Entwicklungsplan als Reaktion auf voraussichtlichen Bevölkerungszuwachs Offenbach braucht elf neue Kindertagesstätten

Um jährlich rund 2.400 Menschen wächst die Bevölkerung in Offenbach an. Zusätzliche Kita-Plätze werden da dringend benötigt. Foto: dpa

Offenbach (red) – Zehntausend neue Bewohner bis zum Jahr 2030 – das war das angenommene Wachstum der Stadt bei Erstellung des Masterplans 2015, der Projekte und Maßnahmen für das „Offenbach von morgen“ definiert. Bereits jetzt hat die Realität die Prognosen überholt, jährlich wächst die Bevölkerung um rund 2.400 Menschen. Mit der Ausweisung von Baugebieten und Zuzug hält die Entwicklung der Infrastruktur nicht zwangsläufig Schritt. 

Das gilt insbesondere für die Anforderungen junger Familien. Mit dem kürzlich modifizierten Schulentwicklungsplan wurde bereits auf diese Entwicklung reagiert, jetzt hat das Jugendamt analog hierzu den Kindertagesstätten-Entwicklungsplan für den Zeitraum 2018 bis 2022 vorgelegt.

Schon jetzt zeichnet sich ein Bedarf von 472 zusätzlichen Krippen- und 936 Kindergartenplätzen ab. Ähnlich auch die Prognose bei der Hortbetreuung, hier geht der für das Zahlenwerk verantwortliche Jugendhilfeplaner Stefan Heinzmann von 519 fehlenden Plätzen aus. Geplant wird mit einem Geburtenzuwachs von jeweils 70 Kindern für die Jahre 2017 bis 2019. Neben der Geburtenrate galt es, Zuzüge zu berücksichtigen, die sich in den einzelnen Stadtbezirken sehr unterschiedlich auswirken. So ist lediglich der Süden der Stadt ausreichend mit Kindergarten- und auch Hortplätzen versorgt, Lücken gibt es hier bei Krippenplätzen. 95 fehlen bei gleichbleibendem Wachstum der Stadt. Anders sieht dagegen die Lage in den vier anderen regionalen Quartieren aus, in der nördlichen und auch südlichen Innenstadt, im Nordosten und Südosten müssen die entsprechenden Bedarfe nachgehalten werden. Insgesamt elf neue Kindertagesstätten braucht Offenbach nach derzeitigem Stand.

Für die Schutzschirmkommune ist das ein finanzieller Kraftakt. Die Kosten für einen Neubau liegen je nach Ausstattung und Größe bei mehreren Millionen Euro. Hinzu kommt, dass die Stadt kaum noch eigene Liegenschaften besitzt, also Flächen und Gebäude erwerben muss.

Hier sollen Investoren zukünftig stärker mit in die Pflicht genommen werden, zusätzlich hofft der neue Dezernent für das Jugendamt, Bürgermeister Peter Schneider, auch auf das Engagement freier Träger, von denen manche nur auf feste Zusagen der Stadt warten. Denn diese gibt einen Betriebskostenzuschuss. Zu den laufenden Kosten von 71,9 Mio. Euro bis ins Jahr 2023 addieren sich noch Zuschüsse für die Familien, die sich die Kinderbetreuung gar nicht oder nur begrenzt leisten können.

Eine echte Entlastung für den Haushalt der Stadt Offenbach allerdings wäre die vom Land Hessen geplante Beitragsbefreiung für Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintrittsalter von täglich sechs Stunden. „Denn je früher die Kinder in den Kindergarten gehen“, weiß Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, „desto besser kommen sie in der Schule an“. Das gilt besonders für Kinder mit Migrationshintergrund, die dann nachweislich bessere Deutschkenntnisse haben.

Insgesamt ist die Entwicklung überaus positiv, denn inzwischen besuchen 98 Prozent der Kinder einen Kindergarten, bei den U3-Plätzen sind es 45 Prozent und rund 35 Prozent der Grundschüler besuchen einen Hort.

Zwar ist mit der Kooperation zwischen dem für den Betrieb der Kindertagesstätten, Horte und Ganztagsklassen zuständigen Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) und den Schulen eine Ganztagsbetreuung meistens gewährleistet. Dennoch hoffen Schneider und Weiß, dass das Land Hessen auf absehbare Zeit Ganztagsstrukturen bereitstellt, die über die Möglichkeiten des seit zwei Jahren in den Ganztagsklassen-Kitas wirksamen „Pakt für den Nachmittag“ hinausreichen: „Es gibt eine gewisse Dynamik an den Schulen, sodass sich der EKO hier eventuell bald nicht mehr engagieren muss“, erklärt Schneider. Dass es auch hier zu weiteren Engpässen kommt, ist absehbar: Erzieher sind gefragt, der Markt gilt als leergefegt. Schon jetzt können Stellen nicht besetzt werden, „allerdings ist das Problem leider noch nicht in der Politik angekommen“.

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