Die Behindertenhilfe ist stets auf der Suche nach weiteren Gastfamilien Zwei, die sich gefunden haben

Mehr als eine „Gastfamilie“: Gisela Dobner und Belinda Panunzio, die im begleiteten Wohnen für Familien zusammenleben. Foto: Behindertenhilfe (p)

Offenbach – Die Behindertenhilfe Offenbach wirbt für ein besonderes Projekt: das begleitete Wohnen in Familien. Dabei betreut eine Familie, Lebensgemeinschaft oder Einzelperson einen Menschen mit geistiger Behinderung in der eigenen Wohnung. Und sie zeigt, wie so etwas funktionieren kann. Oft sind es Angehörige, die Menschen mit Behinderung in ihre Familie aufnehmen. Aber auch nicht verwandte Familien können zur „Gastfamilie“ werden, betont die Behindertenhilfe. So wie Gisela Dobner: Sie hat vor acht Jahren Belinda Panunzio aufgenommen. Für beide ein Glücksfall, wie sie betonen.

Der Kontakt entstand über die Kirchengemeinde, die beiden Frauen verstanden sich sofort gut miteinander – und stellten fest, dass sich ihre Leben bereits viele Jahre zuvor gekreuzt hatten und sie sich schon kannten, als Belinda noch ein Kleinkind war. Frau Dobner war gelegentlich zu Besuch in der Familie und Belinda wollte immer zu ihr. Nach dem Tod ihrer Mutter, als es für Belinda sehr schwierig zuhause war, verbrachte sie viel Zeit bei Gisela Dobner: „Ich habe irgendwann im Scherz gesagt, dass ich ja auch einziehen könnte“, erzählt Belinda. „Daraufhin habe ich entgegnet: Warum eigentlich nicht, das wäre doch schön.“, erinnert sich Gisela Dobner.

Anfangs mussten sie viele bürokratische Hürden überwinden. Über den gesetzlichen Betreuer entstand der Kontakt zur Behindertenhilfe. „Endlich war da jemand, der uns unterstützt hat. Erst Frau Giebeler stellte fest, dass unsere Wohnform sogar einen Namen und Unterstützungsangebote hat, nämlich das ‚Begleitete Wohnen in Familien’“, berichtet Gisela Dobner von ihrer damaligen Erleichterung. Für ihre Begleitung von Belinda, die sie bis dahin übernommen hatte, erhielt sie seitdem Betreuungsgeld. Zusätzlich wurden nun anteilig Miete und Lebensunterhalt finanziert und die beiden Frauen erhielten sozialpädadogische Unterstützung von Sonja Giebeler. Sie arbeitet für den Fachdienst der Behindertenhilfe, berät bei Anträgen, begleitet zu Behörden oder unterstützt bei Fragen und Herausforderungen. „Wir wissen: Frau Giebeler ist für uns da, egal was ist.“

Um noch mehr Menschen diese Wohnform anzubieten, ist die Behindertenhilfe auf der Suche nach weiteren Gastfamilien. Denn Sonja Giebeler ist überzeugt: „Diese Wohnform ist für Menschen mit Behinderung toll. Sie leben in einer stabilen Gemeinschaft, nehmen am Alltagsleben der Gastfamilie teil und erlernen dadurch viele Fähigkeiten, die ihnen im Alltag weiterhelfen.“ Auch Belinda erzählt: „Ich habe im Zusammenleben mit Gisela Dobner viel gelernt, zum Beispiel waschen, kochen, backen.“ Mittlerweile backt sie ihrer Gastmutter zum Muttertag jedes Jahr eine Torte.
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