Bürgermeister Roland Kern geht nach 14 Jahren in den Ruhestand „Die Arbeit hat sich sehr sehr gelohnt – ich bin zufrieden“

Roland Kern an seinem Schreibtisch. Am Sonntag wird sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin gewählt. Er übergibt sein Amt im Juni. Foto: Hornberger

Rödermark (cri) – Eines Tages stürzte eine Dame in sein Zimmer, völlig aufgelöst bat sie ihn um Hilfe, erinnert sich der bald aus dem Amt scheidende Bürgermeister Roland Kern im Gespräch mit der StadtPost Rödermark. Sie wedelte mit einem Zehn-Euro-Knöllchen und sagte mit Tränen in den Augen, sie habe doch noch nie etwas mit dem Gericht zu tun gehabt. Und nun das.

Auch wegen dieser vielen intensiven menschlichen Kontakte, blickt Roland Kern gern auf seine 14 Jahre an der Stadtspitze zurück. Es sei eine Ehre gewesen, für die Heimatstadt tätig zu sein.

2005 wählten ihn die Rödermärker an die Stadtspitze. 2011 und 2017 wurde er im Amt bestätigt. 2017 trotz oder wegen seiner Ehrlichkeit zu sagen, dass er nur zwei der sechs Jahre der Wahlperiode Bürgermeister bleiben wolle. Diese Ehrlichkeit honorierten die Wähler.

Doch zurück zu den Anfängen: Was gab es alles nicht, als er das Amt übernahm? Residenz am Badehaus, Franziskushaus, Pflegestift Artemed An der Rodau, Senioren- und Pflegepark, Schiller-Haus, Wilhelm-Thomin-Haus für Behinderte, Liberty-Haus für bewegungseingeschränkte Menschen, Berufsakademie mit Campus, Weidenkirche, Skatepark, Kinder- und Jugendfarm, KiR-Haus, Jägerhaus, Neugestaltung des Marktplatzes und der Ortsdurchfahrt Ober-Roden, Wohnprojekt Odenwaldstraße, Bauten an den Schulen wie die Mensen Trinkborschule und Schule an den Linden, mehrere U3- und Ü3-Einrichtungen, viele Bebauungspläne wurden beschlossen, begonnen, umgesetzt. Noch ist nicht alles fertig, aber die Stadt lebt ja, verändert sich immer weiter.

Dazu hat er politisch das Stadtleitbild „Der Mensch im Mittelpunkt – die Wirtschaft als Grundlage“, das Integrationskonzept „Wir sind alle Rödermärker“ und das Stadtentwicklungskonzept angestoßen, das Klimaschutzmanagement eingeführt und begonnen, die Rodau zu renaturieren. Da durfte er mit zwei „Baggerbissen“ den Bach vom alten ins neue Bachbett umleiten. Die Begeisterung über dieses Erlebnis sprüht heute noch aus seinen Augen.

Im Rathaus änderte sich auch einiges: Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Fachbereich, Kinder, Jugend und Senioren, Ehrenamtsbüro, Matinee des Ehrenamtes, Einbürgerungsfeiern, Seniorenbeirat, die Lotsen für Senioren, Sprache, Familien und Integration, Quartiers- und Stadtteilgruppen wurden in seiner Ägide geschaffen oder eingeführt. Die Kommunalen Betriebe wurden zusammengelegt. Kern ist seit September 2005 Mitglied der „Bürgermeister für den Frieden“. Es macht ihm Freude, Menschen dazu zu bringen, über den Tellerrand zu schauen.

Und alle Bürger profitieren von der flächendeckenden Breitbandversorgung. Alle profitieren außerdem von den Festen, das Rödermark Festival 2007 ist in bester Erinnerung, die Brückenfeste im Park am Entenweiher, das Welt-Poesie-Festival 2016, Grenzenlos grün, Ab in die Mitte – Midde noi. Und wer will, profitiert vom Radrundweg, nimmt am Wumbor-Lauf teil, genießt die Apfelweinroute, erkundet die Regionalparkroute und begibt sich auf Geschichtspfade zu den 23 Stolpersteinen und den Gedenkorten Bahnhofstraße 18 oder zum Jaky-Hecht-Mandelbaum.

Ein Meilenstein für Kern ist auch die ganz schnelle Abschaffung der Straßenanliegerbeiträge. Einen Tag galt die Satzung: am 1.1.2018. Dann hatte Rödermark nach etwa 20 Jahren wieder einen ausgeglichenen Haushalt – und musste deshalb die vom Regierungspräsidium angeordnete Beitragssatzung nicht mehr umsetzen. Im Mai 2018 wurde sie vom Stadtparlament rückwirkend aufgehoben.

Tränen der Rührung hat Kern in den Augen, als er von der Mini-WM 2016 erzählt, Rabbi Steiman aus Frankfurt, ein Imam und Pfarrer Gaebler segneten die Kinder, der Rabbi blies die Schofar. Dieses friedliche Geschehen habe ihn zutiefst berührt, erzählt er.

„Die Arbeit hat sich sehr sehr gelohnt – ich bin zufrieden“, blickt er gelassen auf seine Leistung zurück. Und sagt „ich sehne mich nach Langeweile“. Dann will er in seinem Arbeitszimmer zu Hause seine Zettelwirtschaft ordnen, sich Zeit nehmen für den Rückblick, sich intensiv damit befassen und schöne Ereignisse Revue passieren lassen.

Tränen in den Augen, aber eher aus Traurigkeit hat er über den vielen Müll in der Landschaft, den andere Menschen dann wieder einsammeln (müssen).

Zurück zu der Dame mit dem Knöllchen, das sie bekommen hat, weil sie die Parkscheibe vergessen hatte. Der Bürgermeister ließ sich das Knöllchen geben, die Dame entschwand überglücklich. Kern zahlte, das Problem war gelöst.

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