Schüler befassen sich mit Tod und Trauer „Hospiz macht Schule weiter“ in Rödermark

Die Projektgruppe der Nell-Breuning-Schule beim Besuch des stationären Hospizes Fanny de la Roche in Offenbach mit Eleonore Hahn. Foto: JUH/p

Rödermark (red) – Erstmalig wurde an der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, integrierte Gesamtschule, während der Sozialwoche das außergewöhnliche Projekt von „Hospiz macht Schule weiter“ den Jugendlichen zum Mitmachen angeboten.

Neun Schüler im Alter zwischen 13 und 14 Jahren aus dem achten Schuljahrgang hatten sich ganz bewusst dafür eingeschrieben und sich eine Woche lang mit dem Lebensende beschäftigt. Durchgeführt wurde die Projektwoche von Winfried Schoßer und vier ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und Helfern vom Ambulanten Hospiz- und Palliativdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Zum Projektbeginn standen noch viele offene Fragen im Raum. Wie gehen die Menschen damit um, wenn man gesagt bekommt, dass man nur noch kurze Zeit zu leben hat? Wie fühlen sich „Gäste“ in einem Hospiz? Welche Berufe haben mit dem Tod zu tun? Was bewegt Jugendliche, sich freiwillig eine ganze Woche mit dem Thema Tod, Sterben und Trauer auseinanderzusetzten? Die Johanniter bereiteten die Teilnehmer langsam und mit sehr viel Feingefühl auf die verschiedenen Themen vor. Tag für Tag näherten sie sich den verschiedenen Themen an. Die Schüler besprachen ihre unterschiedlichen Beweggründe zur Teilnahme und erzählten über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Tod. Sie diskutierten auch über die Möglichkeiten der Sterbebegleitung.

Am Dienstag besuchten sie gemeinsam den Friedhof in Ober-Roden. Fiedhofswärter Christopher Müller und Manuela Saager von der Pietät Saager zeigten ihnen die Trauerhalle, die Verabschiedungsräume und besondere Gräber. An einem Grab lernten sie die Witwe eines Verstorbenen kennen und kamen mit ihr ins Gespräch. Sie erzählte Ihnen die Hintergründe, weshalb die Familie für den ehemaligen Dialogmanager einen ganz persönlichen Grabstein gestaltet hat.

Schüler besuchen Hospiz in Offenbach

Am Donnerstag fuhr die Projektgruppe zum stationären Hospiz „Fanny de la Roche“ nach Offenbach. Nach einem ausführlichen Rundgang mit Thomas Ruhl, Theologe und Krankenpfleger, durften sie im Anschluss mit einem Gast sprechen. Eleonore Hahn verbringt dort ihre letzten Tage. Sie lebt seit vergangenen November im Hospiz und freute sich über den Besuch der interessierten Schüler.

Zu Beginn waren die Jugendliche noch etwas zurückhaltend, aber mit ihrer positiven Haltung nahm Eleonore Hahn den Schülern ihre Ängste. Sie berichtete, dass ihre Entscheidung in ein Hospiz zu gehen für sie genau richtig war. Sie fühlt sich dort sehr wohl, wird bestens versorgt und muss sich keine Sorgen mehr um Haus und Hof machen. Hier kann sie loslassen und in Ruhe sterben. Sie erzählte auch, dass Ihre beiden erwachsenen Kindern mit ihrer Entscheidung in ein Hospiz zu gehen am Anfang haderten, jedoch mittlerweile die Meinung ihrer Mutter respektieren und akzeptieren. Die Schüler zeigten sich sehr positiv beeindruckt vom Offenbacher Hospiz. Es ist ein helles und freundliches Haus; da ist nichts wovor man sich fürchten muss, stellten sie einstimmig im Anschluss an ihren Besuch fest.

Am letzten Projekttag war ursprünglich eine kleine Ausstellung geplant, doch die Teilnehmer entschieden sich spontan um. Viel lieber schrieben Sie ganz persönliche Briefe an Eleonore Hahn und dankten ihr für den schönen Vormittag mit ihr.

Nach einer intensiven Woche waren die Jugendlichen von der Durchführung und dem Projekt von „Hospiz macht Schule weiter“ sehr positiv überrascht. Auch Winfried Schoßer staunte immer wieder über seine Teilnehmer. „Schon vom ersten Tag an kamen von den Schülern sehr offene und persönliche Wortmeldungen. Die Jugendlichen waren alle sehr interessiert und aufgeschlossen“.

Das Projekt „Hospiz macht Schule“ ist religionsübergreifend und multikulturell angelegt. Die Johanniter bieten dies für Grundschüler ab Klasse  drei sowie für Jugendliche in Rodgau, Rödermark und Dreieich an. Ebenso gibt es die Möglichkeiten, Lehrerfortbildungen zum Thema durchzuführen oder auch eine Elterninformationsveranstaltung anzubieten.

Zu Rückfragen zu dem Projekt, aber auch zu allen anderen Fragen um den Themenkomplex stehen die Mitarbeiter des Ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes der Johanniter unter Telefon 06106 871025 gerne zur Verfügung.

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