Demokratiekonferenz zu EU-Wahl bietet viel Diskussionsstoff Zu sorglos im Netz unterwegs

Ordnungsamtsleiter Frank Weber und Roberta Ferrante (hinten) mit einigen Vertretern des Kinder- und Jugendparlaments Bild: Stadt/Ehrig

Offenbach – Am Sonntag, 9. Juni, werden die Abgeordneten des Europaparlaments neu gewählt. In der Bundesrepublik können fast 65 Millionen Deutsche und weitere Staatsangehörige der Europäischen Union über die Zusammensetzung entscheiden. Erstmals sind auch Minderjährige zur Wahl aufgerufen. Weil 16- und 17-jährige teilnehmen können, hatte die Partnerschaft für Demokratie eingeladen. „Du hast die Wahl“ lautete das Thema im KJK Sandgasse. „Wenn nicht Schule oder Eltern motivieren, interessiert das Thema leider nicht“, kommentierte Ordnungsamtsleiter Frank Weber die überschaubare Resonanz. „Brüssel ist weit weg, und Demokratie wird als etwas Selbstverständliches wahrgenommen. Dabei ist Wahlrecht ein Privileg.“

Demokratie sei Grundlage für ein freies, selbstbestimmtes Leben und eine Gesellschaft, die Unterschiede zulasse. Darüber lohne es sich nachzudenken, findet Weber, und verweist auf Errungenschaften der EU, von denen Kinder- und Jugendliche profitierten: Regeln für Spielzeug, Verpflichtung zum Verzicht auf Weichmacher und andere gesundheitsgefährdende Chemikalien – oder das europaweite Roaming, das Kommunikation zu Inlandstarifen ermöglicht. Zwei Beispiele, die eher abstrakt im EU-Parlament behandelt werden, sich aber im Leben der Menschen zwischen Finnland, Schweden, Spanien, Kroatien und Zypern konkret niederschlagen – als Bestimmungen zum Wohle aller.

Umweltschutz, Sicherheit, Migration, Sozialpolitik, Verbraucherrechte, Wirtschaft, Rechtsstaatlichkeit: Diese Felder betreffen jeden; auch der Datenschutz. Dass es da Aufklärungsbedarf gibt, zeigte die Diskussion, die Sarah Hohmann moderierte. Wenn es um persönliche Daten gehe, herrsche großes Unwissen. Das bestätigte eine Teilnehmerin: Sie sei bisher unbedarft und vertrauensvoll im Netz unterwegs; dass ihre Daten missbraucht werden könnten, sei ihr nicht in den Sinn gekommen.

Im Gegenteil gehe sie davon aus, dass ihre Daten geschützt seien, und habe den Erklärungen beim Herunterladen von Apps bedenkenlos zugestimmt. „Über Cookies habe ich mir noch nie Gedanken gemacht“, sagte eine andere. Ob man nicht zu unbekümmert mit seinen Daten umgehe, fragte wieder eine andere: „Weil wir darauf vertrauen, dass die Gesetze der EU uns schützen.“ Dem stimmten viele zu. Intensiv diskutiert wurde über Künstliche Inteligenz. Da hoffen die Jugendlichen auf EU-Regelungen, da vielen die Gefahr falscher Bilder und Nachrichten bewusst sind. Sie befürchten Fake-News durch Bilder oder Videos, die mit KI erstellt wurden, andere berichteten von Mobbing mittels manipulierter Bilder.

„Spätestens an dieser Stelle sollten sich Jugendliche, die im Internet und in Social-Media unterwegs sind, einmal Gedanken machen“, meint Daniel Krüger von der Geschäftsstelle Kommunale Prävention beim Ordnungsamt der Stadt, „und sich mit dem Wert von Wahlen und der Arbeit des Europäischen Parlaments beschäftigen.
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