Bootshaus ist „Hafen für junge Menschen“ Schul- und Integrationsprojekt der SG Wiking Offenbach ausgezeichnet

Wer im Schulunterricht gut am Ergometer trainiert, kann später auch in ein echtes Boot steigen. Foto: SG Wiking Offenbach

Offenbach (red) – Der SG Wiking Offenbach ist es mit einem gezielten Konzept gelungen, nicht nur Kinder und Jugendliche für den Rudersport zu begeistern, sondern sie auch in den Verein aufzunehmen, was erheblich zur Integration ganzer Familien in Offenbach beiträgt. Dafür wird der Verein 2018 mit einem Anerkennungspreis beim Oddset-Zukunftspreis des hessischen Sports geehrt.

Der bereits zum 14. Mal in Folge gemeinsam von Landessportbund Hessen und Lotto Hessen ausgeschriebene Preis für wegweisende Vereinsarbeit im Sport ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert und gilt als einer der höchstdotierten Sportpreise Deutschlands. Rund 70 Bewerbungen gingen in diesem Jahr ein, 14 wurden mit Platzierungen, Sonder- oder Anerkennungspreisen ausgezeichnet.

Wie begeistert man Kinder in Offenbach für den Rudersport, wenn es bislang so gut wie keine im Verein gibt? Dieser Frage stellte sich die SG Wiking Offenbach vor einigen Jahren. Als Kinder- und Jugendtrainer Demir Türsan im Jahr 2016 zum Verein stieß, entwickelte er ein neues Konzept unter dem Projektnamen „Ein Hafen für junge Menschen: Ankommen, entfalten, gemeinsam wachsen“. Eines der Kernelemente ist die enge Zusammenarbeit zwischen dem Verein und den Schulen in Offenbach: So kommt der Verein in die Sportstunden und bietet dort Training mit seinen Ruder-Ergometern an. Jedes Kind hat so die Möglichkeit, durch einen ausgebildeten Rudertrainer in das Trainingsgerät eingewiesen zu werden und es gleich auszuprobieren. Der Besuch startet im Sportunterricht der Jahrgangsstufe fünf und setzt sich anschließend in den Klassen sechs und sieben fort.

„Die Begeisterung der Kinder hat bislang immer dazu geführt, dass sich fast alle an einem ‚Zeitfahren’ beteiligt haben, mit dem Ziel, einen ‚Klassenachter’ zu bilden“, so Türsan. Die schnellsten Klassenachter treffen sich schließlich jedes Jahr im Bootshaus des Vereins, um im Rahmen der bundesweiten Aktion „Rudersport und Schule – gemeinsam noch stärker“ den schnellsten Klassenachter Offenbachs zu ermitteln. Disco-Ambiente und -Musik gehören dabei dazu und machen den Wettbewerb zu einem besonderen Erlebnis.

3.400 Schüler aus 180 Klassen haben inzwischen auf den Ergometern geübt, mehr als 100 davon konnten in anschließenden Kursen in einem „richtigen Boot“ auf dem Main rudern. 40 von ihnen zählen inzwischen zu den Vereinsmitgliedern und trainieren regelmäßig im Wiking-Bootshaus.

Bei dem Projekt steht jedoch nicht nur die sportliche Betätigung, sondern vor allem auch die nachhaltige Integration der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien in den Verein im Vordergrund. „Gerade in Offenbach mit seiner heterogenen Bevölkerungsstruktur, den vielen Nationen, Sprachen und Kulturen können wir über den Rudersport im Verein eine einende Wirkung erzielen. Die Kinder lernen besser Deutsch, nehmen Rücksicht, entfalten soziale Kompetenz und Respekt füreinander, ganz gleich, woher sie kommen, welches Geschlecht sie haben und woran sie glauben. Das zu beobachten macht einfach Spaß“, so Türsan.

Auch Kinder aus benachteiligten Familien werden im Verein jederzeit offen aufgenommen. „Es wird immer ein Weg gefunden, sie an den Angeboten gleichberechtigt teilnehmen zu lassen“, so Türsan.

Das nächste Projektziel ist, innerhalb von fünf Jahren die Anzahl der Kinder im Verein auf 100 zu steigern und aus ihnen eine Gemeinschaft zu formen. Das jetzt verliehene Preisgeld des Oddset Zukunftspreises in Höhe von 2.000 Euro soll dazu verwendet werden, das notwendige Equipment für ihre Trainingsstunden einsatzfähig zu halten und weitere Ergometer anzuschaffen.

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