Günter Birth und sein Uralt-Traktor werden ausgezeichnet „Goldbauch“ gewinnt Gold

Günter Births „Goldbauch“ ist längst über die Grenzen Rödermarks hinaus bekannt. Er wurde zuletzt bei der Holzversteigerung in Dudenhofen ausgezeichnet und erhielt den Pokal für die beste Restaurierung. Bild: privat

Ober-Roden – Nomen est Omen – jedenfalls beim Traktor von Günter Birth. Sein „Goldbauch“ – längst auch Kennern in der ganzen Region ein Begriff – gewann bei der Holzversteigerung des Gesangvereins Germania Dudenhofen den Goldpokal. Kein Trecker sei so sorgfältig restauriert wie sein Ferguson FE 35. Die Ober-Röder können sich schon seit Jahren bei Markttagen oder ähnlichen Veranstaltungen von Births Liebe zur alten Landwirtschaftstechnik überzeugen.

Der Ober-Röder Bäcker- und Konditormeister könnte stundenlang über Details wie die Ricardo-Komet-Verbrennungskammern, Zweiloch-Zapfdüsen mit besonderer Einspritzöffnung oder das katastrophale Kaltstartverhalten erzählen. Das haben die Landmaschinenbauer aus Coventry übrigens vor Jahrzehnten durch Einzel-Glühkerzen verbessert – der Vollständigkeit halber sei’s erwähnt. Und die Fahrt zur Holzversteigerung hat eine gewisse Alltagstauglichkeit bewiesen. Günter Birth ist längst ein Experte rund ums Trecker-Aufbereiten geworden. 1 650 Stunden Arbeit hat er über zwei Jahre hinweg in seinen ersten FE 35 gesteckt. Den hatte er 2009 entdeckt, die Scheinwerfer guckten ihn wie traurige Kulleraugen an: „Das hat eine schlummernde Leidenschaft geweckt!“ Der FE 35 heißt unter Bauern und Bastlern „Goldbauch“. Der gold lackierte Unterbau war Mitte der Fünfziger ein cleverer Marketing-Gag: „Die meisten Traktoren wurden von Frauen gekauft.“ Erstaunlich, was die Damen vor über 60 Jahren in der Landwirtschaft schon alles mitzureden hatten... Seinen zweiten Traktor stöberte Günter Birth in einer Scheune bei Nürnberg auf. Er musste den Besitzer lange bearbeiten, bis der den FE 35 verkaufte. Nicht das Geld gab den Ausschlag: Birth versprach, den Traktor nicht auszuschlachten, sondern wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Birth gönnte sich auch für den Nürnberger Traktor zwei Jahre Zeit und hatte ihn in seine Einzelteile zerlegt. In der Tiefkühltruhe lag da schon mal eine Hinterachse zwischen Schnitzeln und Lende. Der Kälteschlaf hatte seinen Grund: Zweistellige Minusgrade lassen die stählerne Achse um Millimeter-Bruchteile schrumpfen. Parallel dazu erhitzte Birth die Ringe, die Achse und Lager verbinden, mit dem Bunsenbrenner auf 350 Grad. Dank dieses Unterschieds flutschten die Teile geradezu ineinander. Aber nur, wenn’s innerhalb weniger Sekunden geschieht. Da geht Tempo vor Entschleunigung. Geheimtipps dieses Kalibers hat Günter Birth immer noch massenhaft auf Lager. Auch das macht den Reiz seines Hobbys aus. „Der beste Arbeiter ist die Geduld. Man muss auch mal was liegen lassen können“, ist eine Devise, die er sich beim Traktor-Restaurieren angeeignet hat. Bis zu einer Woche lässt Birth zum Beispiel festgefressene Schrauben liegen - in einer Mischung aus Benzin und Diesel. Das löst den Rost gründlicher und schonender als jedes „Caramba“-Spray. Der „Goldbauch“ war mit 387 382 Exemplaren ist er einer der meistverkauften Traktoren der Welt.
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