Täter sprüht Kioskbesitzer Pfefferspray ins Gesicht

Offenbacher Kiosk-Besitzer verjagt Räuber mit Holzlatte

Mit dieser Holzlatte hat Kiosk-Besitzer Farid Nadir den Räuber in die Flucht geschlagen. Foto: kb

Offenbach (kb) – Kiosk-Besitzer werden immer wieder Opfer von Kriminellen, so auch Farid Nadir aus Offenbach. Ein maskierter Räuber attackiert den 62-Jährigen mit Pfefferspray. Doch der Familienvater wehrt sich.

Es ist Mittwochabend, der 17. Januar. Farid Nadir ist allein in seinem Kiosk in der Arndstraße. Seit 21 Jahren arbeitet er hier, 14 Stunden täglich verbringt er zwischen Zigarettenschachteln, Schnapsflaschen und Süßigkeiten. „Ich bin gern hier. Ich mag es, mit Menschen zusammenzusein“, sagt der Pakistaner.

An diesem Abend kommt es anders. Gegen 19.30 Uhr will er am Tresen eine Kleinigkeit essen, als das Türglöckchen klingelt. Farid Nadir lugt hinter den Rubbellosen hervor. Doch ein Kunde ist nicht zu sehen. „Also bin ich aufgestanden und da stand er vor mir“, erinnert sich der 62-Jährige. „Gib Geld“, brüllt der Unbekannte, der eine rosafarbene Motorradmaske trägt. Der Kiosk-Besitzer stutzt. Nicht nur die hohe Stimme, die der Unbekannte durch Zuhalten der Nase zu verfremdet versucht, kommen ihm merkwürdig vor. „Das Gesicht und die Hände waren ganz schmal. Ich dachte sofort, das muss eine Frau sein. Vielleicht auch ein Jugendlicher“, erzählt Nadir. Als der Täter noch einmal „Gib Geld“ ruft, geht Nadir zur Kasse.

Was der Maskierte nicht weiß: Neben dem Regal steht eine 1,50 Meter lange Holzlatte. Die nutzt der Kiosk-Besitzer, um Waren aus den oberen Regalen zu angeln. Farid Nadir zögert. „Ich wollte niemanden schwer verletzen. Ich habe ja selbst Kinder. Die machen mal Dummheiten.“ Doch noch während er überlegt, bekommt der Kiosk-Besitzer eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht – und schlägt zu. Zweimal trifft er den Angreifer mit voller Wucht an der Schulter, ohne Beute stürmt der Maskierte aus dem Laden. Nadir folgt ihm, obwohl er die Augen vor Schmerzen kaum noch öffnen kann. Doch der Unbekannte entkommt per Fahrrad. Farid Nadir ruft die Polizei, ein Krankenwagen bringt ihn wenig später ins Sana-Klinikum, wo Ärzte die Augen spülen und untersuchen. „Es war sehr schmerzhaft. Das Gesicht hat wie Feuer gebrannt.“

Am nächsten Morgen um acht Uhr steht der 62-Jährige wieder in seinem Kiosk. Angst habe er nicht, sagt er. Schon früher, als er bei einer Burger-Kette in Frankfurt arbeitet, wird er viermal überfallen. Als Moslem glaube er ohnehin daran, dass Leben und Tod vorherbestimmt sind. Angst hat Farid Nadir um seine Familie. „Ich bin der Ernährer. Meine Frau und meine Kinder brauchen mich. Wenn ich sterbe, stehen sie vor dem Nichts. Nur weil ein dummer Mensch schnell an Geld kommen will.“ Der Pakistaner hat dafür kein Verständnis. Arbeit, Fleiß und Sparsamkeit sind die Tugenden, die er seinen beiden Töchtern weitergeben will. „Sie studieren. Ich hoffe, sie haben es einmal besser als ich.“ Als er Ende der 70er nach Deutschland kommt, will er Wirtschaftsprüfer werden. Er hat einen Studienabschluss in der Tasche, spricht sechs Sprachen. „Aber es ist eben anders gekommen“, sagt er.

In ein paar Monaten will der 62-Jährige in Rente gehen. Bis dahin steht die Holzlatte neben der Kasse. Noch einmal zuschlagen will Farid Nadir nicht. „Die meisten Menschen in Deutschland sind gut.“

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