wandelten sie ab. Den Anstoß dafür gab ihnen die Volksabstimmung in der Schweiz 2013, in denen die Schweizer für ein restriktives Asylgesetz stimmten. Also ist die dunkle, schäbige Seite der Bank dem Rest von Europa zugedacht, die strahlende weiße Seite den Schweizern. Auch eine Auslegung von Apartheid.

Matthias Woehl kümmert sich um die Bank

Nun ist die Bank an ihrem dritten Standort, nämlich in Offenbach, angekommen. In der Frankfurter Straße hat Norbert Biba einen Geschäftspartner gefunden, der sich um sie kümmert: Matthias Woehl, Inhaber von Foto Woehl, sorgt dafür, dass die Bank abends ins Geschäft gestellt wird. „Ich fand das Objekt spannend, es ist ein interessantes Kunstwerk, das zum Nachdenken anregt. Menschen aus allen Altersgruppen bleiben stehen, fotografieren die Bank. Gut ist, dass viele junge Leute sich für das Objekt interessieren.“

Oberbürgermeister Horst Schneider lobt Projekt

Zum offiziellen Termin ist Oberbürgermeister Horst Schneider gekommen: „Ein tolles Projekt. Im multikulturellen Offenbach gab es nie Apartheid, aber Aufklärung darüber ist auch heute noch notwendig. Und ich finde gut, dass sich ein engagierter Einzelhändler um die Bank kümmert.“ Zur kleinen Runde bei diesem Termin gehört auch King Ampaw aus Ghana. Der 1940 Geborene studierte in Potsdam und München, ist Schauspieler, Filmemacher, Produzent. An der Seite von Klaus Kinski ist er im 1987 entstandenen Film „Cobra Verde“ von Werner Herzog zu sehen. Seine Filme wie beispielsweise „No Time to Die“ (2006) liefen auch in deutschen Programmkinos. Zurzeit denkt er mit Freunden über neue Projekte nach. „Nein, in Ghana gab es keine Apartheid“, sagt Ampaw, „aber es ist wichtig, an diese Zeit in Südafrika zu erinnern, auch wenn das über 20 Jahre her ist.“

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